Timeline USA 2003 – 116min.

Timeline

Filmkritik

Mittelalters-Gymnastik

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

Im Fahrwasser von Hochglanz-Katastrophenfilmen wie "Armageddon" oder "The Core" dümpelt "Timeline" daher. Bloss bedroht die Katastrophe diesmal nicht einmal die Welt, sondern nur ein Häuflein eifriger Archäologen.

Die Zeit ist eine Einbahnstrasse. Ausser im Kino. Man hat ja unterdessen schon diverse Varianten der Zeitreise gesehen: Das Böse kommt aus der Zukunft in die Gegenwart ("Terminator"). Ein Wissenschaftler reist aus der Gegenwart in die Zukunft und trifft auf das Böse ("The Time Machine"). Ritter aus dem Mittelalter landen aus Versehen in der Gegenwart und machen sich lächerlich ("Les visiteurs"). "Timeline" pachtet eine neue Variation für sich: Wissenschaftler aus der Gegenwart reisen zu den Rittern ins Mittelalter und machen dort keine allzu gute Figur.

Dabei sollten sie doch wissen, was sie tun. Professor Johnston (Billy Connolly) und andere eifrige Geister arbeiten auf einer achäologischen Grabung in Frankreich. Dort, so werden wir gelehrt, haben sich die Engländer einst in einer Burg eingenistet, welche die Franzosen belagerten und schliesslich einnahmen. Soweit die Geschichtslektion.

Das Hintergrundwissen erweist sich bald als nützlich, denn der Professor scheint auf mysteriöse Weise ins Jahr 1357 versetzt worden zu sein. Da muss doch ein böser Wissenschaftler im Spiel sein. Richtig, er heisst Robert Doniger (David Thewlis) und hat einen Schrank aus einigen Spiegeln gebaut, der Quanten-Giga-Multimedial-Transportator heisst. Oder so ähnlich. Mit dem Gerät reist das Grabungsteam um Paul Walker ins finstere Mittelalter, um den Professor zu retten und selbst heil wieder heim zu kommen.

Die Zeit bis zum Happy End verbringen die Archäologen damit, vor schwer gerüsteten, mordlustigen englischen Schergen zu fliehen, ein bisschen im Set eines mittelalterlichen Dorfes herumzuturnen und sich zu verstecken.Wirklich spannend ist das leider nicht. Der Höhepunkt von "Timeline" ist eine Belagerungsszene mit Katapulten, Pfeilen, Feuer und Flamme. Das Drumherum schlägt trotz einiger Wendungen in der Handlung keine hohen Wellen.

Es ist ja lobenswert, dass aus der Zeitreise, basierend auf einem Roman von Michael Crichton ("Jurassic Park"), keine Kultur-Clash-Klamotte gemacht wurde. Aber bei aller Humorlosigkeit werden auch die Paradoxien der Bewegung durch die vierte Dimension, welche zum Beispiel in "12 Monkeys" so wunderbar Hoffnungslosigkeit verbreiteten, ebenfalls fast gänzlich ignoriert. Es bleibt ein uninspiriertes Actionfilmchen mit blassen Figuren in einem exotischen Setting. Mehr nicht. Das einzig Bemerkenswerte: Die Franzosen sind in einem amerikanischen Film die Guten!

06.05.2011

2

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Kommentare

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joe64

vor 12 Jahren


trost

vor 14 Jahren

Ich habe das Buch nicht gelesen und kann deshalb keinen Vergleich anstellen. Der Film ist aus meiner Sicht allerdings absolut sehenswert.


tschordi

vor 15 Jahren

Trotz des Steilpasses von Crichton, der ein spannendes Buch verfasst hat, gelingt es dem Regisseur nicht, einen halbwegs verneunftigen Film zu drehen. Schade.
Gutes Buch => schlechter Film. Stimmt leider


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