Die grosse Stille Deutschland 2005 – 162min.

Die grosse Stille

Filmkritik

Kraftvolle Ruhe

Filmkritik: Dominique Zahnd

Zeit spüren, Zeit sehen: Kann man das? Philip Gröning wagt den Versuch in seinem dokumentarischen Experimentalfilm "Die große Stille". Er porträtiert den Schweigeorden in einem Kloster.

Jeder hat ihn irgendwo schon mal gehört, den Spruch "In der Ruhe liegt die Kraft". Regisseur Philip Gröning macht diese Weisheit zum Motto seines Films. 162 Minuten zeigt er Bilder, viele Bilder. Musik gibt es keine dazu, ausser kurz mal in der Form von singenden Mönchen. Bei den Geräuschen sieht es schon anders aus: Die dürfen sein. "Die grosse Stille" will die Sinne schärfen, wachrütteln, aufmerksam machen. Auf etwas, das heutzutage im hektischen Alltag rar gesät ist: die Momente des Innehaltens. Der Filmemacher verfolgt aber noch ein weiteres Ziel: Das Sichtbarmachen von Zeit. Die Bilder erzählen die Story, auf gesprochene Kommentare wird in seinem zweieinhalbstündigen Porträt verzichtet.

Das Konzept für diesen Film stand schon vor 21 Jahren. Nach langem hin und her bekam Philip Gröning aber erst 1999 die Erlaubnis, in der "Grande Chartreuse" zu filmen. So heisst das Gründungskloster des fast tausend Jahre alten Ordens der Karthäuser-Schweigemönche in den französischen Alpen. Fast sechs Monate hat der Dokumentarfilmer mit den Gläubigen dort gelebt, sie beobachtet, ihre Rituale begleitet. Die Kamera ist stets mit Bedacht dabei, behält den Respekt und übt sich in Zurückhaltung. Manchmal fallen die Bilder deswegen auch etwas grobkörnig und dunkel aus. Doch der Filmemacher hätte es nie gewagt, mit zusätzlichen Lichtquellen die besinnliche Atmosphäre zu stören. Von der Kamera, dem Ton bis zum Schnitt hin, alles ist von A bis Z in kompletter Eigenregie entstanden. Ein Mammutprojekt.

Wer den Film guckt, ist Beobachter, weniger Voyeur. Die Bildästhetik wechselt zwischen eindringlichen Einstellungen und gepixelten Super 8-Aufnahmen. Vertraute Erzählstrukturen gibt es nicht. Man schaut einfach zu - wie die Mönche singen, beten oder fröhlich beim Schneerutschen sind. Daneben gibt es Bilder von vorbeiziehenden Wolken, tanzenden Schneeflocken, knisterndem Feuer. Erklärungen gibt es zu keiner der Szenen: Wieso legen sich die Mönche auf den Boden? Wovon lebt der Orden? Was ist ihre Philosophie? Das alles bleibt im Dunkel.

Was ist das Gesehene hier also: Dokumentation oder mehr eine Einführung in die Meditation? Egal. Wer sich darauf einlässt, taucht ab in eine andere Welt, in der die Uhren in Zeitlupe ticken. Ein Erlebnis.

25.01.2006

4

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Kommentare

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jderrer

vor 13 Jahren

Wer es fassen kann.. Der Film ist kein Film für den normalen Kino-Konsumenten, das mal voraus. Der Film ist konsequenz kartäusisch, das heisst im Klartext: Still, still, still.
Die Kartäuser kommunizieren nicht mit vielen Worten. Sie laden nirgends auf der Welt Menschen ein in ihre Klöster. Ihre Welt ist die absolute Abgeschiedenheit. Kartäuser / in sein ist die reinste Form des Klosterlebens.
Der Film zeigt dieses Leben in seiner Langsamkeit - fast unerträglich lange Schnitte -; er zeigt dieses Leben in seiner fast unerträglichen Stille - er zeigt den Film in konsequent kartäusischer Weise.
Es lohnt sich, diesen Film anzuschauen. Sich auf die Bilder einzulassen ist eine Art Bildmeditation. Wer sich mit dieser Voraussetzung ins Kino setzt, wird nicht enttäuscht sein!Mehr anzeigen


kudel

vor 13 Jahren

Dieser Film würde nicht einmal einen Klubwettbewerb bestanden.
Der Film besteht aus dunklen unscharfen Bildern, die ohne Konzept, wahllos mit aneinander gereicht sind. Kamera ist oft peinlich verzittert und die Szenen werden im Regel ohne Ausblendung, abrupt, hart unterbrochen!
Es ist ein Rätsel: Was wollte Philip Gröning uns mitteilen? Sein Film dokumentiert ein lähmendes trostlose Klosterleben. Er hat nicht begriffen, dass die Mönche durch die geregelte Tagesordnung (mit Arbeit und Gebet) ein erfülltes Leben haben. Der Film atmet eine düstere Langeweile.
KudelMehr anzeigen


Gelöschter Nutzer

vor 13 Jahren

Die Kamerafürung in diesem Film lässt doch schon sehr zu wünschen übrig. Ausserdem erzeugt er auch spannungen innerhalb der Familie weil meine Mutter ist jetzt sauer auf meinen Vater, da dieser während dem Film mehrmal eingepennt ist.


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