Der Herr der Ringe - Die Gefährten Neuseeland, USA 2001 – 178min.

The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring

Filmkritik

The Lord of the Rings

Filmkritik: Marcel Lanthemann

J.R.R. Tolkiens "The Lord of the Rings" ist das meistgelesene Buch nach der Bibel und besitzt eine riesige weltweite Fangemeinde. So verwundert es nicht, dass es fast 50 Jahre dauerte, bis sich ein Filmemacher an eine Realverfilmung dieses epischen Stoffes wagte. Der Neuseeländer Peter Jackson ist das Wagnis eingegangen und hat das Unmögliche möglich gemacht: Er hat, genau wie Tolkien bei seinem Buch, mit seinem Film ein Meisterwerk abgeliefert.

Der junge Hobbit Frodo Beutlin (Elijah Wood) erhält von seinem Onkel Bilbo (Ian Holm) einen ganz besonderen Ring als Geschenk. Vom Zauberer Gandalf (Ian McKellen) erfährt Frodo, dass der Ring nicht nur unsichtbar macht, sondern dass es sich bei dem Schmuckstück um den Einen Ring des finsteren Lord Sauron handelt. Frodo macht sich mit seinen Freunden Sam (Sean Austin), Pippin (Billy Boyd) und Merry (Dominic Monaghan) auf den beschwerlichen Weg nach Bruchtal, zu den Elben, wo er den Ring in Sicherheit bringen will. Doch das Böse ist bereits erwacht, und ist ihnen schon bald in der Gestalt der Schwarzen Reiter auf den Fersen. Die einzige Möglichkeit, Mittelerde vor der völligen Dunkelheit zu retten, ist es den Ring im Schicksalsberg zu vernichten. Zusammen mit acht Gefährten beginnt Frodos Odyssee nach Mordor, ins dunkle Reich Saurons.

300 Mio. Dollar stellte New Line Cinema dem Regisseur Peter Jackson für sein ehrgeiziges Projekt zur Verfügung, an welchem er inzwischen bereits seit sechs Jahren arbeitet. Aus Kostengründen, und nicht zuletzt wegen der phantastischen Naturkulisse, entschloss sich Jackson, den Film in seinem Heimatland Neuseeland zu drehen. Während 15 Monaten drehte das Team zeitweise an mehreren Locations gleichzeitig, bevor man im Januar 2001 die Postproduktion des ersten Teils in Angriff nahm. Noch nie zuvor wurden drei Filme gleichzeitig gedreht, und die lange Drehzeit war sowohl für Regisseur und Darsteller als auch für die Crew eine enorme Belastung. Trotzdem waren im Dezember 2000, nach Beendigung der Dreharbeiten, alle Beteiligten mit dem Projekt und der Arbeit zufrieden.

Peter Jackson und New Line Cinema haben genau das Richtige getan, als sie schon sehr früh gegenüber der grossen Fangemeinde des Tolkien-Klassikers klarstellten, dass es sich bei dieser Film-Trilogie um keine offizielle filmische Adaption der Bücher handelt, sondern um eine Interpretation des Regisseurs. Denn bereits in den ersten Szenen erkennt man die zum Teil gravierenden Änderungen gegenüber der Buchvorlage. Hier wurde die Geschichte von "The Lord of the Rings" verfilmt, nicht das Buch. Dies aber mit einer solch epischen Wucht, so unglaublichen Bildern und so viel Dramatik, dass man als Zuschauer bis zum Schluss des Filmes nicht mehr aus dem Staunen herauskommt. Nicht alle diese Änderungen sind gelungen, aber trotzdem hat es Jackson verstanden, der Geschichte treu zu bleiben. Verändert wurde nur, was dem Film diente.

In einem beeindruckenden Prolog, in dem gezeigt wird wie der Eine Ring von Saurons Hand ins Auenland gerät, erkennt der Zuschauer, gegen welche finstere Macht der kleine Hobbit Frodo in den Kampf ziehen wird. Eine unglaubliche Fantasy-Welt entfaltet sich, die dank der tollen Landschaftsaufnahmen in Neuseeland absolut real wirkt. Man glaubt fast den Duft der Blumen im Auenland riechen zu können. Doch schnell kehrt die düstere Stimmung der Geschichte zurück, und das idyllische Auenland wird vom Bösen heimgesucht. Ab diesem Punkt entwickelt die Geschichte ein enormes Tempo. Jackson lässt allen unwichtigen Ballast fallen und treibt die Geschichte voran. Zusammen mit dem Zuschauer entdecken die Hobbits Frodo, Sam, Pippin und Merry zwar die schönen, aber auch die dunklen Seiten ihrer Welt Mittelerde und erkennen die schreckliche Bedrohung. Der Höhepunkt des Films ist ganz klar der Weg der Gefährten durch das Zwergenreich Moria. Dort ist Spannung pur angesagt, und die Verfolgungsjagd zur Brücke von Khazad-Dum reisst den Zuschauer mit, auch wenn man das Buch gelesen hat und den Ausgang kennt. Hier setzt Jackson perfekt sein Talent für Kameraführung und Bildsprache ein. Immer wieder, und nicht nur in der Moria-Sequenz, setzt Jackson statt Schnitten Kamerafahrten ein, die den Eindruck erwecken hier würde lediglich gefilmt was wirklich passiert ist. Klar ist der Film voll von Special-Effects, aber im Gegensatz zu anderen Filmen dieser Dimension wirken sie nie aufdringlich, sondern dienen als Unterstützung, um Mittelerde realistisch auf die Kinoleinwand zu transferieren.

Auch wenn sich die Leser ihre Figuren vermutlich anders vorgestellt haben, hat man bei der Auswahl der Darsteller eine gute Hand gehabt. So ist Ian McKellen in keiner Szene des Films zu sehen. Man sieht nur den Zauberer Gandalf, der Frodo auf seiner Reise nach Mordor unterstützt. Genau so gut wurde Elijah Wood als Frodo, Viggo Mortensen als Aragorn und Sean Bean als Boromir besetzt. Sie verleihen ihren Figuren die nötige Tiefe und offenbaren deren Charaktere ohne viele Worte, allein durch ihre grossartige Darstellung. Einzig Hugo Weaving wirkt als weiser Elrond etwas zu düster, aber dies schmälert den guten Gesamteindruck der Darstellerriege in keiner Weise.

Einen der schönsten Momente erlebt man gleich zu Beginn des Films. Da blickt Gandalf von einem Hügel hinunter nach Gondor. Man sieht die Stadt Minas Tirith, dann schwenkt die Kamera nach Osten zum Schattengebirge Mordors und man sieht die Ruinen von Osgiliath. Alles ist an seinem richtigen Platz und Mittelerde wird endgültig Wirklichkeit.

Aber natürlich hat auch dieser Film einen Schwachpunkt: Ein ganzes Jahr lang muss man warten bis der zweite Teil von Jacksons Meisterwerk in die Kinos kommt...

10.11.2014

5

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Kommentare

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MrsStraciatella

vor 5 Jahren

Sehr gut! Aber ein Bisschen zu sehr in die Länge gezogen


prepuel

vor 5 Jahren

Der beste Fantasy film aller zeiten


Maratonna

vor 6 Jahren

Brillant - nicht zu toppen.


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