A.I. - Künstliche Intelligenz USA 2001 – 146min.

A.I. - Künstliche Intelligenz

Filmkritik

Science-Fiction im Paarlauf

Filmkritik: Marc Mair-Noack

Es sollte nach "2001: A Space Odyssey" der nächste grosse Science-Fiction-Film von Stanley Kubrick werden. Doch als der Regisseur 1999 starb, schien sein langjährige Projekt "A.I." in den Archiven zu verschwinden. Kollege Steven Spielberg realisierte nun die Geschichte um einen ausgestossenen Androiden-Jungen, der echte Gefühle besitzt. Doch neben einigen Hoffnungen an dieses Duett der Meisterregisseure bestätigten sich bei "A.I." leider auch einige Befürchtungen.

Die Story, die Kubrick und Spielberg so lange beschäftigte, erzählt von der Odyssee des kleinen Roboterjungen David (Haley Joel Osment), der in ferner Zukunft vom Ehepaar Swinton adoptiert wird. David ist der Prototyp der neuartigen Androiden, die erstmals Liebe empfinden können. Kurz nachdem David auf die Liebe zu seiner neuen Mutter programmiert wurde, kommt es jedoch zu Reibereien mit seinem menschlichen Bruder Martin. David scheint ein Kind zuviel in der Familie zu sein - noch dazu ein künstliches. Mit Davids Verbannung beginnt ein Streifzug durch das verrucht-dekadente "Rouge City", wo der Junge die Bekanntschaft des Gigolo-Androiden Joe (Jude Law) macht. Zusammen suchen sie nach einer Möglichkeit, David den Makel seiner Künstlichkeit zu nehmen und ihn zu einem richtigen Jungen zu machen.

20 Jahre lang trug Kubrick das Drehbuch zu dieser modernen Pinocchio-Variante mit sich herum, doch für die benötigten Spezialeffekte schien ihm die Computertechnik der 80er Jahre nicht weit genug. Erst nach Spielbergs "Jurassic Park" (1993) war offensichtlich für ihn die Zeit reif. Nach "Eyes Wide Shut" (1999) wollte er zusammen mit Steven Spielberg den Film realisieren, doch Kubricks Tod stoppte das Projekt. Dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Starregisseuren dennoch möglich wurde, ist Spielberg zu verdanken, der nach den Entwürfen von Kubrick nun ein eigenes Drehbuch zu "A.I." schrieb - sein erstes Drehbuch seit "Poltergeist" von 1982.

Das Ergebnis dieses ungewöhnlichen Duetts hinterlässt jedoch zwiespältige Gefühle. Zu unterschiedlich sind die Stile der beiden Regisseure, als dass man bei "A.I." einen in sich geschlossenen, einheitlichen Film erwarten dürfte. Dabei beginnt alles fulminant: Davids Aufnahme in die Swinton-Familie und die zunehmenden Konflikte mit seinem eifersüchtigen Bruder, die schliesslich zur Verbannung Davids führen, bilden ein ebenso ruhiges wie packendes Drama, schön gefilmt und vor allem von Haley Joel Osments ("The Sixth Sense") erstaunlicher Ausdrucksfähigkeit getragen. Die folgende Odyssee mit Jude Law ("The Talented Mr. Ripley", "Enemy at the Gates") als Gigolo Joe wirkt dagegen dramaturgisch etwas orientierungsloser. Ausserdem macht sich hier, bei aller düsteren Atmosphäre, Spielbergs Hang zur kindlichen Sentimentalität bemerkbar - wenn er sich bei "A.I." im Vergleich zu "E.T." auch zurückhält.

Visuell ist der Film ein Genuss. Das weiche Licht im Swinton-Haus und die harten Kontraste auf Davids Odyssee durch "Rouge City" sowie die eindrucksvolle Kameraführung zeigen, dass Spielberg, ähnlich wie Kubrick, ein besonderes Augenmerk auf die visuelle Ausdruckskraft legt. Wer genau hinsieht, kann übrigens diverse Hinweise auf einige Kubrick-Klassiker wie "2001: A Space Odyssey" oder "A Clockwork Orange" entdecken.

Als Fazit bleibt, dass der Film für Kenner beider Regisseure aussergewöhnlich ist. Für einen Kubrick-Film ist "A.I." deutlich zu emotional, für Spielberg ungewöhnlich düster. Doch es ist wohl gerade diese Mischung, die den Film trotz seiner Schwächen am Ende aus der Menge der Hollywood-Produktionen 2001 herausragen lässt.

15.04.2011

4

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Kommentare

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dulik

"A.I." kommt mit tollen, düsteren Bildern daher und erzählt eine spannende Geschichte, die sich dank den vielen Wendungen trotz den knapp 2,5 Stunden nicht zu lang anfühlt. Der Cast wurde gut ausgewählt und überzeugt in voller Linie. Die Machart ist für die damaligen Verhältnisse sehr hochwertig und es stecken sehr viele interessante Überlegungen und Ideen in der Gestaltung der Zukunftswelt. Die etwas gar befremdliche Atmosphäre wirkt aber leider ein bisschen wie eine Blockade für die vielen emotionalen Gefühle, die der Film vermitteln will.
8/10

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