She Hate Me USA 2004 – 138min.

She Hate Me

Filmkritik

Schwängern als Beruf

Filmkritik: Andrea Bleuler

Spike Lee ("25th Hour") ist stets nah am Leben dran. In "She hate me" kritisiert er die Welt mit Charme und Humor: Die Kreuzung zwischen Thriller und erotischer Komödie erzählt die Odyssee eines hochmoralischen gekündigten CEOs, der seine finanzielle Liquidität aufrecht erhält, indem er gegen viel Bares Lesben schwängert. Man sei gefasst auf einen wilden und ausgedehnten Ritt.

Am Puls unserer Zeit: Im Vorspann lacht uns dümmlich jener Mann von einer Drei-Dollar-Note entgegen, der unser aller Tage prägt - George W. Bush. Darauf folgt eine über zweistündige, gewagte Parallelmontage zwischen Sex und Politik - von der New York Times treffend "wütende Komödie" genannt.

Anthony Mackie spielt Harvard-Abgänger Jack Armstrong, jung, erfolgreich, gutaussehend, schwarz und - im Gegensatz zu seinem Umfeld - moralisch astrein. Der pharmazeutische Grosskonzern, in dem er als Co-CEO wirkt, will ein Aids-Medikament verfrüht auf den Markt bringen, weshalb sich der verantwortliche deutsche Wissenschaftler gleich in der ersten Szene aus dem Fenster stürzt.

Als die Kollegen die kompromitierenden Akten kurzerhand schreddern, entschliesst sich Jack mutig für den Alleingang. Die Verratenen rächen sich entsprechend: Nebst dem eigentlichen Rufmord wird auch noch sein Bankkonto blockiert.

Dann vollzieht Regisseur Spike Lee eine gewagte stilistische Kertwende in Richtung Komödie: Ex-Girlfriend Fatima (Kerry Washington) überredet Jack dazu, ihr und achtzehn Lesben für je 10'000 Dollar - Red Bull und Viagra sei Dank - den Kinderwunsch zu erfüllen. Die halbgelungene Krönung dieser überlangen Parade ist Monica Bellucci als Mafiosi-Tochter, die ihren Papa (John Turturro) mit einem Enkel beglücken will.

Spike Lees unverblümte und ambitiöse Genre-Mixtur ist zwar sehr aufregend, mutet aber oftmals wie ein zu wenig genau geplanter gedanklicher Gewaltakt an. Viele seiner gerissenen Vergleiche zwischen Politik, Kultur und Gesellschaft sind schliesslich zuwenig ausformuliert, um richtig wirken zu können. So stellt er die traditionelle Familie vor dem Hintergrund der gleichgeschlechtlichen Paare in Frage (Jacks Eltern streiten chronisch und sind trotzdem verheiratet), versäumt es dann aber, darauf einzugehen, was für eine verheerende Auswirkung die Homophobie auf die Politik des Landes hat.

Der Film verliert so seine Kraft und Wirkung in unzähligen Nebengeschichten und langwierigen Passagen. Lees Kopfgeburt gelingt es aber durchaus, viel menschliche Groteske herauszuschälen - und dabei ein nicht unbitteres Grinsen zu provozieren.

08.12.2004

3.5

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