Massaker Frankreich, Deutschland, Libanon 2005 – 98min.

Filmkritik

Beichte der Massachristen

Filmkritik: Eduard Ulrich

Drei Tage und zwei Nächte lang schlachteten christliche Milizionäre 1982 in den Beiruter Palästinenserlagern Sabra und Schatila mehrere Tausend Zivilisten ab. Die israelische Armee lieferte nachts die Beleuchtung und war auch organisatorisch und logistisch mit von der Partie. Sechs Täter erzählen, was damals geschah.

Die Arabistin Monika Borgmann, der Philosoph Lokman Slim und der Journalist Hermann Theissen bringen sechs Milizionäre aus verschiedenen Gruppierungen vor ihre Kamera und lassen sie erzählen, was sie 1982 taten, sahen, dachten, fühlten und wie sie dazu kamen, wehrlose Menschen derart barbarisch zu foltern und umzubringen. Dabei sehen wir die Täter nur im Halbdunkel und können ihre abgeschatteten Gesichter nicht erkennen, denn die Taten sind im Libanon nicht vergessen, und trotz einer Amnestie wären Racheakte nicht auszuschliessen. Wenige Fotos von den verstümmelten Toten "lockern" die schrecklichen Schilderungen visuell auf. Auch wenn sich die Erzählungen teilweise gleichen, so stellt sich wohl keine Gleichgültigkeit beim Publikum ein, da immer neue und schlimmere Details zum Vorschein kommen. Wenigstens wurde auf einen Bericht vom Aufschlitzen Hochschwangerer verzichtet.

Mich persönlich hat aber die detaillierte Darstellung der äusserst brutalen Vergewaltigung einer 13jährigen sehr mitgenommen. Immerhin wird durch die Vorgeschichte der Täter und die historische Situation klar, wie diese meist recht jungen Männer abgerichtet wurden, diese grauenvollen Verbrechen zu begehen. Welch zweifelhafte Rolle Israel dabei spielte, das mit Planierraupen und Baggern beim Zerstören der Häuser und Ausheben der Gruben für die Toten zur Seite stand und das auch an die Plastiktüten und Chemikalien dachte, die man für die drei oberen Lagen von Toten in den Gruben benötigt, damit der Leichengestank nicht nach aussen dringt, wird genauso wenig verschwiegen wie die Tatsache, dass die Verbrecher sich gegenseitig verachteten: Die christlichen Libanesen die Israelis und umgekehrt.

Trotz der minimalen filmischen Mittel und trotz der Einseitigkeit verfehlt der Film seine Wirkung nicht - im Gegenteil: tiefe Trauer über dieses Verbrechen biblischen Ausmasses und Ohnmacht angesichts der fortdauernden Misshandlung der Palästinenser stehen dem schwachen Trost gegenüber, dass wenigstens ein Teil der damaligen Täter bis jetzt von schweren Schuldgefühlen geplagt wird, die es ihnen heute schmerzvoll erscheinen lassen, über ihre Taten zu sprechen, die sie damals rücksichtslos begingen.

23.11.2006

4

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