Status Yo! Deutschland 2004 – 118min.

Filmkritik

Die Massenlabberer

Isabelle Stüssi
Filmkritik: Isabelle Stüssi

Mit "Status Yo!" kommt der erste Deutsche HipHop-Film in die Kinos. Til Hastreiter Regiedebüt vermittelt einen authentischen Einblick in einer der gegenwärtigsten und wichtigsten Jugendkulturen.

Wer HipHop hört, denkt an Hochglanz-Videos auf MTV, Baggy Pants und an spärlich bekleidete Frauen. Obwohl auch hier die weiten Klamotten nicht fehlen, findet man in Til Hastreiters Erstling kaum den gewohnten Bling-Bling. Vielmehr kämpfen die Protagonisten um alltägliche Dinge, wie Liebe, Job und Annerkennung ihres Lebensentwurfs - HipHop. In dokumentarischen und schnellen Bildern erzählt der Episodenfilm vom Lebensgefühl fünf Jugendlicher aus Berlin: Sässion hat notorisch Schulden und muss vor Geldeintreibern fliehen. Gleichzeitig muss er verhindern, dass seine türkische Freundin Yesim von ihrem Bruder gefunden und in die Türkei verschleppt wird.

Unterdessen will Yaneq, um von der heimlichen Affäre mit der Schwester seines besten Freundes abzulenken, innerhalb von 24 Stunden den grössten Jam organisieren. Rapper Sera kämpft um seine Wohnung, die von seinem Marihuana-Dealer verpfändet wurde. Der Sprayer Dany hat nur eines im Sinn: Die weisse S-Bahn zu bemalen, wozu der geschwätzige Vern meint, es sei ein Ding der Unmöglichkeit. Vern, der sich auch zum Manager der 5AMOX- B-Boys ernannt hat, weil er zum tanzen zu dick ist, träumt von dem ultimativen Booking, das ihn ganz nach oben katapultiert.

Hastreiter, seinerzeit selbst Breakdancer, erarbeitete das Drehbuch zusammen mit seinen Laiendarstellern, deren Namen und Geschichten übrigens allesamt real sind. Das Mitwirken der Hip-Hop-Aktivisten am Drehbuch ist einer der Gründe, die diese Szenenstudie authentisch machen, zuweilen aber auch zu diffusen Handlungssträngen und Stereotypen führen. Was darauf schliessen lässt, dass sich die Szene in Berlin kaum von der des grossen Bruders in Amerika unterscheidet. Denn die Protagonisten sind vornehmlich männlich und, wie soll man's sagen, nicht gerade Feministen.

Trotzdem, Hastreiter hat etwas gewagt: Lichtblicke wie Seras Wortakrobatik und die grandiosen Tanzeinlagen der Breakdancer 5AMOX machen den Gang ins Kino für HipHop-Interessierte zu einem Muss. Die 118 Minuten in der Berliner Szene grenzen zwar an Massenlabberei, wie es der hyperaktive Vern bezeichnen würde, doch in der Masse findet sich viel Interessantes für HipHopper oder für solche, die es werden wollen.

25.05.2021

0

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Mehr Filmkritiken

Bullet Train

Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss

Top Gun: Maverick