Der Appartement-Schreck Deutschland, USA 2003 – 89min.

Filmkritik

Mord aus kosmetischen Gründen

Filmkritik: Andrea Bleuler

Eine Greisin verhindert die Realisierung der ehrgeizigen Pläne des New Yorker Yuppie-Paars Drew Barrymore und Ben Stiller. Regisseur Danny DeVito verspricht einen Spottgesang auf die Generation der gut ausgebildeten Erfolgreichen, die alles so haben will, wie es ihr Hirn voraussieht. Und liefert schliesslich eine schwarze Komödie mit einfältigen Witzen.

Nach langen Jahren in Manhattans klaustrophobischen Wohnungen gönnen sich Alex (Ben Stiller) und Nancy (Drew Barrymore) den Sprung über die Brücke. In Park Slope, Brooklyn, soll Alex seinen ersten Roman schaffen und auch das erste, karrieretechnisch optimal geplante Kind. All das im frisch erworbenen Eigenheim, einem traumhaften Brownstone-Haus mit hohen Räumen und Cheminées. Und einem Haken: In den alten Gemäuern wohnt eine alte Dame, die erst ausziehen wird, wenn sie stirbt.

Kommt Besitz, kommt Spiessbürgertum. Die jungen Karrieristen vertragen die ewigen und lauten TV-Sessionen der geerbten Mieterin, ihren launischen Papagei und ihre Blaskapellenproben schlecht. Als Augenzeugin bei der Kinderzeugung ist sie ebenfalls nicht erwünscht.

Stiller und Barrymore sind für einmal entgegen ihrer Images besetzt und spielen die unterkühlten Unsympathischen, was mässig gut funktioniert. Die irischstämmige Alt-Brooklynerin Mrs. Conelly (Eileen Essel) entblösst das äusserlich liebenswürdige junge Paar bald als materialistisches, selbstgefälliges Zweiergespann. Der Immobilienhändler (Harvey Fierstein) und der Polizist (Robert Wisdon) sind ganz auf der Seite der Rentnerin.

Regisseur Danny DeVitos schwarze Komödie geht nach einer ordentlich inszenierten Ausgangslage doch sehr schnell und lieblos in den Grossangriff über. Nancy verliert ihren Job, Alex muss sein Buch bei Starbucks schreiben, und schon sind konkrete Mordgedanken nicht mehr zu verdrängen.

DeVito hat sich auf jeden Fall kräftig von "Ladykillers" inspirieren lassen, einem Klassiker, der von den Brüdern Coen neu verfilmt worden ist. Dass er trotzdem im simplen Humor strandet, ist verwunderlich für einen Komödien-Experten seines Formats.

Der Höhepunkt dieses umfänglichen Ideen-Sammelsuriums ist auf jeden Fall die 86-jährige irische Schauspielerin Eileen Essels, die in diesem Stil-Schlamassel mit der Würde des Alters alle aussticht und den Schwank rettet.

11.11.2011

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mamama

vor 12 Jahren


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