Haus über Kopf USA 2003 – 105min.

Haus über Kopf

Filmkritik

Weisser Hai und Dschungelkönigin

Filmkritik: Simon Kern

Komödie mit Steve Martin und Queen Latifah um einen biederen Anwalt, dessen Leben aufgrund eines Blind Dates mit einer Knast-Ausbrecherin gehörig auf den Kopf gestellt wird. Gefahr, dass dabei allzu ruppig an Vorurteilen gerüttelt wird, besteht keine – in dieser Klamotte dienen Klischees lediglich als Futter für seichte Spässchen.

Ob es sich um eine gemeinsam benutzte Telefonleitung wie anno 1959 in "Pillow Talk" mit Doris Day und Rock Hudson handelt, oder um die anonyme Plauderei im Internet 40 Jahre später in "You’ve Got Mail" – die Kontaktaufnahme inkognito birgt fraglos komödiantisches Potenzial. In "Bringing Down the House" steht denn auch plötzlich ausgerechnet eine ebenso launige wie laute "Yo Mama!" vor der Tür, als der biedere Peter (Steve Martin) sein Haus zu einem lauschigen Tête-à-tète öffnet. Das Problem: Der geschiedene Familienvater Peter ist ein braver Rechtsanwalt – ein weisser noch dazu. Er hat sich von seinem Internet-Date eher eine propere WASP-Trophäe erhofft. Was sollen nun die Nachbarn denken!

Des Bünzlis Sorgenfalten graben sich noch tiefer: Das schwarze Rasseweib Charlene (Queen Latifah) ist eben erst dem Knast entflohen. Und sie hat allen Grund, Martins Versuchen zu widerstehen, den ungebetenen Gast aus dem Haus zu werfen – soll der Anwalt ihr doch helfen, ihre Unschuld zu beweisen. Im Gegenzug fungiert Charlene für Peters Kinder aus geschiedener Ehe als Kindermädchen, eine Art Mary Poppins aus MTVs Hip-Hop-Ecke.

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich Komödien mit einem solch gegensätzlichen Paar dahingehend entwickeln, dass die beiden sich trotz aller Unterschiede angleichen. Während Queen Latifahs Charlene sich lediglich im Deux-Pièces als seriöse Karrierefrau beweisen muss, bekommt Steve Martin alias Peter die volle Packung: Man braucht kein Hellseher zu sein, um eine Szene zu erwarten, in der sich Peter in voller Homeboy-Kluft in die Tiefen des Ghettos schmeisst – "for real, dawg!"

Das hat 1998 schon ein anderer über sich ergehen lassen, und zwar nicht weniger peinlich berührend: Warren Beatty in seiner Politsatire "Bulworth". Während Beatty auf Missstände in der Sozialpolitik aufmerksam machen wollte, gehts in "Bringing Down the House" aber ums Gefühlige. Und genau hier hat Drehbuch-Debütant Jason Filardi der Mut verlassen: Weil nicht sein darf, dass der weisse Hai im Anzug und die rassige Dschungelkönigin sich lieben, bemüht Filardi stattdessen die Figur einer Exfrau, der Steve Martins Peter nachtrauert. Somit gehts plötzlich um gar nichts mehr.

Ausser um eine ganze Reihe Gags, entworfen rund um die Stereotypen, mit denen Schwarze von der Strasse und mittelständische Weisse gemeinhin versehen werden. Wie beispielsweise jenem, dass Charlene "ihrem" Peter beibringen darf, zum 80er-Jahre-Popsong "Ain’t Nobody (Loves Me Better)" auf der Tanzfläche so richtig abzukaspern. Vor den Augen seiner Exfrau, die sich zufällig(!) im selben Lokal aufhält. Dabei sind nicht die Vorurteile an sich das Problem – vielmehr gehört kritisiert, dass diese nicht unterlaufen und als die Gedankenlosigkeit, die sie nun mal sind, enttarnt werden. So dienen sie einzig als Futter für Spässchen, über die man durchaus auch mal schmunzeln kann. Eine gelungene Komödie mag man "Bringing Down the House" deswegen aber bei weitem nicht nennen.

05.08.2011

2

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Kommentare

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littlegirlblue

vor 15 Jahren

Steve Martin ist echt der ober Knüller


Gelöschter Nutzer

vor 15 Jahren

Stellenweise Lustig, aber nichts neues


brittany123

vor 15 Jahren

Der Film war ja ganz o.k.!!!!!!


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