George Michael: A Different Story Grossbritannien 2005 – 93min.

Filmkritik

Sangesgott und heimlicher Komiker

Filmkritik: Dominique Zahnd

Der öffentlichkeitsscheue Pop-Titan George Michael scheint das Versteckspielen satt zu haben: Darum gewährt der smarte Brite nun Einblick in sein Leben - in Form einer unterhaltsamen Dokumentation.

Er ist einer der erfolgreichsten Sänger der Welt. Und der 41-Jährige weiss, wie man Hits schreibt. Doch mit den goldenen Regeln des Popbusiness hat George Michael so seine liebe Mühe. Denn die erste davon lautet: Mach' Werbung! Musik verkauft sich am Besten durch Medienpräsenz: Auftritte in TV-Shows, Interviews mit allen wichtigen Magazinen und Zeitungen etc. Doch mit dieser Zurschaustellung der eigenen Person, mit dem Anbiedern an die Öffentlichkeit, kam «Mister Samtstimme» noch nie richtig zurecht.

Darum geht George Michael auch nicht mehr auf Tournee. Darum gibt er keine Interviews. Oder sagen wir: fast keine. Bei seiner letzten Platte «Patience» zwang sich der Engländer regelrecht, aus seinem Schneckenloch zu schlüpfen. Dort in einem Radiostudio vorbei geschaut, da auf der Couch in einer Talkshow Platz genommen... die Rechung ging auf. «Patience» wurde rund um den Globus zu einem Nummer-Eins-Album. Im Zuge dieses zaghaften Schrittes in die Aussenwelt liess sich George Michael von Doku-Regisseur Southan Morris begleiten. Jetzt liegt das Ergebnis vor: 93 Minuten Entertainment, willkommen im unzensierten Leben eines Popgottes!

«A Different Story» lässt neben anderen Stars wie Mariah Carey, Elton John oder Sting hauptsächlich den Meister selbst zu Wort kommen. Seine Aussagen sind bisweilen überraschend kritisch: Tony Blair kriegt bei ihm mächtig was aufs Auge, genau so wie seine Plattenfirma, gegen die der Sänger sogar vor Gericht gezogen ist. Die schönsten Momente hat der Streifen aber, wenn George Michael in Erinnerungen schwelgt mit Andrew Ridgeley (heute mit Halbglatze und grauen Schläfen), seinem ehemaligen Boygroup-Kollegen aus der Band «Wham!». Wie die beiden miteinander umgehen ist Comedy pur. George Michael überrascht in dieser Dokumentation überhaupt mit vielen neuen Seiten: Im Zusammenhang mit dem Tod seines Partners und dem seiner Mutter scheut er sich nicht, Schmerz und Verletzlichkeit zu zeigen. Im Gegenzug entpuppt sich der sonst so scheue Mann mit dem obligaten Dreitagebart privat aber auch als Sprücheklopfer und Scherzkeks - wer hätte das gedacht?

Bei Dokus dieser Art stellt sich am Ende natürlich die Frage, was denn nun Sinn und Zweck des Ganzen war. Will der Popstar unser Mitleid? Will er Verständnis für seinen Job? Oder ist «George Michael: A Different Story» aus einem Bedürfnis heraus entstanden, mal die eigene, zum Teil natürlich sehr geschönte Variante einer Traumkarriere zu erzählen? Fakt ist, dass der Film bestens unterhält, nicht mehr, nicht weniger. Wer George Michael mag und gerne mal wieder in 80s-Nostalgie schwelgen möchte... Ticket kaufen und sich zurücklehnen - es lohnt sich!

10.11.2020

4

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Kommentare

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rawkidd

vor 16 Jahren

Diese Doku ist für GM Fans wie ein visueller Einblick in das Tagebuch von ihm. Er redet über die Wham Zeit, über den Tod seines Freundes/Partners Anselmo, über den Tod seiner Mutter, und natürlich auch über die Toiletten-Affäire in L. A. Soweit so gut.

Für mich hat der Film nicht viel Aufschluss über seine Künstler Seite gegeben. Produktionsaufnahmen von "Songs from the last Century" hätten mich z. Bsp interessiert. Oder Wie manche Duetts z. Bsp mit Aretha Franklin zustande kamen usw.

Oft hatte ich das Gefühl, dass diese Doku eine Art Rechtfertigung für die letzten 15 Jahre von George ist. Sei es drum. Für Fans ist es sicherlich spannend.Mehr anzeigen


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