Der Fakir Dänemark 2004 – 90min.

Filmkritik

Fauler Zauber

Filmkritik: Eduard Ulrich

Arme SchauspielerInnen: Im Kampf gegen die Logik und das Böse schaffen und lösen 13-jährige Zwillinge zwar einige Probleme, aber der Regisseur kann sich nicht entscheiden, welchen Regeln seine Geschichte gehorchen und an wen er sie richten soll.

Julia Zangenberg spielte bereits die Hauptrolle im dänischen Kinderfilm "Kletter-Ida", einem hollywoodesken Action-Spektakel, das sich auch nicht recht entscheiden konnte, an welche Altersgruppe es sich wenden wollte. Offenbar liess sich der dänische Regisseur Peter Flinth davon inspirieren und vertraute vollständig auf den Charme seiner erprobten SchauspielerInnen - unter anderen Moritz Bleibtreu. Diese Rechnung geht leider nicht auf, denn Handlung und Umsetzung weisen gravierende Mängel auf. Die Zwillinge Emma und Tom helfen ihrer Mutter, den frühen Tod des Vaters zu überwinden, indem sie selbständig die Geschicke der Familie zu steuern versuchen. Sie erkunden das soeben bezogene Haus, eine Art Minimärchenschloss, und stossen auf so seltsame Dinge wie einen Kugelschreiber, in dem ein Varietée-Künstler eingeschlossen ist, der ihnen das Erfüllen von drei Wünschen verspricht, wenn sie ihn herauslassen. Bald tritt noch ein zwielichtiges Ehepaar auf den Plan, das merkwürdigerweise das Haus kaufen will. Klar, dass die nach dem Schatz im Haus suchen, den sie dort einst versteckt haben. Unklar, warum sie den nicht heimlich stehlen, wenn sie sich doch auskennen. Aus dramaturgischen Gründen ist noch ein Bestatter mit einem Hochleistungskremierungssystem der letzten Generation involviert. Über die Anspielung auf "Harold & Maude" werden sich besonders die Jüngsten im Publikum freuen, wenn sie es überhaupt so lang ausgehalten haben, denn Gewalt mit scheinbarer Todesfolge mussten sie dann schon über sich ergehen lassen. Als schliesslich ein Elchkopf von der Wand herunterfällt und sich in einer physikalisch unmöglichen Volte einem Gangster überstülpt, wissen auch diese Jüngsten, dass sie nicht ernst genommen werden, obwohl sie die zahlreichen anderen Schwächen vielleicht geschluckt hätten. Unter allem Hokuspokus ist die Rollenverwandlungsfähigkeit von Moritz Bleibtreu am ehesten zu bewundern; dieser kann aber wegen der konfusen Regie nicht zu seiner Höchstform auflaufen. Man kann Peter Flinth immerhin zu der unnachahmlichen Leistung gratulieren, jedes Alterssegment systematisch vergrault zu haben; insofern richtet sich der Film an jede Altersgruppe.

14.12.2005

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