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The Ring Thing Schweiz 2004

The Ring Thing

Filmkritik

Friedo lässt die Sau raus

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

Die erste "Herr der Ringe"-Verulke kommt aus der Schweiz. Unter der Regie von Marc Schippert ist mit wenig Geld und wenig Zeit eine Parodie auf die erfolgsverwöhnte Trilogie entstanden. Leider auch mit wenig akutem Witz.

Schroffe Berge, klare Seen, finstere Höhlen. So siehts in Mittelerde aus. Oder in Neuseeland, wo "Lord of the Rings" gedreht wurde. Oder in Flims und Schaffhausen. Die Schweiz bietet sich ja geradezu an für eine "Herr der Ringe"-Parodie, und dass dafür kein riesiges Budget nötig ist, beweisen die Macher von "The Ring Thing".

In einer Art Guerilla-Aktion haben die Produktionsfirmen Condor und Elevator das Projekt innerhalb rund eines Jahres von der Entwicklung bis zur Premiere durchgepeitscht, und was früher wohl als Bubenstreich geendet hätte, bekommt heutzutage auch finanzielle Unterstützung, seit sich mit "Achtung, Fertig, Charlie!" Reibach machen liess. So weit, so lobenswert.

Dass sich gerade im Humorbereich aus wenig viel machen lässt, bewiesen ja nicht zuletzt Monty Python, deren Sucher nach dem heiligen Gral sich erst mangels Geld und somit Pferden in die unsterblichen "Ritter der Kokosnuss" verwandelten. Aus solchen Nöten, die zur Tugend gemacht werden, zieht denn auch "The Ring Thing" seine charmantesten Momente. Da fliegt zu Beginn etwa ein an Fäden aufgehängtes Flugzeug durch Kartonwolken, und darin sitzt der schusselige kleine Bankangestellte Freddy (Edward Piccin), tödlich verknallt in seine zickige Chefin (Julia Nakamoura). Beim Üben des Heiratsantrags mit dem mitgebrachten Ring auf dem Flugzeugklo bricht dann aber der Kartonboden durch, und Freddy landet unsanft in einer seltsamen Bergwelt verschrobener Gestalten.

Als da wären: trottelige Telehobbies (Armin Arnold), trottelige Zauberer (Leo Roos), trottelige Elfen (Gwendolyn Rich), trottelige Zwerge und ein trotteliger Bösewicht namens Sauraus (Jörg Reichlin), der die Welt - achtung! - in Fondue einbacken will. Die Trottel halten den Schussel für Friedo, den Retter dieser unwürdigen Welt.

Das Pflichtprogramm heisst dann: zitieren. "Herr der Ringe", klar. Und "Matrix", weils offenbar in jeder Parodie unbedingt sein muss. Und Schweizer Klischees. Das Böse haust im Matterhorn, und das Swissair Flugzeug wird unsanft gegroundet. Man versucht sich in Slapstick und guckt auch eifrig bei Comedygrössen links und rechts ab. Bloss ist alles, was bei Monty Python oder Freund Bully bereits zu sehen war, im Original halt doch besser.

Spätestens als der Film dann eine halbe Stunde lang am selben Wegrand spielt, weiss auch der Humor endgültig nicht mehr weiter. "Zeig mir, was in dir steckt". Es folgt ein Furz. So verpuffen Energie und Spass, was die Crew zweifellos mitgebracht hat, schlussendlich ziemlich wirkungslos. Schade, die Idee wäre gut gewesen.

06.02.2013

2

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Kommentare

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raphael_von_matt

vor 23 Tagen

10 ring hend die 12 elfe überchoo, oder sind di 11 zwölfe gsii, chani mal de schinke haa?


David_Nikitin

vor einem Jahr

Der Film dünkte mich hervorragend! Die schauspielerische Leistung, Bühnenkulisse als auch die Kameraperspektive war allererste Nidle. Der Humor dieses schweizerischen Meisterwerkes hat unsere gesamte Gruppe überzeugt. Jedoch können wir auch verstehen, dass einige intellektuell untergeordnete Betrachter, diesen wohl nicht so komplett empfangen haben. :) An dieser Stelle: Grosses Lob an die Produzenten!Mehr anzeigen


cludip

vor 8 Jahren

Der schlechteste Film aller Zeiten.

Hatte ihn damals im Kino gesehen, damals schworen wir uns, wir werden uns eines Tages diesen Freddy schnappen und ihn so lange quälen, wie der Film dauert, denn das selbe hat er auch mit uns getan.

Jetzt nach gut 6 Jahren muss ich sagen, kann ich immer noch jeden toppen, der mir von einem schlechten Film erzählen will, denn ich habe The Ring Thing gesehen!Mehr anzeigen


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