The Last Show USA 2006 – 105min.

The Last Show

Filmkritik

Galgenhumor auf doppeltem Boden

Filmkritik: Eduard Ulrich

"Was wäre, wenn mein Lebenswerk, die extrem populäre Radio-Revue "A Prairie Home Companion", abgesetzt würde", dachte sich Garrison Keillor, und engagierte Robert Altman, um daraus einen Film zu machen. Der ließ sich nicht lumpen und lieferte vor seinem Tod ein verspieltes und amüsantes, aber auch wehmütiges Werk ab.

"A Prairie Home Companion" ist eine seit 1974 einmal wöchentlich ausgestrahlte Radiosendung, die inzwischen weltweit ca. 35 Millionen Haushalte erreicht. Sie wird in einer Kleinstadt in Minnesota vor Saalpublikum einmal wöchentlich produziert und gleichzeitig gesendet. Neben Anekdoten aus dem Leben in einer ebensolchen Kleinstadt und einem Fortsetzungskrimi bietet sie komödiantische Einlagen, Auftritte von Musikerinnen und skurrile Werbespots für fiktive Produkte und Sponsoren. Der Produzent, Autor und Moderator dieser Sendung heisst Garrison Keillor und nach mehr als 30 Jahren fast ununterbrochenen Belieferns seiner Fan-Gemeinde kann es nicht verwundern, wenn sich der Gedanke ans Aufhören meldet. In Zeiten der Globalisierung und Renditemaximierung wird also der Sender an eine Finanzgesellschaft verkauft, die ihn wegen mangelnder Profitabilität sofort schliesst.

Hier setzt die Filmhandlung ein: Gezeigt wird der letzte Produktionstag, an dessen Ende die letzte Sendung über den Äther rauscht und die Studios geschlossen werden - die Abrissbirne für das Gebäude steht schon bereit. Keillor verwebt die (fiktive) Lebensgeschichte der Figuren der Sendung wie beispielsweise diejenige des Detektivs aus dem Fortsetzungskrimi mit demjenigen ihrer Darsteller, er führt die Fantasiefigur des Todesengels in Form einer ganz in Weiss gekleideten Frau ein, die durch ihre Schweigsamkeit und ihr merkwürdiges Verhalten eine geheimnisumwitterte Aura umgibt, und versieht die Dialoge mit Anspielungen auf frühere Folgen der Sendung. So entsteht eine luftige Mischung, die auf der Grenze von Utopie und Realität balanciert.

Robert Altman konnte mit Meryl Streep, Kevin Kline, Lindsay Lohan, Woody Harrelson, Lily Tomlin, um nur die Bekannten zu nennen, eine Riege hervorragender Kräfte gewinnen, und selbstverständlich spielt Keillor souverän sich selber. Altman gibt ihnen und ihren verdichteten Geschichten nicht nur genügend Zeit, sich so weit zu entfalten, wie es nötig ist, dass man mitfühlt. Nein, er schafft es auch, eine Genre-Melange anzurichten, die durch ihre Dokumentarfilmelemente Pathos und Sentimentalität bannt, gleichzeitig aber das Interesse anheizt, da es in der Schwebe bleibt, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt.

Die Mitarbeiterinnen entwickeln angesichts des nahenden Endes einen frivolen Galgenhumor, der im letzten Werk Robert Altmans keine Altersschwere oder rührselige Melancholie aufkommen lässt. Viel Spass!

05.06.2007

4

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Kommentare

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rain1881

vor 11 Jahren

Mir gefiel der Film nicht so gut. Vielleicht sollte man das Radio gekannt haben, oder sich sehr stark für Musicals oder dergleichen interessieren. Es wird hauptsächlich gesungen und über unwichtige Themen geredet. In der Mitte des Films bin ich eingeschlafen.


fere1160

vor 11 Jahren


Gelöschter Nutzer

vor 12 Jahren

robert altman hat eine sehr gute letze arbeit hingelegt! lohan und strepp waren super!


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