Tal der Wölfe Türkei 2006 – 125min.

Tal der Wölfe

Filmkritik

Mit alles und (un)scharf

Stefan Gubser
Filmkritik: Stefan Gubser

Wer "Tal der Wölfe" sagt, muss auch "Skandalfilm" sagen - vor allem in Deutschland. Jetzt läuft der teuerste türkische Spielfilm aller Zeiten auch in der Schweiz. Wir haben ihn nicht gesehen, konstatieren aber kaum Aufregung, nirgends. Eine Art Presseschau.

"Tal der Wölfe", Serdar Akars Kino-Adapation einer gleichnamigen TV-Actionserie, ist so etwas wie das türkische Gegenstück zu "Grounding", ein riesiger Publikumserfolg nämlich, der ein nationales Trauma verarbeitet. Sagenhafte drei Millionen Türken haben sich den Film schon angesehen, der die Geschichte eines Rambo-Verschnitts namens Polat (Necati Sasmaz) erzählt und davon, wie er auszog, die Verschleppung türkischer Soldaten durch US-Truppen zu rächen. Auf brutalste Art und Weise, so liest man (eine Pressevorführung gab es nicht in der Schweiz), dokumentarische Aufnahmen folternder GIs sollen auch zu sehen sein.

Und plötzlich: Aufregung, fast ein bisschen Karikaturenstreit mit umgekehrten Vorzeichen. Es war der Westen, der sich wehleidig und humorlos zeigte. Während amerikanische Armeezeitungen den in Europa stationierten Soldaten nahelegten, 1. sich das Rachedrama nicht anzutun und 2. es nicht mit Unbekannten zu diskutieren, zitierten sie auf dem deutschen Boulevard Tag für Tag die Herren Stoiber (CSU) und Rech (CDU). "Der Film schürt antisemitische Ressentiments, spaltet Kulturen und radikalisiert vor allen Dingen türkische Jugendliche", stand auf den Frontseiten von "Bild" & Co., und seither ist "Skandalfilm" die deutsche Übersetzung von "Kurtlar vadisi - Irak", wie der Film verblüffend ü-los im Original heisst.

Wortreiche Debatten, ob "Tal der Wölfe" erst ab 18 freizugeben sei, waren die Folge, weil der "Hassfilm einen schlechten Einfluss auf türkische Jugendliche in Deutschland habe". Auf Druck der Verleiher wurde der Film dann doch schon den 16-Jährigen zugemutet, auch, weil besonnene Brückenbauer wie der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu sich dafür aussprachen, «Tal der Wölfe» nicht überzubewerten. Man müsse, so Zaimoglu, «unter'm Strich von der Freude der Zwerge sprechen, die sich köstlich darüber amüsieren, dass der Riese auch mal stolpern kann.» Ein schöner Satz. Aber der da, er stand in der "Welt", ist noch schöner: "Es gibt nicht nur B-Movies, es gibt auch B-Debatten."

24.02.2006

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Kommentare

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ani1209

vor 12 Jahren

Hier wird sehr gut Amerikaner mit den Irakern umgehen und es können endlich es werden endlich mal ellen die augen geöffnet und sie sehen was wirklich passiert!!!!


reachel

vor 12 Jahren

ich finde dass, der film eigentlich ganz gut ist ok vieleicht finden manche das dass zu brotal ist aber leute niemand weis so richtig was die amerikaner gemacht haben oder nicht aber ich habe natürlich bemerkt das manche stellen in der wahrheit passirt ist denn man hat sie in nachrichten gezeigt und wusste auch das die stellen man irgendwoher kannte. und ich denke auch nicht das man einfach diesen film nur so aus spaß gemacht und sich was ausgedacht haben!!: D ICH FIND DEN FILM GUTMehr anzeigen


cezaa

vor 12 Jahren

ein sehr interessanter und realer film...;)


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