Aphrodites Nacht Deutschland 2006 – 83min.

Filmkritik

Zurück in die Vergangenheit

Filmkritik: Cindy Hertach

Vier attraktive Frauen, vier fremde Männer, ein gemeinsames Abendessen: Was sich anhört wie ein Speed-Date, ist eine Geburtstagsfeier der etwas anderen Art. Das übermütige Experiment wandelt sich im Verlauf des Abends langsam zum sprichwörtlichen Seelenstrip.

Hannah (Karo Guthke) wird 30. Ihre Freundinnen Toni (Christine Adler) und Aurelia (Sabrina Khalil) haben sich etwas Besonderes einfallen lassen: Innerhalb einer Stunde muss jede Frau - auch Hannahs Mutter (Gisela Schneeberger), die unverhofft zum Geburtstag hereinschneit - einen wildfremden Herrn von der Strasse zum Dinner mitbringen. Am Ende erweitert ein obdachloser Philosoph (Titus Horst), ein Parfum-Vertreter (Stefan Merki), ein taxifahrender Pianist (Fritz Barth) sowie ein geheimnisvoller Unbekannter namens Hans (Anatole Taubman) die Damenrunde. Für Hannah wird der Abend zum Psycho-Trip - zurück in eine unangenehme Vergangenheit.

Um bis an jenen Punkt zu gelangen, nimmt sich der Film jedoch viel Zeit. Nur langsam entwickelt sich aus dem unbedarften und feuchtfröhlichen Menschen-Experiment am festlich gedeckten Tisch ein klaustrophobisches und dicht inszeniertes Kammerspiel. Die psychologische Versuchsandordnung erscheint zunächst banal, lässt die unterschiedlichen Lebensentwürfe fremder Menschen aufeinanderprallen, um aus deren Begegnungen wiederum eine dem Blind-Date eigene Situationskomik hervorzukitzeln, die von Ralf Westhoff in "Shoppen" aber schon um einiges überzeugender dargestellt wurde.

Das Abendessen schleppt sich unter Frage-Antwort-Spielchen dahin, man versucht sich in möglichst vorteilhafter Selbstinszenierung und vergreift sich im Voranschreiten des Abends und dank des steigenden Alkoholpegels nicht nur im Tonfall. In diesem Rahmen kristallisiert sich nach und nach eine explosive Personenkonstellation heraus, die aus Hannah, ihrer attraktiven Mutter und dem scheinbar unbekannten Hans besteht. Dem dramatischen Konflikt, welcher sich zwischen diesen drei Figuren gegen Ende zuspitzt, verdankt der Film - durch die Kameraführung im Dogma-Stil zusätzlich betont - seine intensivsten Momente, die für die vorangehende latente Langeweile entschädigen.

Mit ihrer Low-Budget-Produktion, welche nur dank dem Idealismus und der Gratisarbeit aller Beteiligten entstehen konnte, gelingt der Münchner Regisseurin Carolin Otto - sonst mit Krimiserien und Fernsehfilmen beschäftigt - ein zwiespältiges Werk. Das in der spannenden Ausgangslage enthaltene Potential liegt über weite Strecken brach. Die Geschichte kommt erst nach längerer Zeit in Schwung und über das Niveau einer durchschnittlichen Fernsehproduktion hinaus. Da bleibt sie dann leider nicht, sondern findet in überraschender Belanglosigkeit ihr Ende.

16.07.2008

3

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