CH.FILM

The Giant Buddhas Schweiz 2005 – 100min.

The Giant Buddhas

Filmkritik

Mammutbuddha-Explosionen

Filmkritik: Eduard Ulrich

Nach der phänomenalen Hautnahdoku über den Kriegsfotografen James Nachtwey doppelt Christian Frei mit seiner Abenteurerdoku über die von den Taliban zerstörten Buddha-Riesenstatuen auf hohem Niveau nach. Dabei glücken ihm 4 Sensationen, allein deretwegen der Film sehenswert ist. Zudem stimmt der Zeitpunkt: Der Dalai Lama besuchte gerade die Schweiz, der Buddhismus liegt im Trend.

Schon die ersten Bilder zeigen, dass hier nicht linear eine Geschichte erzählt wird, sondern mehrere Erzählstränge zu einem orientalischen Teppich geknüpft werden, dessen Motiv die im März 2001 zerstörten Riesenbuddhas sind. Im Stil eines Reiseberichts aus der Zeit der europäischen Pioniere erzählt eine Stimme aus dem Hintergrund, worum es in der jeweiligen Etappe geht. Allerdings wird von der Reise berichtet, die Regisseur Christian Frei mit seinem Kameramann Peter Indergand unternahm, um den Schauplatz der Zerstörung der beiden Riesenstatuen in Afghanistan und einige andere Plätze zu besuchen, die damit in enger Verbindung stehen wie beispielsweise eine Region in China, in der ein gleich großes Replikat des 55 m hohen Buddhas existieren soll.

Während also der Stil dieses Berichts die Vergangenheit anklingen lässt, werden die präzisen Tagebuchaufzeichnungen eines chinesischen Mönchs aus dem 7. Jahrhundert in die Gegenwart versetzt, denn sie erzählen von einem sagenumwobenen dritten, 300 m langen liegenden Buddha, den ein afghanischer Archäologieprofessor von der Uni Strassburg suchen und ausgraben will. Christian Frei ist auch dabei. Schliesslich begleiten wir eine afghanische Journalistin, die vor vielen Jahren mit ihren Eltern nach Kanada auswanderte, zurück in ihre Heimat.

Dem Tüchtigen hilft das Glück, möchte man die sensationellen Funde kommentieren, die Frei im Laufe seiner zähen Bemühungen, den Dingen auf den Grund zu gehen, gelingen. Sein frisches Material präsentiert er geschickt und reichert es mit Archivmaterial an, um einen Eindruck des unwiderbringlichen Verlusts zu vermitteln und das Paradoxon aufzulösen, dass die zentralen Stücke des Filmthemas nicht mehr existieren. So wird dieser Film über eine Lücke zu einem kulturellen Abenteuer, das uns den Schmerz über diesen Kulturverlust eindringlich erfahren lässt, das uns aber mit seinen wunderbaren Bildern ein wenig tröstet und mit den wohldosierten Informationen ein bisschen klüger macht.

12.08.2010

0

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

struessel

vor 12 Jahren

Der Film ist wunderbar gezeichnet. Einerseits kommt die Vergänglichkeit sehr stark zum Ausdruck, der Verlust der kulturellen Identität. Aber genauso gibt er auch ein Bild der Suche nach Schönheit und Vielfalt. Wohldosiert erhält man Informationen, nachdenklich verlässt man den Kinosaal.


chootuup

vor 13 Jahren

Ein grosses Kino der Weltklasse. Eine poetische Reise, klug, spannend, informativ, nachdenklich. Unbedingt sehenswert


Mehr Filmkritiken

Book Club

The Nun

The House with a Clock in its Walls

Searching