Chocolat Grossbritannien, USA 2000 – 110min.

Filmkritik

Chocolat

Filmkritik: Kaspar Döbeli

So süss wie der Genuss des titelgebenden Objektes ist das Märchen, welches Lasse Hallström ("The Cider House Rules", "What’s Eating Gilbert Grape") uns in "Chocolat" erzählt. Er entführt uns in ein kleines Dorf in Frankreich, in welchem dank des amtierenden Bürgermeisters (Alfred Molina) noch Recht und Ordnung herrscht... bis zum Tag der Ankunft von Vianne Rocher (Juliette Binoche), die ausgerechnet in der Fastenzeit eine Chocolaterie eröffnet und damit das ganze Dorf in Aufregung versetzt. Das Werk wurde für 5 Oscars nominiert, darunter für den besten Film.

Mit "Es war einmal..." beginnt die Offstimme, während sich die Kamera von oben einem kleinen wunderhübschen Dorf nähert. Der Film spielt um das Jahr 1960, was nicht weiter von Bedeutung ist, da in Lasquenet-sous-Tannes die Zeit stehen geblieben ist und seine Bewohner kaum je mit der Aussenwelt in Berührung kommen. In dieser abgeschiedenen Welt regiert noch Gottes Gesetz. Dafür sorgt ein herrlicher Alfred Molina, der den Bürgermeister Comte de Reynaud mimt. In diese geordneten Verhältnisse also bricht Vianne Rocher ein. Eine Frau mit indianischem Blut, voller Temperament und Lebensfreude, und zum grossen Entsetzen der Dorfbewohner Atheistin. Sie mietet den heruntergekommenen Laden der alten und verknorzten Armande (Judi Dench). Innerhalb weniger Tage verwandelt sie diese unwirtliche Lokalität mitten in der Fastenzeit in eine Chocolaterie der verführerischsten Sorte. Nur sehr zögerlich folgt die Kundschaft ihrem verlockenden Angebot. Vor allem der Comte ist äusserst entsetzt und setzt alles daran, damit sie das Dorf wieder verlässt. Doch diejenigen, welche die Schokolade testen, bereuen es nicht. Denn Vianne Rocher ist nicht nur eine begnadete Köchin, sondern kann den Leuten auch ihre (geheimen) Wünsche von den Augen ablesen. Aber der Widerstand des Bürgermeisters und seiner Gefolgschaft wächst. Mit der Ankunft von Fahrenden (unter ihnen Johnny Depp), welche vom Dorfvolk resolut abgewiesen, von Vianne aber herzlich aufgenommen werden, kommt es zum Eklat.

Was der Film uns sagen möchte, ist von Anfang an klar: Es geht um Toleranz und Lebensfreude. Tugenden, die in uns allen stecken, sofern wir sie nur zulassen! Hallström erzählt die Geschichte mit viel Charme und Witz, verschont uns jedoch nicht ganz mit billigen Anekdoten (aphrodisierende Mandeln!) und Dialogen.

Eine gewisse Irrelevanz ist dem Film nicht abzusprechen. Aber trotz der vielen Klischees und andern Aergerlichkeiten, wie dem französischen Akzent gewisser – englischsprachiger! – Akteure, kann man dem Regisseur nicht böse sein. Zu fest verführen der Ort des Geschehens und das hochkarätige Ensemble. Neben den bereits ausgezeichneten und von neuem für den Oscar nominierten Juliette Binoche und Judi Dench sei hier auch das Mitwirken von Lena Olin ("Romeo is Bleeding"), Johnny Depp, Peter Stormare ("Fargo") und Carrie-Ann Moss ("Matrix") erwähnt.

Der Film ist wie der Verzehr von Schokolade: ein freudvoller, nur kurzfristig sättigender Genuss.

05.08.2011

3

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Kommentare

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gefuehlsmensch

vor 6 Jahren

Wirklich eine tolle schauspielerische Leistung und eine überzeugende Story.


ebi75

vor 7 Jahren

das thema schokolade wunderschön umgesetzt für "das kind im manne" oder einfach um erwachsen zu werden.


oscon

vor 7 Jahren

Wunderbarer Film, der den Aufruf zur Lebensfreunde anhand des Genusses von Schokolade erzählt. Glänzende Schauspieler, ein toller Erzählstil und die Kulissen des französichen Dorfes im Niemandsland machen den Film zu einem Gesamtkunstwerk. Unbedingt anschauen (und eine Tafel seiner Lieblingsschokolade bereithalten...)Mehr anzeigen


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