Hautnah USA 2004 – 98min.

Filmkritik

Poren, aber keine Gesichter

Filmkritik: Andrea Bleuler

Vier namhafte Hollywood-Stars - Julia Roberts, Natalie Portman, Jude Law und Clive Owen - bringen in Mike Nichols' Adaption von Patrick Marbers Theaterstück "Closer" die vertrackten Mechanismen von Paarbeziehungen auf der Leinwand.

Mit seiner Adaption von Edward Albees Theaterstück "Who's Afraid of Virginia Woolf" mit Elizabeth Taylor und Richard Burton in den Hauptrollen stieg der in Berlin geborene Mike Nichols 1966 in die erste Regieliga auf und holte das Innerste aus dem legendären Hollywood-Paar heraus.

Nun wendet er sich erneut der Dynamik zwischen den Geschlechtern zu und beleuchtet die emotionalen Verstrickungen zweier Paare punktuell: Es interessiert der Moment des Zusammentreffens und derjenige der Trennung. Im zeitgenössischen London spielen vier Menschen furchtlos mit der Liebe und der Wahrheit - und reissen sich gegenseitig Wunden in die Seele.

US-Stripperin Alice (Natalie Portman) verliebt sich in den Nekrologschreiber Dan (Jude Law), der gerne Schriftsteller werden möchte und das aufregende Leben seiner neuen Geliebten in einem lausigen Erstling verbrät. Beim Foto-Termin für den Buchumschlag trifft er die frisch geschiedene Anna (Julia Roberts) und arrangiert, als er von ihr abgewiesen wird, ohne ihr Wissen ein Blind-Date mit dem sich in Chatrooms tummelnden Dermatologen Larry (Clive Owen).

Nichols erzählt von den psychologischen Hintergründen der sexuellen Energien, die in dieser Ausgangslage wirken - Eifersucht, Erwartungen und Enttäuschungen, die folgen: Ein amouröses Schlachtfeld, das in einer konstant unterkühlten Farbpalette auf die Leinwand übersetzt wird.

Jede Szene ist ein Zweikampf. Gleichzeitig vibriert die Luft mit Erotik, und dies nicht nur dank Natalie Portmans Körper, sondern vor allem dem theatralischen Wortschwall wegen. Die Charaktere sind eloquenter als es ein Mensch gerade unter diesen Umständen je sein könnte, die wenig schmeichelhaften Rollen werden von der Starbesetzung solide gespielt. Doch über sich hinaus wächst nur Clive Owen (neulich als "King Arthur" in Aktion), der einer Star-Identität am wenigsten verpflichtet ist.

Trotz der vermeintlichen Intimität wirken die Protagonisten eher wie Prototypen als wie Personen aus Fleisch und Blut. Die zu Beginn so fesselnde Labor-Situation beginnt zu langweilen, sobald deutlich wird, dass die Verwurzelung der einzelnen Menschen im Leben in diesem Film kein Thema sein wird.

Mike Nichols jedenfalls ist in diesem Werk sehr viel weniger dunkel und zynisch als in "Who's Afraid of Virginia Woolf", sein mikroskopischer Blick niemals ohne Gnade: Alle Schauspieler sehen jederzeit gut aus, auch wenn Julia Roberts kaum lachen darf.

05.12.2012

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Kommentare

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anabah

vor 9 Jahren

Super Film mit tollen Schauspielern, interessante Story. Was will man mehr? Gehört zu meinen Lieblingsfilmen


Gelöschter Nutzer

vor 11 Jahren

Es ist ein Vierpersonenstück, das eigentlich auf eine Bühne gehört. Die Beteiligten (Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman und Clive Owen) überzeugen total. Eine tolle Ensembleleistung. Sie spielen einen Arzt, eine Fotografin, eine Stripperin und einen Schriftsteller. Über 90 Minuten reden sie nur über Liebe und Sex, tun es aber nicht (wenigstens nicht vor der Kamera). Es geht um, Treue, Fremdgehen oder Dableiben, um die Vergänglichkeit der Liebe, um die Austauschbarkeit der betroffenen Personen, um Verletzen und Verzeihen. Dabei ist die Sprache das geeignete Kampfmittel. In knallharten, geschliffenen Dialogen gehen die liebenden Kontrahenten auf einander los. Ein Mix aus ’Zimmerschlacht’ und ’Who’s afraid of Virginia Woolf’. Es kann ein Genuss für denjenigen sein, der vielleicht von der Thematik selbst betroffen ist oder war und der heftige Debatten zwischen Liebenden mag.Mehr anzeigen


claudiw

vor 11 Jahren

einfach super gespielt, hat mich voll mitgenommen. Dir Musik ist ein Bonbon oberndrauf


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