Begegnung des Schicksals USA 1999

Begegnung des Schicksals

Filmkritik

Alles reiner Zufall

Filmkritik: Marc Mair-Noack

Da hat man mit Harrison Ford und Kristin Scott Thomas zwei der grossen Stars für einen Film voller Dramatik und Leidenschaft geangelt, und dann geht beinahe alles schief. Sydney Pollack erzählt die Geschichte von zwei Menschen, die zueinander finden, nachdem ihre Ehepartner bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Die Romanze wirkt zu Beginn eindrücklich, dann aber machen ihre Zufälligkeiten dem Filmtitel alle Ehre.

Dutch Van den Broeck (Harrison Ford), Polizist in Washington D.C., erlebt einen schwarzen Tag. Während einer Ermittlungsarbeit erfährt er, dass seine Frau Peyton auf dem Flug Richtung Miami abgestürzt ist. Als sei der Tod seiner Gattin nicht genug, verhärtet sich zudem der Verdacht, dass sie nicht auf Geschäftsreise, sondern auf dem Weg zu einem Wochenendurlaub mit einem unbekannten, neben ihr im Flugzeug sitzenden Mann gewesen ist.

Kay Chandler (Kristin Scott Thomas), eine im Wahlkampf stehende Kongressabgeordnete, hat dieselbe Hiobsbotschaft zu verdauen. Auch ihr Mann kam bei dem Unglück ums Leben, und auch bei ihm scheint ein Techtelmechtel - wie sich herausstellt mit Peyton - ein Rolle gespielt zu haben. Der fassungslose Dutch macht sich in Polizeimanier daran, die letzten Lebensmonate seiner Frau und ihres Liebhabers akribisch zu erforschen. Dagegen hat allerdings die Witwe des Liebhabers einiges einzuwenden, denn als Politikerin kann sie Schlagzeilen über die Affäre ihres Mannes alles andere als gebrauchen. Da die Botschaft des Films ist, dass ein gemeinsamer Schicksalsschlag zwei Menschen zueinander führen kann, ist die heftige Romanze zwischen den beiden ungleichen Personen unvermeidlich.

Irgend etwas scheint jedoch auf dem Weg von der Idee bis zum fertigen Film schief gelaufen zu sein. Dabei hat mit Regisseur Sydney Pollack ein Mann das Zepter geschwungen, der sich in seiner langen Laufbahn mit Filmen wie Out of Africa oder Tootsie unter Beweis gestellt hat. Der Anfang ist noch sehr eindrücklich: Behutsam und genau werden die Hauptcharaktere eingeführt, den Flugzeugabsturz und die Entdeckung der Affäre erleben wir aus der Sicht von Dutch auf beklemmende Weise mit, und auch die anfänglich betretene Stimmung zwischen den beiden Verwitweten ist plausibel. Pollack gelang hier eine durchaus ansprechende erste halbe Stunde. Doch leider geht „Random Hearts" noch viel länger.

Die Story um die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen den Hauptpersonen hätte wohl intensive Filmminuten hergegeben, doch um auf akzeptable Spielfilmlänge zu kommen, dehnt und streckt Pollack den Plot mit sichtlicher Mühe und zwängt zusätzlich diverse Nebenhandlungen hinein. Dutch muss natürlich - er ist schliesslich Polizist - neben den privaten Problemen auch einen Kriminalfall lösen, während sich Kay nebenbei um die Wirrungen in ihrem Wahlkampf kümmert. Beide Subplots könnten wohl auf interessante Weise mit der Haupthandlung verknüpft sein, sind es jedoch nicht und wirken daher überflüssig.

Das eigentliche Kernstück der Geschichte - die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Dutch und Kay - wirkt derweil seltsam unmotiviert. Die Schauspieler - insbesondere Kristin Scott Thomas (The English Patient) - geben sich zwar alle Mühe, doch es will einfach nicht überzeugend knistern zwischen den beiden. Als sie schliesslich wie aus heiterem Himmel leidenschaftlich übereinander herfallen, wirkt dies weniger romantisch oder gar erotisch als vielmehr unfreiwillig komisch. Doch lassen wir die Zufallsherzen in Frieden. Da der Film nicht wirklich schlecht, sondern eher belanglos ist, werden wir ihn bald vergessen und als kleinen Ausrutscher eines guten Regisseurs ad acta gelegt haben.

20.12.2011

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