CH.FILM

Sternenberg Schweiz 2004 – 90min.

Sternenberg

Filmkritik

Was Hänschen nicht lernt....

Filmkritik: Senta van de Weetering

Nachwuchs ist in Sternenberg Mangelware, und so ist die Dorfschule von der Schliessung bedroht. Mathias Gnädinger meldet sich kurzentschlossen als Primarschüler an, damit die nötige Zahl von Schülerinnen und Schüler erreicht wird. Das ist alles bodenständig, eher schwerfällig, etwas nüchtern, etwas rührend und sehr, sehr absehbar.

Man könnte meinen, "Sternenberg" von Christoph Schaub sei angetreten, um zu zeigen, dass man in der Schweiz weiterhin ganz altbacken Filme drehen kann, auch wenn junge Regisseure wie Peter Luisi oder Anna Luif erst vor kurzem gezeigt haben, dass es doch ganz anders geht. Jung, frech, unbeschwert oder aber mit einer jugendlichen Ernsthaftigkeit und auf jeden Fall mit viel Bild-Phantasie gingen die beiden zu Werk und gaben Hoffnung, dass sich die Filmszene in der Deutschschweiz im Aufwind befinde. Dabei ist das Thema, das Verschwinden der Landschulen, durchaus Aufmerksamkeit wert. Doch in Sternenberg wird es überfrachtet mit purem Gefühlkitsch.

Die Idee, einen Siebzigjährigen im Film in die Primarschule zu schicken, hat durchaus etwas für sich, und die witzigsten Szenen entstehen denn auch daraus, dass die Schülerinnen und Schüler neben dem voluminösen Mathias Gnädinger geradezu winzig wirken. Doch der Feinde, gegen die man kämpft, ein eindimensional karrieregeiler Politiker und ein genauso eindimensional rückgratloser Schulinspektor, sind von Anfang an nicht ernst zu nehmen. Darum gibt der Kampf um die Schule zu wenig her. Und so füllt Micha Lewinsky das Drehbuch mit einer Liebesgeschichte und vor allem mit einem Vater, der seinerzeit die Tochter und ihre Mutter noch vor der Geburt verlassen hat und nun unerkannt den Kontakt zu seinem Kind wieder aufnimmt.

Da geschieht nichts, was man nicht schon von weitem hat kommen sehen. Wer sich trotzdem amüsieren will, dem sei deshalb ein "Wetten dass...?" empfohlen. Wetten, wenn ein Siebzigjähriger bei einem gemütlichen Glas Wein und einem Zigarillo plötzlich husten muss, dann werden im entscheidenden Moment ernsthafte gesundheitliche Probleme auftreten? Wetten, wenn der Vater sich endlich darauf vorbereitet, seiner Tochter zu sagen, wer er ist, dann wird etwas dazwischenkommen? Wetten, dass aus dem und der ein Paar wird?

Schade, denn bei dem Film ist viel Talent zusammengekommen. Die Hauptrollen sind mit Mathias Gnädiger, Walo Lüönd und Sara Capretti durchwegs gut besetzt, Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann haben Filme gedreht oder wenigstens daran mitgewirkt, die durchaus Gutes ahnen lassen für die Zukunft des Schweizer Films. Aber in Sternenberg hat das alles nur wenige Spuren hinterlassen.

12.05.2004

2.5

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Kommentare

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Gelöschter Nutzer

vor 15 Jahren

Der film ist einfach genial


tpj69

vor 15 Jahren

ich find die kritik von senta van de weetering hat selber höchstens ne 2 verdient:
- wieso muss immer alles überraschen und neu sein
- wieso kann nicht einfach eine schöne geschichte auch mit gefühlskitsch versehen sein
- es gibt nun mal solche politiker und vor allem schulinspektoren
- ich habe gestern abend den film genossen und der reaktion des restlichen publikums zu entnehmen die andern auch
- etwas weniger verstiegenheit und 'künsterischer' anspruch bei den filmkritikern wäre oft angebrachtMehr anzeigen


Raupe

vor 15 Jahren

Mathias Gnädinger mal anders


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