Kate & Leopold USA 2001 – 121min.

Filmkritik

Ein Gentleman alter Schule

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

Bevor Hugh Jackman für "X-Men 2" erneut die Metallkrallen wetzt, darf er noch einen Ausflug in romantische Gefilde machen. Als viktorianischer Edelmann, der durch einen Zeitriss ins 21. Jahrhundert springt, betört er die abgebrühte Meg Ryan. Die romantische Komödie löst das Rätsel nicht, warum Happy Ends so tranig sein müssen.

Leopold Alexis Elijah Walker Gareth Thomas Mountbatten, dritter Baron von Albany - wenn das mal nicht nach einer guten Partie tönt. Denkt sich auch die New Yorker High Society im Jahr 1876 und setzt ihre heiratswilligen Töchter auf den attraktiven Junggesellen (Hugh Jackman) an. Dieser frönt aber lieber seinem Erfindergeist, als sich ehelichen zu lassen. Vermeiden lässt sich der Gang vor den Altar allerdings nicht mehr, denn das Familienvermögen ist aufgebraucht.

Als er bei der Brautschau in seinem Haus einen Fremden entdeckt, der mit einem seltsamen Gerät herumhantiert, folgt er ihm und fällt durch ein Zeitloch, das ihn ins dritte Jahrtausend befördert. Dort landet er in der Wohnung des glücklosen Erfinders Stuart (Liev Schreiber). Der hat zwar allerlei technisches Gerät, das der antiquierte Edelmann nicht versteht, doch das eigentliche Objekt des Interesses findet sich in der Wohnung im unteren Stockwerk: Stuart's Ex-Freundin Kate (Meg Ryan).

Ihres Zeichens hart gesottene Marketingspezialistin, arbeitet sich Kate verbissen die Karriereleiter ihres Unternehmens empor. Natürlich bleibt dabei das Liebesleben auf der Strecke, und natürlich steht Leopold seinen Baron, um diesen Umstand schnellstens zu ändern. Denn der Herr aus dem vorletzten Jahrhundert versteht es, mit seinen tadellosen Manieren die Frauenwelt zu betören. Er weiss zum Beispiel, dass man vom Tisch aufsteht, wenn eine Frau dazukommt. Oder dass die Blumen in einem Strauss symbolische Bedeutungen haben.

Kate hat einer solch geballten Ladung Retro-Romantik nichts entgegenzusetzen. Aufstieg im Beruf? Plötzlich unwichtig. Nur das Herz zählt noch. Bloss - was will uns der Film damit sagen? Dass sich heimlich eben doch alle Frauen zurück ins 19. Jahrhundert wünschen, wo sie sich nicht in Karrierejobs abmühen mussten und mit Haus, Herd und Heirat zufrieden waren? Oder lediglich, dass mit den ungehobelten Kerlen der Gegenwart nichts anzufangen ist?

Auf tiefgründige Psychologie verzichtet die leicht gewichtige Komödie aber ohnehin. Ihr geht es um Spass und Romantik. Die Rezepte sind dabei nicht sonderlich originell, erfüllen aber ihren Zweck. Einmal mehr wird ein Kulturschock in der vierten Dimension ausgespielt, den Hugh Jackman ohne unnötigen Slapstick meistert. Für Kurzweil ist während der ersten Hälfte des Streifens gesorgt, während ein zähflüssiger Schluss nach Schema neben warmen Herzen auch für Gähner sorgt.

Jackman will sich offenbar trotz Auftritten in "X-Men" und "Swordfish" in Amerika nicht auf die Actionschiene festnageln lassen und liefert nach "Someone like you" bereits seine zweite Schnulze ab. Im nächsten Jahr gibt's dann aber wieder härtere Kost: 2003 schlüpft der Australier für "X-Men 2" wieder in die Haut des Mutanten Wolverine.

14.03.2014

3

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Kommentare

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schattenfell

vor 8 Jahren

achh wie romantisch...


movie world filip

vor 8 Jahren

neben ein film mit ashley judd noch ein romatisches versuch von jackman der nachher mal sexiest man alive würd sein... unterhaltsame witzige film


sniper8

vor 12 Jahren

der beste liebesfilm den ich kene (womöglich auch einer der wenigen einzig guten). die story ist sehr fantasievoll und ist am ende gar nicht mal so absehbar wie mir scheint. aber der film verzaubert jedesmal auf's neue, auch nach dem tausendsten mal wiedesehen. an vielen orten kann man herzhaft lachen und sich an den leistungen der hauptdarsteller amüsieren.
zunächst zu meg ryan: es gibt keine bessere schauspielerin die den chaotischen durchschnittsmenschen besser spielen kann als sie. man hat das gefüh, dass sie vor der kamera einfach sie selbst ist und man kauft ihr wirkich alles ab. sehr überzeugend.
auch hugh jackman, als charmanter herzog ist ein toller filmpartner für meg ryan und passt optimal in seine rolle. wirklich eine tolle leistung.
wer volles mitgefühl kriegt ist liev schreiber als gutmütiger pechvogel, der von allen missverstand oder überhaupt nicht verstanden wird. netter part, ohne den hauptakteuren die show zu stehlen.
kate & leopold ist ein film zum immer wiedersehen. süss, charmant, schnulzig, lustig.Mehr anzeigen


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