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Cyrill trifft Schweiz 2003 – 84min.

Cyrill trifft

Filmkritik

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Filmkritik: Senta van de Weetering

Cyrill Gehriger interviewt in "Cyrill trifft" Moritz Leuenberger, Anne-Marie Blanc, Reto Pavoni, Gardi Hutter, Martin Schenkel und den Abt des Klostes Einsiedeln. Was die Gespräche von unzähligen anderen unterscheidet: Cyrill hat Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt. Entsprechend handelt es sich nicht um Routine-Interviews mit vorhersehbaren Fragen. Stefan Jäger begleitet die Gespräche mit der Kamera. Für die Prominenz eine Gelegenheit zu PR der anderen Art, die mal mehr, mal weniger offensichtlich genutzt wird.

Da Stefan Jäger auf jeden Kommentar von aussen verzichtet, geht aus dem Film nicht hervor, unter welchen Prämissen die Begegnungen stattfanden, wer die Partner aussuchte, und wie der Kontakt zustande kam. "Lange nicht mehr gesehen", begrüsst Cyrill seine Gegenüber. Gardi Hutter reagiert als einzige erstaunt: "Sind wir uns denn schon begegnet?" Er habe sie auf Video gesehen, entgegnet er. Aus dem Gespräch mit dem Eishockeyspieler Reto Pavoni geht hervor, dass die beiden gemeinsam den Kindergarten besucht haben. Bei den anderen bleibt offen, ob es sich um ein Wiedersehen handelt oder um die erste Begegnung. So ist man denn froh um Hintergrundinformationen, welche den Presseunterlagen zu entnehmen sind.

Einige der Gespräche wurden ursprünglich für das Schweizer Fernsehen gedreht und dort bereits ausgestrahlt; zuerst, am 20. Dezember 2001, dasjenige mit Bundesrat Moritz Leuenberger. Das Echo auf die Sendung bewog den Sender, weitere Interviews von Cyrill Gehriger zu produzieren und bot ihnen prominente Sendezeiten: Das Gespräch mit Eishockeyspieler Reto Pavoni wurde an Auffahrt ausgestrahlt, die Begegnung mit Clownin Gardi Hutter am 1. August und Abt Martin Werlen flimmerte zusammen mit Cyrill am 25. Dezember über die Bildschirme.

Die Gesprächspartner schlugen jeweils Regisseur und Produzent vor, Cyrill entschied, ob sie in Frage kamen oder nicht. An einem Treffen mit Christoph Blocher zum Beispiel zeigte er keinerlei Interesse. Für den Kinofilm sprach Cyrill Gehriger zusätzlich mit der Schauspielerin Anne-Marie Blanc und mit dem Schauspieler Martin Schenkel. Die Regisseure sichteten das Filmmaterial der bestehenden Interviews neu und schnitten die verschiedenen Gespräche thematisch zusammen.

Die Gespräche, die Cyrill Gehriger führt, sind keine klassischen Interviews; man erfährt gleich viel über ihn wie über die Befragten, die, je nachdem wie geübt sie in Öffentlichkeitsarbeit sind, den Film auch zur Werbung in eigener Sache umwandeln. Zum Glück sind die anderen Momente, in denen echte Begegnungen stattfinden, in der Mehrzahl.

08.01.2003

4

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