CH.FILM

Tout un hiver sans feu Belgien, Polen, Schweiz 2004 – 88min.

Tout un hiver sans feu

Filmkritik

Allein begraben

Filmkritik: Andrea Bleuler

Der in Polen und der Schweiz aufgewachsene Regisseur Greg Zglinski erzählt in seinem Erstling ein ergreifendes persönliches Drama auf beeindruckend ökonomische Weise: Der Verlust ihrer kleinen Tochter droht das Elternpaar zu erdrücken. Sein in Cannes mit dem Preis der Jugendjury und der katholischen Jury ausgezeichnetes Werk hat auch für den Schweizer Filmpreis 2005 gewonnen.

Eine unspektakuläre Winterlandschaft im Neuenburger Jura, weiss auf grau. Ein Bauernhaus und eine abgebrannte Scheune. Jean (Aurélien Recoing) und Laure (Marie Matheron) haben bei jenem schrecklichen Ereignis ihre 5-jährige Tochter verloren. Seither ist alles anders.

Greg Zglinski geht sparsam mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln um, um zu erzählen, wie die beiden von Schuld geplagten Eltern versuchen, dem Wahnsinn zu entrinnen. Viel gesprochen wird nicht. Doch jeder Schnitt treibt die Handlung voran: Ein neues Element, das erahnen lässt, was in den beiden Geprüften vorgehen mag.

Die Fakten sind schnell erzählt: Laure begibt sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik, ist aber zu schwach, um den Fängen ihrer manipulierenden Schwester zu entrinnen. Jean nimmt Arbeit in einer Fabrik an, weil er den Hof nicht mehr alleine bestellen kann und lernt dort eine ähnlich vom Leben gezeichnete Kosovarin (Gabriela Muskala) kennen, in deren Gegenwart er sich unpassenderweise sehr wohl fühlt.

"Tout un hiver sans feu" besticht durch ein ausgefeiltes Drehbuch, das die verschieden Emotionen in dieser psychologisch komplexen Situation herauszuschälen vermag und gleichzeitig mit einem für die Thematik anspruchsvollen Erzähltempo aufwartet.

Deutlich spürbar ist in diesem Zusammenhang auch der Einfluss von Krzysztof Kieslowski, Zglinskis Lehrer an der Filmschule von Lodz, aber auch eine von verschiedenen Kulturen geprägte Wahrnehmung. So erscheinen schweizerische Eigenheiten gleichzeitig altbekannt, aber - da neu beleuchtet - befremdlich. Der Blick von aussen legt eine beängstigende Landespsyche frei, die kaum in der Lage ist, Menschen in schweren Zeiten Rückhalt zu bieten.

01.03.2005

4

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