Chicago Deutschland, USA 2002

Chicago

Filmkritik

Mädels, Morde und Musik

Filmkritik: Nathalie Jancso

Die eine ist der glamouröse Star der Chicagoer Nachtklubsszene, die andere träumt noch vom grossen Durchbruch. Beide landen im Gefängnis und treffen dort auf einen publicitysüchtigen Strafverteidiger. Der Tanz um die Gunst des Publikums kann beginnen: Die Verfilmung des Broadway-Musicals "Chicago" ist perfekt inszeniertes Hollywoodkino mit Renée Zellweger, Catherine Zeta-Jones und Richard Gere in den Hauptrollen.

Die auf realen Mordprozessen im Chicago der 20er Jahre basierende Geschichte wurde bereits in unzähligen Versionen am Broadway aufgeführt und auch mehrmals verfilmt. Regisseur Rob Marshall und Drehbuchschreiber Bill Condon haben Bob Fosses gefeierte Bühnenversion aus dem Jahr 1975 mit beträchtlichem Aufwand aufgemotzt und geschickt neu inszeniert: Sie führen eine reale und eine Fantasie-Ebene ein und umgehen so die Gefahr, das heutige, an Musicals unerprobte Kinopublikum durch surreale Tanz- und Singnummern aus der Geschichte zu reissen.

Die naive, aber verbissen ambitionierte Roxie Hart (Renée Zellweger) bestimmt unseren Blickwinkel. Entweder wir sehen ihre Realität: Roxie versucht durch ihren Liebhaber einen Auftritt im Nachtklub zu ergattern. Als sich herausstellt, dass dieser sie nur ausnützt, erschiesst sie ihn kaltblütig. Im Gefängnis landet sie neben der gefeierten, ebenfalls des Mordes angeklagten Velma Kelly (Catherine Zeta-Jones), die sie von oben herab behandelt. Von der Gefängniswärterin "Mama" Morton (Queen Latifah) wird Roxie dem publicitysüchtigen Strafverteidiger Billy Flynn (Richard Gere) zugespielt, der nur eines sucht: karrieregeile, hübsch anzusehende Mädchen, die ihn mit ihrem traurigen Schicksal stets im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit halten. Oder wir sehen Roxies choreografierte Fantasien: Ihre perfekten Auftritte vor der Presse, Billys Stepptanz während der Verteidigungsrede, Velmas unaufhaltsamen Abstieg, illustriert durch eine krampfhafte Showeinlage.

Um der Grossproduktion den nötigen Appeal zu geben, haben sich die Macher entschieden, Hollywood-Stars anstelle von Tänzern und Sängern für die Hauptrollen zu engagieren. Die rasant geschnittenen Tanzszenen erfüllen denn auch neben der modernen Ästhetik einen weiteren Zweck: die tänzerischen Mängel der Schauspieler zu vertuschen. Vor allem Gere, der wie Zeta-Jones bereits Musical-Erfahrungen mitbrachte, bewegt sich eher steif auf dem Parkett. Dafür überzeugt er als schleimiger Anwalt schauspielerisch voll und ganz, während Renée Zellweger, als eigentlicher emotionaler Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, nicht viel mehr als ein schmollmundiges Puppengesicht zu bieten hat. Wieder einmal sind die Nebenfiguren, die leider viel zuwenig singen und tanzen dürfen, am mitreissendsten: Die üppige Rapperin Queen Latifah als intrigante "Mama" Morton und der ewige Nebendarsteller John C. Reilly ("Magnolia", "Gangs of New York") sind schlicht grossartig.

13 Oscar Nominierungen, 3 Golden Globes, 2 Bafta Awards - die Filmwelt feiert mit "Chicago" das Musical-Genre, das bereits letztes Jahr mit dem postmodern verspielten "Moulin Rouge" einen fulminanten Neustart erlebte. Dass es ausgerechnet jetzt wieder die Leinwand erobert, bestätigt vielleicht die Theorie, dass das Musical sich von allen klassischen Hollywood-Genres am besten für Krisenzeiten eignet: Eskapismus ist wieder topaktuell - auch wenn man "Chicago" zu Gute halten muss, dass unter der allzu glatten Genre-Oberfläche durchaus brisante Kritik am US-Rechtssystem und an der medialen Manipulation zu finden wäre.

28.03.2011

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Kommentare

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siheja

vor 13 Jahren

also, hier ist ganz bestimmt die Musik der absolute Hammer! die Tanzscenen sind auch nicht schlecht. die Story mal etwas speziell. dies ist kein Film für jedermann. da muss man schon Musical oder Tanzfilm Freak sein. jedoch schliesse ich mich an die Worte weiter unten an, Moulin Rouge lässt sich nicht toppen!Mehr anzeigen


