Collateral Damage USA 2001

Filmkritik

Mac Gyver meets Mike Tyson

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

Die Propagierung von Selbstjustiz als angemessenes Mittel gegen Terrorismus hat "Collateral Damage" dank der aktuellen Weltlage mehr Publizität beschert, als dem Streifen gebührt. In einem faden Rächerfilm stapft Arnold Schwarzenegger durch den kolumbianischen Dschungel und erledigt Terroristen mit Klauen, Zähnen und selbst gebastelten Sprengsätzen.

Arnold Schwarzenegger machte sich Sorgen. Seine Actionfilme könnten als gewaltfördernd missverstanden werden. Arnold zog Konsequenzen. Er weigerte sich, auf den Filmplakaten für "The Sixth Day" mit einer Waffe in der Hand zu posieren. In "Collateral Damage" geht er noch weiter, und nimmt den ganzen Film lang kein Schiesseisen in die Hand. Ist die Welt da noch sicher? Zweifellos, denn Arnold lässt einfach die Muskelkraft sprechen.

Der 11. September machte dann den pazifistischen Absichten des Österreichers doch noch einen Strich durch die Rechnung. Dem Kinopublikum in "Collateral Damage" einen terroristischen Anschlag auf amerikanischem Boden mit zahlreichen zivilen Opfern vorzusetzen, schien den Studiobossen Anfang Oktober noch zu heikel. Der Starttermin wurde verschoben. Fünf Monate sind vergangen, jetzt scheint die Zeit reif, den Terroristen ein paar ordentliche Watschn zu verpassen.

Gordy Brewer (Schwarzenegger), Feuerwehrmann ohne Furcht und Tadel, muss zusehen, wie Frau und Sohn bei einem Bombenanschlag ihr Leben lassen. Der Täter: Ein kolumbianischer Guerillero namens "Der Wolf" (Cliff Curtis). Der Sprengsatz sollte kolumbianische Politiker und CIA-Agenten erledigen, die in Südamerika Krieg gegen die Rebellen führen. Obwohl der Wolf in Regierungskreisen kein Unbekannter ist, lassen die USA keine Flugzeugträger auffahren. CIA Agent Brandt (Elias Koteas), der den Anschlag überlebt hat, nimmt daraufhin das Heft selbst in die Hand. Er geht zurück nach Kolumbien, um den Terror in Eigenregie auszurotten. Das ist böse, denn Brandt handelt aus Rachsucht und Eigennutz. Gordy Brewer geht ebenfalls nach Kolumbien, um den Terror in Eigenregie auszurotten. Das ist gerecht, denn Brewer handelt aus Rachsucht und Familiensinn.

Die steyrische Eiche spaziert durch den Regenwald bis ins Terroristencamp. Auf dem Weg müssen aber doch noch ein paar Gebäude explodieren. Weil er den Granatwerfer zuhause liegen gelassen hat, bastelt Schwarzenegger in bester Mac Gyver-Manier aus herumliegenden Gegenständen wie Glühbirnen, Gummibändchen und Handgranaten lustige Zeitbomben. Im Nahkampf ist der Feuerwehrmann ebenfalls nicht zimperlich. Er setzt auf seine Manneskraft und beisst sich durch. Dabei kann schon mal ein Schurkenohr zwischen seine Zähne geraten und in hohem Bogen ausgespuckt werden. Brutal. Als Weiberwaffen haben wir beissen und kratzen in der Primarschule geächtet, doch Schwarzenegger reiht sich immerhin in eine Tradition prominenter Ohrenverstümmler wie John Goodman ("The Big Lebowsky"), Michael Madsen ("Reservoir Dogs") oder Mike Tyson (Boxring) ein.

Trotz solcher Fleischbeilagen verdient sich der Actioneintopf nicht viele Gault Millaut Punkte. Das Thema Terrorismus dient lediglich als Vorwand für einen lauen Rächerfilm, dem sowohl der Pepp als auch die unfreiwillige Komik eines Terminatorstreifens fehlt. Fazit: Arnold wird auch nicht jünger. Politische Korrektheit hin oder her – als er statt des steyrischen Akzents noch die Waffen sprechen liess, gefiel er besser. Bleibt einzig zu hoffen, dass sich Schwarzenegger mit der Millionengage genug Zahnpasta kauft. Damit er auch morgen noch kraftvoll zubeissen kann.

15.04.2011

2

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Kommentare

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movie world filip

vor 9 Jahren

der versuch nach eine bessere story, aber leider wie so viele filmen


martingut

vor 15 Jahren

Diesen Film habe ich schon mal gesehen. Ist das der, indem ein verkleideter Polizist(Terrorist) etwas hochsprängt und mies lacht. Und er weiss das sein Sohn drin ist. Am Schluss fährt er Motorrad! Ist das der Film?

MfG

Martin Gut


martingut

vor 15 Jahren

Ich habe sehr gute Bewertungen gesehen. Ich finde man sollte Politik nicht mit Filme unter einen Hut bringen. Obwohl ich ihn ein guten Politiker finde!

Jedenfalls werde ich mich heute schön in den Lehstuhl fallen und mir genüsslich den Film anschauen.

Guten Abend und freundliche Grüsse


Martin GutMehr anzeigen


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