Kiriku und die wilden Tiere Frankreich 2005

Filmkritik

In die Kindheit zurückversetzt

Filmkritik: Cindy Hertach

Der französische Animationsfilm hats nicht leicht gegen Disney & Co. Unterkriegen lässt er sich dennoch nicht, trumpft immer wieder mit erfolgreichen Produktionen auf und hebt sich durch visuelle und erzählerische Originalität wohltuend vom Einheitsbrei der Major-Konkurrenz ab. Etwa mit dem skurrilen Abenteuer «Les Triplettes de Belleville» (2003) oder der zauberhaften Arche-Noah-Erzählung «Das Geheimnis der Frösche» (2004). Mit «Kiriku und die wilden Tiere» ist den Franzosen nun ein weiterer Streich gelungen.

Es bedarf einiger Ingredenzien, um als kleine, europäische Zeichentrickfilm-Produktion gegen die Vorherrschaft eines übermächtigen Hollywood-Pendants mit millionenschwerem Werbe-Etat anzukommen: Einer überzeugenden Geschichte und eigenständiger Ästhetik etwa, charmanten Identifikationsfiguren, Innovationsgeist und - das wichtigste - jeder Menge Glück. Ausgestattet mit einer dergestalt günstigen Kombination mauserte sich 1998 Michel Ocelots afrikanisches Märchen «Kiriku und die Zauberin» - für Kritiker und Produzenten gleichermassen überraschend - zu einem der erfolgreichsten Kinderfilme in Frankreich. Der Film konnte an der Kasse problemlos mit den parallel laufenden Grossproduktionen «Asterix und Obelix» und «Das grosse Krabbeln» mithalten, was Ocelot denn auch dazu ermutigt hat, 2005 mit der Fortsetzung «Kiriku und die wilden Tiere» diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Dem französischen Publikum schien dies hochwillkommen, liess es sich im letzten Jahr für Kirikus neue exotische Abenteuer doch über 1,8 Millionen Mal ins Kino locken.

Streng genommen handelt es sich bei diesem zweiten Film jedoch nicht um die eigentliche Fortsetzung von «Kiriku und die Zauberin», ist doch Kiriku zu Ende des ersten Films erwachsen geworden. Offensichtlich mochte sich Ocelot aber nicht von der Figur des winzigen Helden trennen, weshalb er ihn kurzerhand in dessen Kindheit zurückversetzt hat. So dürfen wir abermals den kleinen Kiriku erleben, wie er kraft seiner aussergewöhnlichen Klugheit das Dorf vor allerlei Ungemach schützt: In zahlreichen kleinen Abenteuern meistert er die für ein traditionelles afrikanisches Dorf typisch anmutenden Probleme wie Wasserknappheit, drohende Angriffe wilder Tiere und die Invasion bösartiger Fetischfiguren. All diese Schwierigkeiten führen ihn schliesslich erneut zur bösen Zauberin Karaba, die den Frauen des Dorfes mit Gift nach dem Leben trachtet. Da nur sie das rettende Gegengift besitzt, ist Kiriku gezwungen, sich sprichwörtlich in die Höhle des Löwen zu wagen.

Ocelot, der seine Kindheit in Guinea verbracht hat, gelingt es dank der auf afrikanische Farbenpracht bedachten Ästhetik, Youssou N'Dours atmosphärischen Soundtrack sowie der schlichten, aber ergreifenden Geschichte über Mut und Solidarität ein aussergewöhnliches Trickfilmerlebnis für kleine Kinder zu schaffen. Einziger Wermutstropfen dabei ist das doch eher gemächliche Tempo des Films, welches es älteren Kindern, die an actionreiche Abläufe und hohe Schnittfrequenzen gewohnt sind, möglicherweise schwer machen wird, aufmerksam zu bleiben.

01.11.2006

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