Die Bluthochzeit Belgien, Deutschland 2005

Filmkritik

Champagner, Shrimps und Handgranaten

Filmkritik: Marc Mair-Noack

Hochzeiten sind eine heikle Angelegenheit. Geht etwas schief, ist die Stimmung schnell im Eimer. In Dominique Derudderes "Bluthochzeit" genügen einige schlecht gewordene Shrimps, um aus einem abendlichen Festessen mit Braut und Bräutigam einen Streit mit Geiselhaft, Gewehrsalven und explodierenden Autos zu machen. Die Komödie mit Armin Rohde und Uwe Ochsenknecht trieft vor schwarzem Humor.

Eigentlich sollte es für das Brautpaar Sophie und Mark der schönste Tag ihres Lebens werden. Pech nur, dass Marks Vater Hermann Walzer (Armin Rohde) charakterlich eher auf der jähzornigen Seite steht und sich immer wieder gerne als Kotzbrocken outet. Eine gute Gelegenheit dazu hat er, als die Hochzeitsgesellschaft im vornehmen Landgasthof "Zum Burggarten" nicht mehr ganz frische Shrimps serviert bekommt.

Hermann, der sich so etwas natürlich nicht bieten lässt, verlässt mitsamt der ganzen Gruppe umgehend das Lokal und weigert sich lautstark, die Rechnung zu bezahlen. Doch damit gerät er bei Chefkoch und Restaurantbesitzer Franz Berger (Uwe Ochsenknecht) an den Falschen. Dieser nimmt kurzerhand Braut Sophie und Hermanns Frau Hannelore als Geiseln. Für Hermann bedeutet dies nur eins: Krieg. Als er im Keller eines nahen Privathauses Schiessmunition und Handgranaten findet, gerät die Lage nach und nach ausser Kontrolle.

Mit "Bluthochzeit" gelang Regisseur Dominique Deruddere ("Everybody's Famous") ein rabenschwarzes kleines Meisterstück. Von Minute zu Minute treibt er die Handlung in immer skurrilere Dimensionen, wenn er seine dickköpfigen Hauptfiguren Hermann Walzer und Frank Berger in aller Konsequenz gegeneinander antreten lässt. Dies wird am Ende zwar wortwörtlich ziemlich explosiv, dennoch hat sich Deruddere in seiner Gewaltdarstellung nicht hemmungslos ausgetobt.

Im belgischen Comic "Lune de guerre", das als Grundlage für den Film diente, schaukelt sich der Konflikt in eine regelrechte Splatterorgie hoch. Bei der Ausarbeitung des Drehbuchs besannen sich Deruddere sowie Jean van Hamme (der auch für den Comic verantwortlich war) glücklicherweise auf eine etwas subtilere und blutärmere Darstellung.

So stehen in "Bluthochzeit" die überzeichneten Charaktere im Vordergrund. Armin Rohde ("Der bewegte Mann") und Uwe Ochsenknecht ("Männer", "Vom Suchen und Finden der Liebe") erweisen sich als wunderbare Besetzung für die beiden bockigen Kontrahenten. Die zwei geniessen ihren Auftritt sichtlich und schaffen es bei aller Karikatur, ihre Figuren durchaus glaubhaft darzustellen.

Wenn die Beiden aus diversen Mücken riesige, gewalttätige Elefanten machen, bleibt das Lachen schon mal im Halse stecken. Denn bei aller Überzeichnung erkennt man schnell, dass im realen Leben genug echte Hermann Walzers und Franz Bergers herumlaufen, die nur auf die nächsten gammligen Shrimps warten.

30.11.2011

4

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