The New World USA 2005 – 130min.

Filmkritik

Von Menschen und Gräsern

Björn Schäffner
Filmkritik: Björn Schäffner

Terrence Malicks Version des Pocahontasstoffs ist schön geraten. Und doch ist der Film ein Misstritt: Inmitten des elegischen Bilderreigens gerät die Story arg ins Stocken.

Wenn Terrence Malick einen Film dreht, "dann kommen sie alle angerannt". Hauptdarsteller Colin Farrell übertreibt mit dieser Aussage kein bisschen: Malick ist ein Überregisseur. Der Mann, der in vier Jahrzehnten gerade vier Filme gedreht hat, hat den Status eines Kinoheiligen. Nicht nur in Hollywood. Kritikern gelten seine beiden frühen Filme "Badlands" und "Days of Heaven" als poetische Meisterwerke. Und mit dem 1998 gedrehten Kriegsstreifen "The Thin Red Line" hat Malick seinen Ruf als Visionär weiter gefestigt. Zu Recht.

Mit "The New World" hat Malick den ersten Aussetzer produziert. Zwar ist seine Verfilmung des Pocahontasmythos von lyrischer Schönheit. Doch leider schreitet die Handlung nur zähflüssig voran. Hat man sich einmal an der Fauna und Flora des vorkolonialen Virginias satt gesehen - Weizenfelder, Wälder, Schilfufer - wähnt man sich in einem Limbo der Langeweile. Und versucht man sich Tage später an das fast zweieinhalbstündige Epos zu erinnern, tauchen nur vage Bilder auf. Bilder, wie man sie von Malick bestens kennt und die mit einem Mal ein Hauch von Businesskalkül umweht. Etwa die Sonnenstrahlen, die mystisch verklärt durch die Ritzen der Indianerhütte fallen. Was bleibt von diesem Film? Nicht viel.

Am Anfang steht ein Indianerparadies: Virginia, 1607. Zu Wagnerklängen versammelt sich am Ufer eine Schar aufgeregter Algonquins. Drei englische Schiffe landen an der Küste. Mit an Bord auch Captain John Smith (Colin Farrell). Der verliebt sich prompt in die schöne Häuptlingstochter Pocahontas, gespielt von der Newcomerin Q'Orianka Kilcher. Die Ankunft der Fremdlinge verheisst natürlich wenig Gutes für die Algonquins. Will heissen: Schluss mit Garten Eden.

Was Malick im Weiteren erzählt, ist jedem amerikanischen Schulkind bekannt: Die Errettung von Smith durch das Indianermädchen Pocahontas, das die knüppelbewehrten Killer ihres Vaters Powhatan stoppte, indem sie ihren Kopf auf den Kopf des hinzurichtenden Smiths legte. So will es die Liebeslegende von der schönen Wilden und dem wackeren Captain.

"Wir sind wie Gräser" sagt Pocahontas einmal. Recht hat sie. Farrells Smith etwa, der den irischen Akkzent nie ganz los wird, gemahnt unfreiwillig an den Zauderer Hamlet. Ja, die Figuren von "The New World" scheinen im Wind des grossen Welttheaters hin- und her zu wiegen. Irgendwie leblos. Aber immerhin wie Gräser.

25.01.2021

3

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Kommentare

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dulik

vor 3 Jahren

Wie man es von Terrence Malick nicht anders gewohnt ist, trumpft auch "The New World" mit einer faszinierenden Bildpracht auf. Untermalen werden die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen mit poetischen Erzählungen in gewohnter Manier. Schauspielerisch ist das 130-minütige Epos zweifelsohne auf höchsten Niveau. Doch die Handlung ist zu ereignisarm und schreitet nur sehr langsam voran, entsprechend wirkt das Ganze doch ziemlich zäh und langatmig. Somit ist dieser Film leider nur für grosse Fans von Malick zu empfehlen, der allerdings deutlich hinter vielen seiner anderen Werke zurückbleibt.
5.5/10Mehr anzeigen


movie world filip

vor 11 Jahren

Das war Klasse, Ich muss mich dringend The Tree of Life anschauen gehen... Seit The Thin Red Line eine meiner Favoriten Regisseurs... Ich habe gelesen er hat Material für noch mehr wie 50 Filmen... arbeitet aber langsam und ziel genau. Einfach cool.


cehu

vor 11 Jahren

Einfach nur Schrott und langweilig!


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