Ice Age USA 2002 – 81min.

Filmkritik

T-Rex war gestern

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

Wer hat denn gesagt, dass die coolsten Viecher zur Dinosaurierzeit gelebt haben? Schon die BBC-Serie "Die Erben der Saurier" hat jüngst bewiesen, dass bizarre Kreaturen wie Mammuts, Säbelzahntiger und Nashornvorläufer ihren Vorgängern das Wasser reichen können. 20th Century Fox unterstreicht dieses Urteil mit "Ice Age".

Disney, Dreamworks, Pixar - die Grossmächte des Animationsfilms schienen bis anhin den Markt praktisch alleine zu beackern. "Ice Age" aus dem Hause 20th Century Fox könnte allerdings an den drei Säulen rütteln. "Titan A.E", der letzte Vorstoss des Filmimperiums in Genre, lieferte mit einer Kombination aus Zeichentrickfilm und computergenerierten Hintergründen einen atmosphärischen Science Fiction Streifen, der allerdings an den Kinokassen floppte. Jetzt versuchen sich die Fox Animation Studios im Fahrwasser von "Dinosaur", "Shrek" und "Monsters, Inc." in vollständiger Computeranimation.

Die bewährten inhaltlichen Formeln haben die Autoren bestens studiert und nutzen sie als Grundgerüst: Grosser, brummliger Held trifft auf kleinen, quasseligen Sidekick, um einige Lektionen über hehre Grundwerte menschlichen und tierischen Zusammenlebens zu lernen. In der Eiszeit vor 20'000 Jahren materialisieren sich diese Archetypen als Manny, das mürrische Mammut, und Sid, ein Faultier, das alles andere als maulfaul ist. Ausserdem zieht das glubschäugige Vieh Unglück an wie Hundekot die Fliegen, weshalb es Manny zum persönlichen Leibwächter kürt, obwohl das Mammut überhaupt nicht an Gesellschaft interessiert ist. Als die beiden jedoch ein verwaistes Menschenbaby finden, beschliessen sie, es zu seinen Artgenossen zurückzubringen. Als Führer bietet sich dabei der zwielichtige Säbelzahntiger Diego an, dessen wahre Absichten für seine Begleiter undurchsichtig bleiben.

So weit hebt sich "Ice Age" noch nicht von einer stromlinienförmigen, routinierten Disney-Produktion ab. Die Geschichte ist simpel, die Charaktere klar gezeichnet, die Dialoge witzig. Seine wahren Qualitäten entwickelt der Film aber, wenn er aus dem erprobten Korsett ausbrechen kann und man das Gefühl bekommt, dass sich Autoren und Animatoren ohne moralische Beschränkungen auf der digitalen Spielwiese austoben konnten. Zum Beispiel wenn eine trottelige Herde Dodos vor den Augen der erstaunten Freunde den Untergang der eigenen Art systematisch vorantreibt und deutlich macht, dass das Aussterben der Urvögel keineswegs auf Klimakatastrophen zurückzuführen war, sondern auf einen Intelligenzquotienten nahe des Gefrierpunktes.

Die Show in dem ganzen Eiszeitzoo stiehlt aber ein kleines pelziges Wesen, das mit der Handlung überhaupt nichts zu tun hat. Das Urwelt-Eichhörnchen mit Säbelzähnen taucht immer wieder auf und hat als einzige Lebensaufgabe, eine Eichel zu vergraben. Was dem hektischen, neurotischen Pseudonager aber in der tiefgefrorenen Landschaft nie gelingen will. Die diversen Episoden des Antihelden stehen in bester Cartoontradition und sprühen vor schräg-schwarzem Humor.

"Ice Age" lässt sich mit Disney’s "Dinosaur" vergleichen, was den Grundstrang der Handlung betrifft. Statt auf Fotorealismus baut "Ice Age" aber optisch eher auf die Tradition des Zeichentrickfilms und tut gut daran. Der unverbrauchte Humor funktioniert so am besten.

25.11.2020

4

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Kommentare

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reshmajud

vor 7 Jahren

super


movie world filip

vor 9 Jahren

ice age fast vergessen in die zeichentrick kategorie... ist aber unvergesslich... das ist eine humor klasse, stufe höher


aforrer

vor 9 Jahren

Dieser Film ist Kult! Scrat sowieso! Leider ist die Handlung insgesamt für meinen Geschmack zu kühl, aber Witzig ist der Film allemal!


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