Hamlet USA 2000 – 111min.

Filmkritik

Prinz, Generation X

Filmkritik: Susanne Rohrer

Denmark Corporation ist eine grosse Medienfirma. Ihr Präsident ist gerade gestorben, sein Bruder übernimmt den Job und zugleich die trauernde Witwe. Ihr Sohn zermartert sich in seinem Schmerz und weist das Mädchen ab, das er liebt. Als sie sich deswegen umbringt, rächt sich ihr Bruder. Eine ziemlich überzogene Geschichte, wenn sie nicht von einem gewissen William Shakespeare wäre.

Hamlet ist und bleibt sicher eines der grössten Stücke, die je für die Bühne geschrieben wurden, im übrigen ist es wahrscheinlich bedeutend einfacher zu verdauen als zum Beispiel Goethe’s Faust. Shakespeare geizte nicht mit Special Effects und witzigen Wortspielen, um sein Stück auch etwas unterhaltend zu machen. Neben der Bühne gibt es auch bereits Dutzende von Filmversionen. Warum also noch eine mehr? Die klassische Adaptation von Kenneth Branagh (1996) hielt sich eng an der Originalfassung, denn offenbar wollte Branagh die definitive Inszenierung für den Film machen. Kulissen und Kostüme waren klassisch, und die Rollen mit lauter grossen Namen besetzt, hinter denen Branagh selbst in der Hauptrolle in nichts nachstand. Nach ihm konnte kommen, was wollte, und Michael Almereyda hatte in seiner neuen Version also freie Hand, alles anders zu machen.

So ist der neue Hamlet (Ethan Hawke) einer, der gegen die verblendete Welt seiner Eltern (Kyle McLachlan und Diane Venora) protestiert, der sich in seiner Höhle verkriecht und nachts in der Stadt herumstreunt. Obwohl im Stück eindeutig als junger Mann zu erkennen, wird Hamlet selten von einem wirklich jungen Schauspieler verkörpert. Auch Ophelia ist passend mit einer sehr mädchenhaften Frau (Julia Stiles) besetzt. Einige zusätzliche Freiheiten hat sich Michael Almereyda noch genommen. So wird die Schädelszene weggekürzt, ebenso wie das Gespenst Hamlet den Racheschwur erlässt. Dafür wird der berühmte Monolog so gut angekündigt, dass ihn auch wirklich keiner verpassen kann.

Ein schwer zu übertreffender Meilenstein in der Verarbeitung von "Hamlet"als kontemporäre Familientragödie ist Aki Kaurismäkis "Hamlet Goes Business" (1987). Als Hauptfiguren dienten damals nordische Grossindustrielle. Mit der Idee, das Stück in der modernen Welt des Big Business in New York anzusiedeln, gibt Almereyda das Stück erstaunlicherweise nicht der Lächerlichkeit preis. Eigentlich wird so der Zorn, die Auflehnung Hamlets gegen seinen vom Ehrgeiz zerfressenen Stiefvater und seine sorglose Mutter, noch plausibler. Berührend ist auch die Verzweiflung von Hamlet und Ophelia über ihr Scheitern, und originell die Abwandlung der Theaterszene, in der Almereyda zu seinen Wurzeln im Experimentalfilm zurückkehrt. Kurz, diese Inszenierung ist mit einer hervorragenden Besetzung und einem neuen Szenario überzeugend gelungen. Ein Zückerchen für Filmfans, die der Originaltext von Shakespeare nicht abschreckt.

14.12.2012

3

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Kommentare

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godard

vor 18 Jahren

Cooler Sound zum coolen Film


mooncat

vor 18 Jahren

Branagh als Hamlet in einer Glanzrolle!


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