tuvock

vor 16 Jahren

getanzt, und eine Steppszene ist zu sehen mit Richard Gere. Blöd war das die Musik nicht mit deutschen Untertiteln unterlegt war. „ West Side Story „ und „ Hair „ oder „ Die Rocky Horror Picture Show „ auch
“ Molin Rouge “ das, war en alles Musicals die um Klassen besser war als der. Was hat die Juroren bei der Oscarverleihung geritten, das sie diesen langweiligen Black Noir Film Auferstehungsmist mit so vielen Oscars bedachten, oder ist den Amis so fade gewesen? Herr der Ringe – Die zwei Türme hätte 8 Oscars kriegen sollen, und 13 Nominierungen, nicht der Film. Die Schauspieler spielen sehr gut, René sieht aus wie Marilyn Monroe, die Bewegungen von Jones sind sehr gut, die Choreographie ist ganz nett, Gere spielt als Tänzer nicht übel. Die schauspielerische Leistung ist gewöhnlich, aber gut, alle Darsteller atmen und schauen in die Luft, singen und tanzen. Mit von der Partie ist auch Lucy Liu. Der Film ist uninteressant, hat zwar nette Jazzsongs, die mir überhaupt nicht gefallen. Meine Freundin musste ich mit Valium aufwecken, sie schlief die ganze Zeit fast, und Molin Rouge hat mir viel besser gefallen, nicht nur weil da die Musik besser war, sondern auch die Liebesgeschichte sehr gut, ein Musical ohne Liebesgeschichte ist nicht so ganz gut. Und dann diese ganze Gangsterlangweiligkeitsstory, Filme aus den 30 er Jahren hatten dieses Gangsterimage, kein Wunder das die damalige Filmindustrie nicht so gut lief, die kannten halt kein Star Wars oder Barbapapa.
Die hätten das Musical ohne die viele Musik machen sollen.

Ein Film der Musicalfans freuen könnte, und zwar richtigen Hardcore Musicalfans. Die Story ist dünn, die Schauspieler nicht besonders, die Musik nur was für Liebhaber, allen anderen sage ich nur, schaut euch den Film trotzdem an, es gehört eben zum Allgemeinwissen irgendwie so am Rande dazu. Mir gefiel er nicht, ich fand ihn fad, und die ganze Musik war saustörend. Der Film war nicht spannend, und ich finde ihn nicht gut.

46, 10 von 100Mehr anzeigen


tuvock

vor 16 Jahren

Chicago



Wir schreiben das Jahr, die 20 er Jahre von Chicago, genauer gesagt 1929, in Illinois, in den Usa. Es ist die Zeit der Antidepressiven Aggression, wo die Leute mehr Alkohol zu sich nahmen als Sauerstoff. In der Zeit ist auch die Geschichte angesiedelt, die in 110 Minuten ein altes Musical wieder aufleben lässt, das für 13 Oscars nominiert wurde, und 6 Oscars gewann. ROXY HART ( René Zellweger) will nicht mehr dieses langweilige Leben leben, was sie bisher gelebt hat. Sie hat es satt, dauernd die 2. Geige zu sein. Denn sie will ein Star sein. Der Hauptwunsch der damaligen Leute nach Präsident. Sie will am Broadway auftreten, wie Ihre erbittertste Kollegin, VELMA KELLY ( Catherine Zeta Jones). ROXY führt so ein richtiges biederes Leben, außer Ihrem Mann AMOS ( John. C. Reilly) liegt Ihr keiner zu Füßen, nicht so wie der VELMA. Und das nervt sie, das hasst sie, und sie will endlich ein Star werden, wie Grisu der kleine Drache. Da entdeckt sie ein Manager und verspricht Ihr das blaue vom Himmel. Was sie erhält ist ne kurze Nacht und ein Abschiedsgruß. Sie wird mehr als benutzt, und die Rache ist, sie ermordet ihn. Im Affekt. Sie wandert kurz daraufhin ins Gefängnis, wo sie VELMA eben trifft, die Ihr totales Idol ist. Die wiederum hat Ihren Ehemann mit Ihrer Schwester erwischt und ihn kurzerhand erschossen. ROXY hat nicht viel zu lachen im dem Gefängnis, es ist hart, so richtig schlimm, denn an jeder Ecke wird gesungen. MATRON „ MAMA „ MORTON ( Queen Latifah) ist auch in dem Gefängnis, noch dazu die Wärterin, sie war mal selber Tänzerin und ist jetzt wegen Mordes verurteilt, und die Chefin des Frauenknastes. Auch sie war im Showbusiness, wie alle anderen. Wie so halt üblich im Musical wird alle paar Minuten was dahergelallt, und man wartet bis wieder die Handlung weitergeht. Die kommt in Form von BILLY FLYNN ( Richard Gere) der Staranwalt schlechthin, der für die Rolle Steppen lernte, und der sie verteidigen soll, nicht ohne Zwischenfälle, und auch erst nachdem AMOS Ihm versprach die gewünschten 5. 000 $ zu geben, damit er seine Frau ROXY vertretet. Leider kriegt er nur 2. 000 $ zusammen, aber BILLY glaubt an seinen Erfolg, bis jetzt 44 x ungeschlagen Sieger mit Unschuldig, und verteidigt sie trotzdem. Da wird es schwer, denn ROXY muß sich benehmen wie die Unschuld vom Lande, um die bevorstehende Gerichtsverhandlung zu täuschen und auch die Geschworenentypen, aber damals in Chicago war ja alles möglich, auch singende Anwälte. Der einzige dessen Gerechtigkeitssinn so groß ist, das er ROXY am Galgen sehen will, ist der Staatsanwalt MARTIN HARRISON ( Colm Feore).Mehr anzeigen


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