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Journeys with Tibetan Medicine Schweiz 2005

Journeys with Tibetan Medicine

Filmkritik

Journeys with Tibetan Medicine

Filmkritik: Dominique Zahnd

Zürich steckt gerade mitten im Dalai Lama-Fieber, da passt «Journeys withTibetan Medicine» gut ins Programm: In der Schweizer Produktion erzählt MartinSaxer die spannende Geschichte tibetischer Ärzte aus Sibirien, die versuchen,eine östliche Wissenschaft im Rest der Welt populär zu machen.

Erste Einstellung: Ein Mann im Trainingsanzug, der unverständliche Sachenauf einem Feld in der Einöde murmelt. Abrupter Übergang: «So jetzt könnenwir Heilkräuter sammeln gehen». Und das macht er dann auch. Im Mittelpunktder Doku steht eine Familie von tibetischen Doktoren, den Wandlern zwischenden Welten. Sie stammten allesamt aus Burjatien in Sibirien und dieser Clansorgte dafür, dass die tibetische Medizin im Westen Einzug hielt - von St.Petersburg, Polen, in die Schweiz bis rüber in die USA. Diese Doktoren warenin gewisser Weise Pioniere, da sie, wie es das Programmheft schön beschreibt,«den Versuch wagten, eine östliche Wissenschaft in abendländisches Denken zu übersetzen.»

Ist dieser Feldzug für etwas anders geartete Heilweisen, filmisch interessantumgesetzt? Ja, durchaus. Kameraführung und Schnitt sind gemächlich, die Musikdezent. Regisseur Martin Saxer legt Wert darauf, die tibetische Medizin voneiner ungewohnten Seite darzustellen: nicht als angestaubtes Heilverfahren,sondern als Wissenschaft, die stets in Bewegung ist. Auf ihrem Weg in denWesten trifft sie auf mystisch angehauchten Adel, revolutionäre Lamas, erkrankteParteifunktionäre, zwei polnische Präsidenten und die Schweizer Behörden.Eine Odyssee über vier Generationen und durch die Wirren des 20. Jahrhunderts.

«Journeys with Tibetan Medicine» verfolgt die Verästelungen der tibetischenMedizin, immer wieder untermauert mit historischen Facts. Familienangehörigeerinnern sich, es wird analysiert und hinterfragt. Die Dokumentation holtweit aus und geht zurück in der Geschichte: Wie die tibetische Medizin durchbuddhistische Missionare nach Burjatien kam im 18. Jahrhundert. Die Problemeder Ärzte fingen damals schon mit den Essenzen an: Denn viele der traditionellenHeilkräuter wuchsen erst mal gar nicht in Burjatien und waren darum nur schwierigzu bekommen. Die Ärzte begannen also, mit lokalen Ersatz-Kräutern zu operien- was auch funktionierte. Im Endeffekt bedeutete das für Ausbreitung dertibetischen Medizin, dass sie in jeder Region dieser Welt funktionieren kann. Alles dreht sich um Anpassung an die lokalen Bedingungen.

08.08.2005

4

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