Dreamcatcher Kanada, USA 2002 – 136min.

Filmkritik

Fang mich, wenn du kannst

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

Nicht überall, wo Stephen King drauf steht, ist auch ein guter Film drin. "Dreamcatcher" zumindest trägt mit dem Namen des Altmeisters des Horrors mehr Schmuck, als der Film verdient. Willkommen zu einem Potpourri der seltsamen Art.

Nun wird ja der Name Stephen King landläufig mit Horror gleichgesetzt, aber gerade die letzte King-Verfilmung, "Hearts in Atlantis", hielt sich so frei wie möglich von Übernatürlichem. Das geriet zwar etwas langatmig, war aber wohl die bessere Lösung als der wilde Horroreintopf, den uns Regisseur Lawrence Kasdan mit "Dreamcatcher" präsentiert. Denn in welches Genre sein Film nun gehören soll, weiss man bis zum Schluss nicht.

Da wären also zum Ersten vier Freunde (Thomas Jane, Jason Lee, Damian Lewis und Timothy Olyphant), die sich in den verschneiten Wald aufmachen. Es ist aber nicht etwa das Jahrestreffen der Hellseher das dort stattfindet, wie man vermuten könnte, sondern bloss eine Zusammenkunft frustrierter Mittdreissiger mit übersinnlichen Fähigkeiten. Ihre besonderen Gaben zwischen Gedankenlesen und vagen Zukunftsahnungen scheinen den vier Junggesellen kein Glück zu bringen, weshalb sie ihren gmeinsamen Unmut im stimmigen Mantra "Same Shit, Different Day" kondensieren.

Man bewegt sich im übersinnlichen Dunstkreis von "X-Files" und Konsorten, könnte man jetzt denken, doch bevor der Gedanke ausgereift ist, taucht ein furzender Jäger auf. Teeniekomödie mit Fäkalhumor? Nein, oh Graus, die Ursache der üblen Blähungen ist ein schleimiger Alienwurm, der sich auf schmerzhafte Art und Weise seinen Weg nach draussen sucht. "Alien 5"? Nein, denn schon wird alles ins Lächerliche gezogen. Monsterfilmparodie? Fast schon möchte man daran glauben, da kommt in letzter Minute Morgan Freeman im Helikopter angedüst. Der Blick ist streng und die silbernen Augenbrauen wuchern, dass Frida Kahlo vor Neid erblassen würde. Offenbar war grad keine Rolle als alternder FBI-Profiler frei, weshalb sich Freeman als richtiger Fiesling versuchen muss. Er schiesst sogar einem Untergebenen in die Hand. Nie mehr werden wir Opa Freeman mit denselben Augen sehen. Aber er tuts ja eigentlich aus guten Gründen, denn schliesslich breitet sich eine Seuche aus. Katastrophenfilm? Wer weiss. Dann wirds drastisch. Es wird gefeuert aus allen Rohren. Es röhren die Rotoren und zischen die Raketen. Kriegsfilm? Keine Ahnung, spätestens jetzt hat man den Überblick verloren.

Es braucht wohl einen besonders leistungsfähigen Traumfänger, um den Sinn dieses Streifens zu erhaschen. Wenn man nach geschlagenen zweieinviertel Stunden aus dem Sammelsurium entlassen wird, macht sich die Ratlosigkeit breit. Glaubt man aber der Propaganda, findet Meister King persönlich, Dreamcatcher sei "die erste wirklich überzeugende Horror-Thriller-Verfilmung eines meiner Stoffe in den letzten 15 Jahren". Man denkt sich da lieber gleich 23 Jahre zurück, als Jack Nicholson in "The Shining" mit der Axt im Haus den Zimmermann ersetzte und unter Stanley Kubricks Regie der Name Stephen King einen ganz neuen cineastischen Klang bekam.

25.01.2021

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Kommentare

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winigsa

vor 11 Jahren

Der Film weiss einfach nicht, was er eigentlich sein will. Triller, Horror oder doch Drama.
Viel zu überladen. Ein wilder mix ohne jegliche Struktur. Nur die Spannung wurde weggelassen. Der Filmausgang ist schon nach 20 Minuten klar und auch die Actionszenen sind nicht wirklich mitreissend.

Zu viele Ideen versauen den Film.Mehr anzeigen


chrizloco

vor 14 Jahren

Lieber Bruno, such dir ein anderes Hobby. Wie kommt ein so einfältiger Mensch überhaupt auf die Idee Filmkritiken zu schreiben? Das ist mir ein Rätsel. Dein Text ist bloss reine Frustbewältigung und hat nichts mit einer objektiven und konstruktiven Kritik zu tun.

Und ja, ich finde den Film mehr als nur gelungen. Aber noch mehr zu bewundern sind Menschen die sich solch eine Story überhaupt ausdenken können. Danke King!Mehr anzeigen


khurerbuab

vor 15 Jahren


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