CH.FILM

Little Girl Blue Schweiz 2003 – 82min.

Little Girl Blue

Filmkritik

Girl meets Boy

Filmkritik: Irene Genhart

Zwei Jugendliche verpassen durch den Egoismus ihrer Eltern beinahe ihre erste Liebe. Eine First-Love-Problemgeschichte aus der Schweiz.

Vor zwei Jahren hat die Zürcher Jungfilmerin Anna Luif mit "Summertime" einen viel beachteten und mit Preisen überhäuften Kurzspielfilm vorgestellt. Sie erzählt darin von den ersten amourösen Gefühlen eines Mädchens, das in einem anonymen Agglo-Quartier aufwächst. Mit "Little Girl Blue" stellt Luif nun ihren ersten langen Kinospielfilm vor.

Dieser wirkt, zumindest aufs erste, wie eine Fortsetzung seines kurzen Vorläufers. Ort des Geschehens ist eine Neubausiedlung irgendwo im Schweizer Mittelland. Sandra (Muriel Neukom) ist vierzehnjährig, schüchtern und mit ihrer Familie eben erst ins Quartier gezogen. Sie hat Mühe, neue Freunde zu finden, und das ist nicht so verwunderlich: Die Clique rund um die kecke Nadja gibt ihr deutlich zu verstehen, dass sie keine neuen Mitglieder braucht.

Eines Tages aber findet Sandra ein Portemonnaie. Es gehört Mike (Andreas Eberle), dem gut aussehendenJungen von nebenan: Sandra verliebt sich Hals über Kopf, und auch Mike scheint an ihr Gefallen zu finden: Anna Luif rückt zarte Annäherungsversuche und erste Küsse auf die Leinwand, doch ganz so einfach kommen Sandra und Mike doch nicht zusammen.

Denn Mike gefällt auch Nadja. Und Nadja kennt eine Menge Tricks, mit denen sich Buben fangen lassen - doch das ist nur das eine Liebeshindernis. Das andere sind die Eltern: Sandra entdeckt, dass ihr Vater mit Mikes Mutter eine Affäre hat. Die Idee, dass ihre Familie nicht mehr sein könnte, was sie bisher war, stürzt Sandra in Stress und scheint ihre aufkeimende Liebesgeschichte zu verunmöglichen.

Ums Erwachsenwerden geht es Luif in "Little Girl Blue". Darum, dass ein Kind sich von den Eltern lösen und lernen muss, zu sich und seinen Gefühlen zu stehen: Erst nachdem Sandra und Mike in einer aberwitzigen Amokfahrt auf dem Mofa durch die halbe Schweiz gebraust sind, um ihre Eltern voneinander abzubringen, begreifen sie, dass ihre Lovestory mit derjenigen ihrer Eltern nichts zu tun hat.

Heiss könnte dieser Film sein. Doch Luif meint, ihr sei schon als Jugendliche die in der Schweiz herrschende grosse Diskrepanz zwischen äusserlicher Wohlaufgeräumtheit und innerlichen Gefühlsstürmen aufgefallen. Dieser Zwiespalt prägt nun auch "Little Girl Blue", wo die stürmischen Emotionen der Protagonisten in krassem Gegensatz zur geleckten "Schöner-Wohnen"-Ästhetik der Inszenierung stehen.

In Mundart und - zumindest was die Kids angeht - mit Laien und Anfängern gedreht, erinnert "Little Girl Blue" ein wenig an die unbeschönigenden Gesellschaftsstudien von Ulrich Seidl. Obwohl Anna Luifs Debut punkto Dialoge und Schauspielführung nicht über jeden Verdacht erhaben ist, stellt es doch klar, dass mit der jungen Zürcherin eine ernst zu nehmende Autorenfilmerin am Heranwachsen ist.

14.07.2011

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Kommentare

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Gelöschter Nutzer

vor 15 Jahren

Ich ha de Film gseh, und ich muass säge er isch würcklich guat. Mir hätter sehr guat gfalle. Und Muriel Neukom alias Sandra gfallt mir au, sie isch würcklich ä süesses Girl.


tinko

vor 15 Jahren

Alle Schauspieler spielten bombenmässig und Mike war so süss


sk8g17

vor 15 Jahren

ist nicht schlecht


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