Rules Of Engagement - Die Regeln des Krieges USA 2000 – 128min.

Filmkritik

Ein Propagandafilm made in USA

Filmkritik: Natalie Rüfenacht

Was erlaubt sich bloss die ignorante Öffentlichkeit, einen Offizier der US-Army zu kritisieren! So ungefähr könnte man die kaum verhüllte Botschaft von "Rules of Engagement" zusammenfassen. Es ist ein Rätsel, was hochkarätige Schauspieler wie Samuel L. Jackson und Tommy Lee Jones dazu bewogen hat, in diesem moralisch mehr als fragwürdigen Armee-Justiz-Thriller mitzumachen.

Haben Sie gewusst, dass ein bewaffneter Zivilist gemäss US-Gesetz kein Zivilist mehr ist und ergo von den Soldaten getrost abgeknallt werden darf? Diese kleine juristische Floskel aus den "Rules of Engagement", den Regeln des Gefechtes, wird dem hochdekorierten Offizier und Vietnam-Veteranen Terry Childers (Samuel L. Jackson, "Shaft, "Pulp Fiction") zum Verhängnis. Denn er hat während der Evakuierung einer US-Botschaft im Jemen seinen Männern befohlen, auf wütende Demonstranten zu schiessen. 83 Menschen starben im Kugelhagel. Über hundert wurden verletzt. Die Welt ist erschüttert, und die amerikanische Regierung hat nicht vor, den Kopf für das Massaker hinzuhalten. Childers kommt vors Militärgericht. Sein alter Kriegskumpel Hayes Hodges (Tommy Lee Jones, "Volcano", "Space Cowboys"), der sich als mittelmässiger Militäranwalt durchschlägt, soll beweisen, dass die Demonstranten scharf geschossen haben und dass Childers demnach rechtmässig gehandelt hat.

Wer jetzt erwartet, dass diese Ausgangslage zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Heiligtum Militär führt, wird enttäuscht. Die Idee zur Story stammt nämlich von James Webb, Vietnam-Veteran und Ex-Staatssekretär für Navy-Angelegenheiten unter Ronald Reagan. Der Soldat aus Überzeugung vertreibt sich seine alten Tage mit dem Schreiben von Kolumnen, in denen er über die Bürokratie und über Clintons Politik herzieht. Besonders sauer stösst ihm in letzter Zeit die Respektlosigkeit auf, mit der die Öffentlichkeit von der Armee spricht - man erinnere sich bloss an den ärgerlichen kleinen Zwischenfall, bei dem ein Flugzeug mit muslimischen Pilgern an Bord abgeschossen wurde, oder an den US-Piloten, der in Norditalien 16 Menschen umbrachte, indem er das Kabel einer Seilbahn kappte.

Mit dem Regisseur William Friedkin, der seit "The French Connection" und "The Exorcist" in den frühen Siebzigern wenig Erfolg verzeichnen konnte, hat Webb das ideale Sprachrohr gefunden, um seine Botschaft von der Unantastbarkeit des aufrechten amerikanischen Soldaten zu verkünden. So poetisch und malerisch hat Filmblut schon lange nicht mehr gespritzt. Doch technische Perfektion vermag nicht über die moralisch mehr als fragwürdige Aussage von "Rules of Engagement" hinweg zu täuschen. Hier wird der amerikanische Marinesoldat plakativ als Idealmensch dargestellt. Sein Blut ist heilig und sein Handeln darf nicht hinterfragt werden - schon gar nicht von einer Horde korrupter, aalglatter Bürokraten, pickelgesichtiger Pazifisten und skandalgeiler Medienleute, kurz: von Menschen, deren Charakter nie im Gefecht gestählt worden ist.

Gottseidank wird diese Propaganda durch schwerwiegende Mängel in der Dramaturgie und in der Logik des Films definitiv entlarvt. Da wird zum Beispiel ein kleines Mädchen gezeigt, dem im Massaker ein Bein weggeschossen wurde. Erst humpelt die schätzungsweise 6-Jährige durch ein ärmliches Spital voller verwundeter Kinder und gewinnt so die Sympathie des Publikums. Dann taucht sie als schiesswütiges kleines Monster in Childers Alpträumen wieder auf. "Recht hatte er, besser man erwischt sie, bevor sie richtig zielen können!", sollen die Zuschauer an dieser Stelle wohl denken.

Es zeugt hoffentlich nicht von naivem Optimismus, wenn man dem Publikum genug Menschlichkeit zutraut, um das Handeln dieses Colonel Childers - Regeln hin oder her - zu verurteilen. Wie es möglich ist, dass so hochkarätige und überzeugende Darsteller wie Jackson, Jones und Ben Kingsley ("Gandhi", "Schindler's List") für diesen moralisch äusserst fragwürdigen Film gewonnen werden konnten, entzieht sich jedoch dem gesunden Menschenverstand.

17.03.2011

2

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Kommentare

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phantombatman

vor 10 Jahren

Kino ist Unterhaltung, Sex, Crime, und manchmal Drogen. Ausser man sieht sich einen Märchenfilm von Disney an.
Es ist für mich unerklärlich wie eine dermassen unprofessionelle Filmkritik wie die Obenstehende den Weg auf diese Seite gefunden hat. Dieser Film versteckt keine seiner Botschaften, er ist klar in der Dramaturgie, und er ist klar ein US amerikanischer Action Streifen. Wer sich den Trailer anschaut, und das Filmplakat kann sich ein gutes Bild über die Art des Filmes machen. Die Produzenten dieses Filmes hatten nicht die Absicht einen Lehrfilm für Humanität, oder Politik herzustellen, das sollte jedem mittelmässigen Filmkritiker schon vor der Sichtung des Filmes klar sein.
Trotzdem einen auf entsetzt zu machen, und die wirklich guten Hauptdarsteller nur zu kritisieren weil sie halt mal unsympathische Rollen haben ist schlicht ignorant, und vielleicht auch ein bisschen dumm? Es sind Schauspieler, liebe Frau Rüfenacht, die machen das für Geld! Ich verlange von einer Filmkritik dass sie ausgewogen die Vorteile und Nachteile aufzeigt, und nicht einfach eine Pauschalverurteilung weil ein Militärfilm Brutalität zeigt. Ich finde den Film unterhaltsam, er regt zum Denken an, und das ist mehr als man von der Story verlangen kann.Mehr anzeigen


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