Sinbad: Der Herr der sieben Meere USA 2003

Filmkritik

Frau am Ruder

Filmkritik: Remo Bräuchi

Trickfilme haben Hochkonjunktur. Das neueste Werk der Animationsabteilung aus dem Haus Dreamworks präsentiert uns Sinbad den Seefahrer als Haudegen mit harter Schale und weichem Kern.

Einst waren Sinbad (Stimme Brad Pitt) und Proteus (Stimme Joseph Fiennes) beste Freunde. Doch als sie Jahre später wieder aufeinander treffen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Proteus ist Kronprinz und auf dem Weg, das kostbare Buch des Friedens zurück nach Syrakus zu bringen. Sinbad ist ein Dieb und will sich mit dem Erlös des Buches in Fiji zur Ruhe setzen. Doch Sinbads Pakt mit der durchtriebenen Göttin Eris (Stimme Michelle Pfeiffer) geht nicht auf. Das Buch des Friedens wird gestohlen und Sinbad dafür verantwortlich gemacht und ins Gefängnis geworfen. Nur Proteus glaubt an die Unschuld seines alten Freundes und bietet sich im Austausch als Gefangener an. Nun muss Sinbad das Buch zurückholen, um Proteus' Leben zu retten. Um sicherzustellen, dass sich der Haudegen und seine Crew nicht ihrer Verantwortung entziehen und sich trotzdem nach Fiji absetzen, hat sich ein blinder Passagier an Bord versteckt.

"Sinbad - Legend of the Seven Seas" ist eine sehr freie Adaption der bekannten Geschichte aus 1001 Nacht. Die Macher von "Shrek" und "Spirit: Stallion of the Cimarron" haben sich dabei einer ganzen Menge Sagen und Erzählungen bedient, um eine Geschichte über den legendären Seefahrer Sindbad zusammenzubasteln. Das Drehbuch stammt vom "Gladiator"-Autor John Logan.

In technischer Hinsicht kann sich "Sinbad" durchaus sehen lassen. Es ist beeindruckend, wie sich aufwändige Stunts und komplexe Action mittlerweise fast schon beiläufig in Animationsgeschichten einpassen lassen. Sternbilder werden zu Monstern und Gehilfen von Erin, und die Göttin des Chaos schwebt um ihre Opfer, als ob sie tatsächlich einer anderen Dimension angehörte.

Doch für das Verhalten menschlicher Figuren sind die Grenzen in Trickfilmen oft zu eng gesetzt - Tiere geben meist die schöneren gezeichneten Charaktere ab. "Sinbad" erinnert eher an die "Indiana Jones" als an den tierischen Animationsfilm "Ice Age" und liefert die Komik nicht als exzentrisches Verhalten von sympatischen, aber durchgeknallten Tierfiguren, sondern als Ironie in Form geschlechterspezifischer Verhaltens-, Meinungs- und Denkunterschiede.

So führt die pragmatische Marina (Stimme Cathereine Zeta-Jones) mit Hilfe des Bordhundes Spike das Schiff durch das Meer der Sirenen, während die gesamte (männliche) Belegschaft sich pausenlos liebestrunken über Bord stürzen möchte. Davor und danach liefert sie sich mit dem stolzen Kapitän Sinbad verbalen Schlagabtausch wie Doris Day und Rock Hudson in ihren besten Zeiten. Klar, was sich neckt, das liebt sich auch. Aber leider verliert der Film viel seiner Dynamik, als Marina schliesslich zur Hälfte des Films Sinbad als Bad Boy wider Willen entlarvt hat und die beiden mit vereinten Kräften den Gefahren trotzen. Liebesgeschichen in Animationsform sind halt nur halb so spannend.

10.08.2011

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Kommentare

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sniper8

vor 13 Jahren

jaja, animationsfilme sind schon eine geniale erfindung und noch dazu toll umgesetzt ist wirklich abgefahren.
"sinbad" ist nicht der beste trickfilm der welt aber doch sehr gelungen. nicht zuletzt, dank den atemberaubenden actionszenen, die sich durch den ganzen film hindurch ziehen und die handlung durchs band rasan machen.
viel prominenz besetzen die stimmen der einzelnen charakteren. eigentlich zweitranging im deutschsprachigen raum.
auch zahlreiche geniale effekte (schattenspiele etc.) machen "sinbad" zu einem ganz speziellen animationsfilm, den man sich immer mal wieder ansehen kann.Mehr anzeigen


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