Das Leben des David Gale Deutschland, USA 2003 – 130min.

Filmkritik

Aus dem unglaublichen Leben eines Todeskandidaten

Filmkritik: Nathalie Jancso

Ein Gegner der Todesstrafe gerät unter Mordverdacht. Kurz vor seiner Hinrichtung erzählt er seine Version des Tathergangs. "The Life of David Gale" beweist wieder einmal: Tolle Schauspieler und ein Regisseur der Top-Liga machen noch lange keinen guten Film. Kevin Spacey, Kate Winslet und Alan Parker kämpfen vergeblich mit der oberflächlichen Mischung aus Thriller, Midlife-Crisis-Drama und pseudoliberalem Statement gegen die Todesstrafe.

Kevin Spacey, inklusive sattsam bekanntem "The Usual Suspects"-Pokergesicht, mimt David Gale, einen vom Leben enttäuschten Professor in der Midlife Crisis, welcher der Anti-Todesstrafe-Bewegung in Texas als Aushängeschild und eloquenter Sprecher dient. Doch die Behauptung einer Studentin (Rhona Mitra), er habe sie vergewaltigt, leitet in Gale's Leben eine Abwärtsspirale ein. Als auch noch seine Mitstreiterin und beste Freundin Constance Hallaway (Laura Linney) vergewaltigt und bestialisch ermordet aufgefunden wird, gerät er selbst unter Mordverdacht und wird, Ironie des Schicksals, zum Tode verurteilt.

Vier Tage vor seiner Hinrichtung gewährt er der Reporterin Bitsey ein exklusives Interview. Kate Winslet darf fortan sensationshungrig und ehrgeizig bis in die blond gefärbten Haarspitzen das Bild der zickigen News-Reporterin zementieren. In Rückblenden erfährt man nun, was sich vor der unmenschlichen Tat wirklich ereignet hat - oder zumindest wie David Gale es darstellt. Es scheint immer unmöglicher, dass dieser besonnene, intelligente Mann einen grausigen Mord begangen hat. Aber kann Bitsey Gale wirklich vertrauen? Sie beginnt mit Hilfe des übereifrigen Volontärs Zack (Gabriel Mann) zu recherchieren und gerät dabei selbst in Gefahr.

Regisseur Alan Parker hatte schon immer ein Flair für die Verquickung von politisch brisanten Themen mit kommerziell goutierbaren Rahmenhandlungen. Fesselnd gelang ihm das etwa in seinem Anti-Folter-Drama "Midnight Express" oder in "Mississippi Burning", wo er die Rassendiskriminierung im Süden der Vereinigten Staaten aufs Korn nahm und in eine mehrschichtige Dramenhandlung verpackte. Diesmal versucht er es mit einem Thriller, der im Schafspelz eines gewichtigen Politdramas daherkommt. Dabei ist aber der Thrillerplot so konfus und hetzt im letzten Drittel des Films von einem verwirrenden Höhepunkt zum nächsten, dass kaum je Spannung aufkommt.

Gleichzeitig ist der Aufhänger der Geschichte, die Todesstrafe, von Anfang an blosse Staffage und dabei plakativ und höchst zwiespältig in Szene gesetzt: Am Anfang des Films eindeutig die Identifikationsfiguren, werden die Gegner der Todesstrafe gegen Ende des Films als Fanatiker gezeigt, die vor nichts zurückschrecken, um ihre Meinung durchzusetzen. Das Ganze wird mit etwas Kritik an den Medien und dem Rechstsystem der USA und, damit der Thrill doch nicht zu kurz kommt, mit einem gehörigen Schuss Voyeurismus abgerundet.

18.05.2021

2

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Kommentare

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dulik

vor 3 Jahren

Spannender Thriller mit Kevin Spacey und Kate Winslet, der das Thema der Todesstraffe auf packende Art und Weise aufgreift. Die zahlreichen Wendungen und der Bezug zur Realität lassen einem stets mitfiebern. Manchmal wird der Film etwas zu politisch und oberflächlich, wegen des interessanten Themas aber trotzdem sehr sehenswert.
7/10Mehr anzeigen


movie world filip

vor 10 Jahren

diese rollen hat spacey gern, intelektuelle rebel, aber der film ist schwach - schade¨, mit winslet und spacey haben wir mehr erwartet


Gelöschter Nutzer

vor 11 Jahren

Wenn ein überführter Mörder hingerichtet wird, ist das kaum ein Stoff für einen Film, wenn er unschuldig ist, schon. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten schwankt Alan Parkers Film und spielt mit den Erwartungen der Zuschauer. Parker findet hier noch eine dritte Lösung. Ein echter Überraschungsknaller! Den ganzen Film hindurch staunten und litten wir mit Kate Winslet und waren von der Unschuld Kevin Spaceys überzeugt. Teilweise sieht man ja sogar den Mord. Kate ist zu überzeugend, sodass wir mit ihr mitbangen und uns wie sie gegen den Lauf der Dinge stemmen. Alle Argumente für und vor allem gegen die Todesstrafe werden in den Dialogen abgearbeitet. Und am Ende ist es gar nicht mehr die Frage, ob Spacey unschuldig ist oder nicht, sondern es bleibt ein flammender Appell, die Todesstrafe abzuschaffen, denn einmal vollzogen ist sie irreversibel. Der Lebenswandel des David Gale bietet nur eine Voraussetzung für seinen Tod.Mehr anzeigen


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