High Crimes USA 2001

Filmkritik

High Crimes

Filmkritik: Christian Flückiger

Eine Frau kennt ihren eigenen Mann nicht mehr wieder. Eine Verhaftung bringt nicht nur seinen wirklichen Namen, sondern auch eine mörderische Vergangenheit ins Spiel. High Crimes ist ein ausgezeichnet besetztes Verwirrspiel um Vertrauen und Identität. Und ein Krimi, der so viele Finten legt, dass er sich selbst an der Nase herumführt.

Jim Caviezel als anscheinend zu unrecht des Mordes beschuldigter Ex-Marine-Soldat, Ashley Judd als dessen Frau und erfolgreiche Anwältin und Morgan Freeman als gewiefter Militärrechtler, der mit allen Wassern gewaschen ist – vor allem mit gebrannten: Die Besetzung von "High Crimes" ist solide, mit Freeman als motorradfahrendem Säufer auf Entzug sogar ein wenig erfrischend. Der Plot hat ähnliche Ambitionen. Auch wenn Experimente weitgehend vermieden werden.

Claire (Ashley Judd) und Tom Kubik (Jim Caviezel) verkörpern, was sich Hollywood-Drehbuchautoren derzeit unter einem erfüllten, glücklichen Leben vorstellen: Ein Paar, das seit Jahren glücklich verheiratet ist und etwas abseits der lärmigen Stadt ein geräumiges Haus mit viel Umschwung bewohnt. Zwei unbeschwert Liebende, für die Selbstverwirklichung oder eine lohnende Karriere selbstverständlich sind. Für das perfekte Glück fehlt nur noch ein Kind. Aber auch das ist bereits in Planung. Und nichts spricht gegen eine erfolgreiche Realisierung – bis Tom eines Tages in einer spektakulären Aktion auf offener Strasse verhaftet und aufgrund von Fingerabdrücken als ein Anderer identifiziert wird.

Plötzlich ist Claire nicht mehr mit Tom Kubik, sondern mit Ron Chapman verheiratet, einem Ex-Marine, dem die Ermordung von neun Zivilisten während seiner Aktivzeit zur Last gelegt wird. Erst kann es Claire nicht glauben. Als Tom ihr aber seine wahre Identität bestätigt, muss sie. Entgegen der Anklage behauptet Tom allerdings, niemals Zivilisten getötet zu haben, sondern das Opfer einer grossangelegten Verschwörungsaktion hochrangiger Militärs zu sein. Und nachdem Claire zusammen mit dem erfahrenen Militärrechtler Charles Grimes (Morgan Freeman) einige Nachforschungen anstellt, finden sich auch Indizien, die Rons Theorie untermauern.

"High Crimes" wartet mit einer ganzen Armada von Einfällen auf, um die Spur der Wahrheit zu verwischen. So unterzieht sich Ron zum Beispiel als Vertrauensbeweis einem Test im Lügendetektor – und danach stellt sich heraus, dass er in seiner Ausbildung zum Marine darin geschult wurde, das Gerät zu täuschen. Zudem wird Claire neben Grimes ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt, bei dem nicht klar ist, auf wessen Seite er wirklich steht. Und Claires attraktiv-naive Schwester Jackie (Amanda Peet) bringt zusätzliche Unruhe aufs Parkett.

Einige dieser Finten sind gelungen, andere riechen bereits von Weitem aufgesetzt. Leider verstrickt sich im Wirrwarr dieser Fährten sogar die Wahrheit in Ungereimtheiten. Darunter leidet nicht nur Rons Glaubwürdigkeit, sondern ungewollt auch die des Films. Während die Schauspieler ihr Versprechen auf eine gute Performance einlösen, bleibt die Erzählung somit hinter ihren Ambitionen zurück - und einige Erklärungen schuldig.

19.07.2011

3

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Kommentare

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movie world filip

vor 8 Jahren

wiedermal mit freeman, immer unterhaltsam


Gelöschter Nutzer

vor 17 Jahren

Ich habe mich riesig darauf gefreut, Ashley Judd und Morgan Freeman wieder zusammen auf der Leinwand zu sehen. Ein spannender Thriller mit Intrigen... obwohl es nicht an ihren ersten gemeinsamen Film "Kiss the girls" reicht.


Tomkohler

vor 17 Jahren

Nicht schlecht dank den Schauspielern


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