CH.FILM

Matchmaker Schweiz 2005 – 70min.

Filmkritik

Partner auf dem Prüfstand

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Eine Jüdin, um die 30 Jahre alt, sucht in Zürich einen Mann. Er sollte jüdisch oder zumindest tolerant sein. Heirat nicht ausgeschlossen. Regisseurin Gabrielle Antosiewicz macht sich selber als Single auf Partnersuche und prüft sechs Kandidaten verschiedener religiöser Couleur.

Alles schon mal da gewesen. Frauen, jüdische Frauen werden nach Amerika verschifft und quasi in den Hafen der Ehe verfrachtet. Damals in den Zwanziger- oder Dreissigerjahren herrschte scheinbar Frauennotstand. Stummfilmbilder dokumentieren die Malaise aus alter Zeit. Heute jedoch ist die Sache anscheinend umgekehrt. Die Filmheldin, Regisseurin Gabrielle Antosiewicz, Single um die 30, selbstbewusst und forsch, sucht einen Mann.

Nein, auf einen Heiratsvermittler (Matchmaker), wie er in der jüdischen Gemeinschaft üblich und praktikabel ist, verzichtet sie. Sie vertraut aufs Internet und macht einen Selbstversuch in der eigenen Küche. Sechs willige Mannsbilder werden aufgefordert, einen traditionellen Sabbat-Zopf zu kneten und zu backen - jeder zu seiner Zeit. Einige erweisen sich als Küchenweicheier, andere stehen ihren Mann. Am besten schneidet einer von einer anderen religiösen Gruppe ab. Aber der Traummann... gibt es den überhaupt?

Die witzige zeitgemässe Partnersuche dient freilich nur als roter Faden für ein Gesellschaftsbild mit jüdischen Familien. Da gibt es die Orthodoxen, die religiöse Sitten und traditionelles Verhalten mit modernem Leben in Einklang bringen möchten, die Geschäftigen, die koscheren Lebensmittelhandel betreiben, oder die Desinteressierten an der Zürcher Goldküste, die mit der Religion wenig anfangen können. Gabrielle Antosiewicz verknüpft ihre koschere Liebesgeschichte bzw. -suche mit familiären Streifzügen durch jüdischen Alltag, Gewohnheiten und Geselligkeit. Ihr Dokumentarfilm mit persönlicher Note hat Witz, Frische und Selbstironie. Das lockere Gesellschaftsbild, frei von missionarischem Eifer, pendelt zwischen Kuppelei, koscherer Küche und lustvoller Koexistenz. Und am Ende bleiben ein Hochzeitskleid und der Spass, es versucht zu haben.

01.11.2005

4

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Kommentare

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Filmenthusiast

vor 8 Jahren

lauer Documentarfilm, den Eintritt definitiv nicht wert


fredyboos

vor 15 Jahren

Heiter und lockerer Umgang mit einem nicht so leichtem Thema aus religiösen Minderheiten. Mit wenig Mittel, einen kleinen Einblick in diese Welt ermöglicht.


struessel

vor 15 Jahren

Wir haben uns prächtig amüsiert und viele Lacher begleiteten das Geschehen. Seien es die witzigen Dialoge oder die Situationskomik an sich. Einblicke in den jüdischen Alltag, wie sie verschiedener nicht sein könnten. Doch der Stolz war bei allen spürbar und selbst die Liberalen sind/wären bereit, sich tiefer in die Religion und ihre Traditionen einzugeben, wenn es die Liebe erfordert. Ein gelungenes Bild des Jüdischsein in Zürich. Meines Erachtens das einzige Manko: Mit der Zeit flaut der Film etwas ab, Unerwartetes bleibt aus und auch die Situationskomik ist nicht mehr so gegeben. Trotz allem: Ein Film, den man gesehen haben sollte!: -)Mehr anzeigen


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