Titan A.E. USA 2000 – 94min.

Filmkritik

Sternenkriege vom Reissbrett

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

Das Leben im Jahr 3028 ist kein Kinderspiel: Aliens haben die Erde pulverisiert und die Menschen zu Vagabunden im Weltraum gemacht. Die einzige Hoffnung liegt in einem Riesenraumschiff namens "Titan". 20th Century Fox kreiert mit animierter Science Fiction neue Welten.

Seit Jahren versuchen verschiedenste Filmstudios, im Bereich des Zeichentrickfilms eine Konkurrenz zu Disney aufzubauen. Bisher konnte aber niemand dem Animationsgiganten längerfristig die Publikumsgunst abgraben. 20th Century Fox nimmt einen neuen Anlauf und nennt Titan A.E. bescheiden "the next generation in filmed animation". Diese neue Generation lebt vor allem von der Kombination dreidimensionaler Computeranimationen mit herkömmlichem Zeichentrickfilm. Üppige Raumschlachten und ein Bestiarium ausserirdischer Rassen verkürzen zudem angenehm die Wartezeit auf die nächste Star Wars Episode.

Das Jahr 3028 steht für die Menschheit unter einem schlechten Stern. Ohne Vorwarnung fällt die streitsüchtige Rasse der Drej über den blauen Planeten her, um die Menschheit zu vernichten. Deren Kreativität und geistiges Potential sehen die Drej als Bedrohung für ihre eigene Macht. Die Aliens fackeln nicht lange und sprengen die Erde in handliche Stücke. Die Menschen fliehen panikerfüllt in Raumschiffen, doch nur wenige können entkommen. Zu ihnen zählt der Offizier Tucker, der in einem geheimen Projekt das Riesenraumschiff Titan erschuf. Um dieses in Sicherheit zu bringen, muss er aber seinen fünfjährigen Sohn Cale zurücklassen.

Fünfzehn Jahre später sieht Cales Leben trostlos aus. Er verwertet Raumschrott, und als solchen behandeln die ausserirdischen Rassen auch die Menschen. Diese sind heimatlose Nomaden geworden und gelten als Wesen zweiter Klasse. Cale fügt sich in sein Schicksal, hegt aber einen tiefen Groll gegen seinen Vater, von dem er sich im Stich gelassen fühlt. Doch Tucker hat seinem Sohn ein Geschenk hinterlassen, dessen Bedeutung Cale nicht erkennt: Der goldene Ring an seinem Finger enthält eine Sternenkarte mit der Lage der versteckten Titan. Korso, ein alter Kampfgefährte Tuckers, will Cale zur Suche nach dem Schiff bewegen, doch dessen Motivation für diese Mission vermag erst Korso’s hübsche Copilotin Akima zu wecken.

Mit Titan A.E. versuchten die Regisseure Don Bluth und Gary Goldman ein Space-Epos im Stil von Star Wars zu schaffen und bedienten sich auch ziemlich unverhüllt bei ihren Vorbildern. Cale erinnert stark an den vaterlosen, zweiflerischen Luke Skywalker, der zu Höherem berufen ist, und die Raumschlachten gegen die wendigen Drej-Jäger kommen den bekannten Scharmützeln mit den Schergen des Imperiums verdächtig nahe. Durch wohlgezielte Energiestrahlen aus dem Zentrum ihrer Mutterschiffe legten 1996 die Aliens aus Independence Day Grossstädte in Schutt und Asche. Die hochgerüsteten Drej erledigen mit derselben Methode gleich ganze Planeten. Brennende Raumschiffe, die im All zerschellen, lieferte Starship Troopers bereits in bester Qualität und auch die Alienkönigin der Drej kann gewisse Ähnlichkeiten mit ihrer Amtskollegin aus Alien IV nicht wegdiskutieren. All diese mehr oder minder direkten Zitate schaden dem Streifen allerdings kaum: Schliesslich sind es diese Szenen, die ein Science Fiction Fan immer wieder gerne sieht, und gut geklaut ist bekanntlich besser als schlecht erfunden.

Die Kombination von computergenerierten Objekten, gezeichneten Figuren und Hintergründen im Airbrush-Stil funktioniert erstaunlich gut und führt den Animationsfilm in eine ungewohnte Ästhetik. Die Charaktere, speziell Copilotin Akima, orientieren sich mehr an japanischen Mangas als an Disney, und Gott sei Dank beginnt niemand zu singen. Allerdings macht die actionreiche und teilweise auch rabiate Gangart Titan A.E. nicht zum idealen Familienfilm mit Kind und Kegel. Für Liebhaber anspruchsvoller Kost dagegen dürfte die Geschichte allzu leicht verdaulich wirken. Das offizielle Zielpublikum sind denn auch "junge männliche Erwachsene" - ansonsten bietet der Streifen kurzweiliges Futter für Star Wars-Junkies, Mangaliebhaber und Raumschiff-Fetischisten.

19.02.2021

3

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Kommentare

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amanito

vor 20 Jahren

amazing pictures


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