CH.FILM

Drei Sterne Österreich, Deutschland, Italien, Schweiz 2001 – 109min.

Filmkritik

Kühle Meisterköchin

Filmkritik: Corinne Ammann

Sandra Nettelbeck erzählt auf wunderbar Art und Weise die Geschichte der spröden und scheuen Starköchin Martha, deren geregeltes Leben von ihrer Nichte Lina und dem neuen italienischen Koch arg durcheinandergewirbelt wird. Eine bezaubernde und unbefangen romantische deutsche Liebeskomödie von der Jungregisseurin aus Hamburg.

Marthas Spezialität ist Kochen - diese Kunst hat sie perfektioniert. Doch im Gegensatz zu anderen kulinarisch orientierten Filmen ist sie nicht der sinnliche Muttertyp, die Freunde und Familie an üppigen Tafeln versammelt. Martha (Martina Gedeck) ist eine alleinstehende und spröde Frau Mitte dreissig und arbeitet als Chefköchin in einem Gourmet-Restaurant in Hamburg. Ihr Privatleben besteht aus gelegentlichen Telefonanrufen oder Besuchen ihrer Schwester und deren 8-jährigen Tochter Lina (Maxine Foerste). Dies ändert sich radikal nach dem unerwarteten Unfalltod ihrer Schwester. Als einzige nahe Familienangehörige sieht sie sich veranlasst, die verwaiste Lina bei sich aufzunehmen. Das trauernde Mädchen ist nicht weniger verstockt als Martha selbst und ihr Zusammenleben lässt sich alles andere als einfach an. Martha weiss weder ein noch aus und dazu macht ihr der neue italienische Koch das Leben bei der Arbeit schwer. Doch Mario (Sergio Castellitto) schafft es letztlich, Bewegung in die Beziehung zwischen Lina und Martha zu bringen. Und es dauert nicht lange, bis sich Martha eingestehen muss, dass sie den charmanten Italiano sehr mag. Doch dann taucht Linas verschollener Vater auf und nimmt seine Tochter mit nach Italien...

Die Weltpremière von "3 Sterne" oder "Mostly Martha" fand im August auf der Piazza Grande in Locarno statt. Das Publikum liebte den Film und auch die Verteiler scheinen nicht uninteressiert. Für Grossbritannien und sogar für die USA (Paramount Classics) konnten die Filmrechte verkauft werden. Nur in Deutschland selbst scheint sich der Erfolg etwas zu verzögern. "3 Sterne" ist Sandra Nettelbecks erster Film für die grosse Leinwand. Sie zeichnet auch als Verfasserin des Drehbuchs und erweist sich als vielversprechendes Regietalent. Ihre gradlinige und effiziente Art eine Geschichte zu erzählen zeigt sich schon ganz am Anfang, wenn sie ihre Hauptperson einführt: Marthas ungelenker Versuch mit dem neuen Nachbarn Kontakt zu knüpfen sagt mehr als tausend Worte. Martina Gedeck und Maxine Foerste brillieren in den weiblichen Hauptrollen. Sergio Castellitto hat einen schwierigeren Part, da seine Rolle so voraussehbar und leicht clichiert ist. Dazu kommt, dass er mit einer etwas gar sonoren deutschen Synchronstimme mit italienischem Akzent versehen ist. Doch bis auf die Autoszene zum Ende des Filmes, meistert er seine Aufgabe angemessen.

Man könnte dem Film vorwerfen, eine etwas voraussehbare Liebesgeschichte zu erzählen, die von der schön beobachteten Beziehung zwischen Martha und Lina lebt. Gegen Ende rückt die Liebesgeschichte mehr in den Vordergrund und der Schluss ist so zuckersüss, dass man fast den Verdacht hat, dass er etwas ironisch ist. Doch wenn ein Film so gut gemacht und schön erzählt ist wie "3 Sterne", kann man auch ein dreifach verzuckertes Happy End hinnehmen.



19.02.2021

4

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Kommentare

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patchwork

vor 21 Jahren

sehr amüsant


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