Der wilde Schlag meines Herzens Frankreich 2005

Der wilde Schlag meines Herzens

Filmkritik

Brutaler Virtuose

Isabelle Stüssi
Filmkritik: Isabelle Stüssi

Mit seinem fünften Spielfilm legt Jacques Audiard einen wuchtigen Film vor, der in der harten Welt der Schiebereien kleiner Immobilienmakler in Paris angesiedelt ist. Ein Coming-of-Age Thriller, den man sich definitiv im Kino anschauen muss.

Normalerweise sind wir uns von Hollywood Remakes von französischen Filmen gewohnt. Bei "De battre mon coeur s'est arrêté" ist die Ausgangslage ausnahmsweise mal umgekehrt; Jacques Audiards Neubearbeitung basiert auf der Vorlage von James Tobacks Spielfilm "Fingers" aus dem Jahre 1977. Doch anders als bei Toback dient dem französischen Regisseur die Pariser Immobilienszene als Kulisse.

In dieser Welt fühlt sich der 28-jährige Tom (Romain Duris) zu Hause. Er und seine Freunde sind immer auf der Suche nach neuen lukrativen Deals. Die meisten davon sind am Rande der Legalität. Ihre Methoden sind alles andere als fein, und wenn es darum geht, unliebsame Mieter zu vertreiben, schrecken sie auch vor Gewalt nicht zurück. In seiner Freizeit treibt Tom für seinen Vater (Niels Arestrup), einem heruntergekommenen zerstreuten Immobilien-Hai, Schulden ein. Eigentlich sollte Tom in dessen Fussstapfen treten. Doch die Hilflosigkeit des alt gewordenen Mannes, der gleichwohl autoritär und brutal auftritt, ist ihm plötzlich zuwider. Er spürt, dass die Vater/Sohn-Beziehung sich verändert und umgekehrte Vorzeichen entwickelt. Verständlich, dass Tom ständig unter Strom steht und es unter der ach-so-coolen Oberfläche brodelt.

Eine zufällige Begegnung mit dem Konzert-Promoter Mr. Fox, den er noch aus den Zeiten kennt, als dieser für Toms Mutter, einer Pianistin, Klavierkonzerte arrangierte, verspricht eine Wendung. Denn Mr. Fox lädt ihn zum Vorspielen ein. Tom sieht in dem Angebot die Chance, seinem bisherigen Leben zu entkommen. Mit Leidenschaft widmet er sich darauf dem Klavierspiel und übt auf das Vorspiel hin.

Eindrucksvoll verkörpert Romain Duris die Wandlung vom knallharten und arroganten Immobilienhändler zum geläuterten Pianisten und zieht mit seinem dynamischen Spiel den Zuschauer ganz in seinen Bann. In dieser Rolle beweist Duris definitiv, dass er fernab der gewohnten Faxen aus "L'auberge espagnol" und "Les poupées russes" einiges mehr auf dem Kasten hat.

Doch nicht nur Duris gebührt Lob, sondern auch dem Kameramann Stéphane Fontaine, dem es gelingt jede Handbewegung so einzufangen, dass man sie förmlich spürt - egal, ob Toms Hände über eine Klaviertastatur gleiten oder einen Hausbesetzer verprügeln. Packend und in düster-dunkeln Bildern erzählt "De battre mon coeur s'est arrêté" vom schmerzhaften Prozess der Selbstfindung, des Erwachsenwerdens und der Abnabelung vom Vater.

Zweifelsohne steht Audiards Remake dem Original in Sachen Brutalität nicht nach - dennoch ist der rundum gelungene Film zärtlich genug, um ein typisch französisches Werk zu sein.

11.01.2006

4

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