Robotic Angel Japan 2003 – 107min.

Filmkritik

Robotic Angel

Patrick Becker
Filmkritik: Patrick Becker

"Robotic Angel" ist die Verfilmung des Manga "Metropolis", gezeichnet 1949 vom Grossmeister Osama Tezuko. Dieser wiederum hatte sich von Fritz Langs Stummfilmklassikers "Metropolis" inspirieren lassen. Einmal mehr steht der Konflikt zwischen Mensch und Maschine im Mittelpunkt der Geschichte. Mittels klassischem Zeichenstil und modernster Computertechnologie ist ein ungewöhnlicher und bildgewaltiger Anime entstanden.

Duke Red, der eigentliche Herrscher über die futuristische Megastadt Metropolis, lässt für seine Nachfolge das Roboter-Mädchen Tima (den "Robotic Angel") kreieren, um es als maschinelles Kontrollzentrum der Welt einzusetzen. Sein Sohn Rock ist Anführer einer Kampfeinheit, deren Auftrag es ist, scheinbar irregeleitete Roboter aus dem Verkehr zu ziehen. Als Rock aus Eifersucht versucht, Tima zu zerstören, kommt es in der Metropole zum Aufstand der Maschinen. Was noch niemand weiss: Der "Robotic Angel" besitzt ein zerstörerisches Geheimnis.

Die Namen der Beteiligten lesen sich wie ein "Who's Who?" des japanischen Animes. Mit "Robotic Angel" ist Regisseur Rintaro aka Târo Rin ("Astro Boy", "X") ein ebenso ungewöhnlicher wie optisch fantastischer Anime gelungen. Katsuhiro Ôtomo, der Schöpfer von "Akira", verfasste das Drehbuch nach der Vorlage von "Metropolis", dem wohl einflussreichsten Manga aus der Feder der Zeichner-Legende Osamu Tezuka. Seinerzeit liess sich Tezuka stark von Fritz Langs "Metropolis" inspirieren, was in "Robotic Angel" sowohl an der Story als auch optisch zu erkennen ist.

Durch eine Kombination von Tezukas typischem Zeichenstils, welcher eher einfach ist und Figuren mit grossen Augen bevorzugt (Tezuka war ein grosser Disney Fan) und modernster Computertechnologie wird ein unglaubliches optisches Feuerwerk präsentiert, das bereits in der Anfangssequenz für offene Münder sorgt.

Neben vielen Parallelen zu Fritz Langs Stummfilmklassiker erinnern die Ladenstrassen wie auch die Figur von Rock stark an "Blade Runner", und wenn sich Tima auf der Flucht vom kindlich hilflosen Maschinen-Wesen rasend lernend zum fühlenden Individuum entwickelt, erinnert dies unweigerlich an Leeloo aus "The Fifth Element".

Optisch wie auch musikalisch unterscheidet sich "Robotic Angel" stark von Animes wie "Spirited Away" oder "Ghost in the Shell". Wunderschön kreierte Art Deco Gebäude treffen auf ungewöhnlich jazzige Musik. Was vielleicht sonderbar anmuten mag, passt erstaunlicherweise bestens. Bei der minutenlangen Apokalypse explodierender Wolkenkratzer, die fatal an den 11. September 2001 erinnern und auch der Grund für den verspäteten Start des bereits 2001 fertiggestellten Films sein dürften, ertönt der hoffnungsvolle und schnulzige Jazzsong "I can't stop loving you" von Ray Charles und wird kaum jemanden unbeeindruckt aus dem Kino gehen lassen.

"Metropolis" gilt als Klassiker des Manga und hat die Geschichten aller nachfolgenden Mangas und Animes geprägt. Aus heutiger Sicht bieten aber Themen wie Mensch versus Maschine, Vater-Sohn-Konflikt und so weiter kaum etwas Neues mehr. Dementsprechend werden keine Überraschungen geboten. Das grösste Manko des Films ist aber nicht seine eigene Schuld, denn "Robotic Angel" wird hier zu Lande nur in einer deutschen Synchronfassung gezeigt. Die Stimme des Jungen Kenichi ist dabei derart penetrant "quäkig" geworden, das man sich gelegentlich richtiggehend nerven kann. Ansonsten bringt "Robotic Angel" alle Voraussetzungen mit, ein Klassiker des japanischen Animes zu werden - zumindest in der Originalversion.

01.06.2021

4

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