Dogma USA 1999 – 130min.

Filmkritik

Das Wort zum Sonntag

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

In den letzten Monaten geizte das Kino wahrlich nicht mit religiösen Mythen, finsteren Prophezeiungen und unheiligen Erscheinungen. In der Verwirrung der mystischen Gefühle versucht Regisseur Kevin Smith mit "Dogma" Ordnung zu stiften: Er erklärt das Christentum von Grund auf neu, in der Version "Jahr 2000". Die alternative Sicht auf Gott, Engel und Dämonen könnte religiösen Dogmatikern übel aufstossen.

Wie steht es denn nun eigentlich um Himmel und Hölle, Gott und Engel im neuen Jahrtausend? Haben alte Überlieferungen und festgefahrene kirchliche Strukturen noch eine Bedeutung für moderne, aufgeklärte und rationalistische Menschen? Mögliche Antworten liefert Kevin Smith, indem er die Grundpfeiler der christlichen Religion und die als unfehlbahr erklärten Glaubenssätze der katholischen Kirche mit gnadenlosem Humor torpediert.

Durchexerziert wird der Zwiespalt zwischen Glauben und Resignation am Beispiel von Bethany Sloane (Linda Fiorentino). Diese arbeitet in einer Abtreibungsklinik und hat ihr Gottvertrauen längst verloren. Trotzdem wird sie kurzerhand auserwählt, die Welt vor dem Untergang zu retten, den die verstossenen Engel Bartleby (Ben Affleck) und Loki (Matt Damon) provozieren. Der Verbannung auf die Erde überdrüssig, versuchen die beiden durch ein Hintertürchen zurück ins Paradies zu gelangen. Wenn sie dies allerdings schafften, wäre die Fehlbarkeit Gottes bewiesen und die Existenz aller Dinge würde sich kurzerhand in Wohlgefallen auflösen.

Auf einer aberwitzigen Pilgerreise zu einer Kathedrale in New Jersey begegnet Bethany dem ganzen Bestiarium christlicher Archetypen: Engeln, Dämonen, Propheten, Aposteln, Musen und natürlich Gott. Keine der Gestalten sieht aber so aus oder verhält sich so, wie wir es von Bibelillustrationen und Kirchenfenstern oder aus dem Religionsunterricht gewohnt sind: Seraph Metatron (Alan Rickman), Engel der obersten Kaste und Sprachrohr Gottes, beklagt sich über das Alkoholverbot, das der Chef seinen Dienern auferlegt hat. Der schwarze Apostel Rufus (Chris Rock) will die Bibel neu geschrieben haben, weil er darin aus rassistischen Gründen keine Credits erhielt. Die Propheten Jay und Silent Bob (Jason Mewes, Kevin Smith) sind trottelige, sexbesessene Drogendealer, die Muse Serendipity (Salma Hayek) betätigt sich in ihren kreativen Pausen als Stripperin auf Erden, und ein teuflischer Rachedämon entsteigt der Unterwelt durch die Kloschüssel und riecht entsprechend. Gott selbst kehrt gerne mal dem Tagesgeschäft im Himmel den Rücken und vergnügt sich als Mensch getarnt bei Ballspielen auf der Erde.

Vergnügt lässt Kevin Smith seine Figuren religiöse Tabus brechen, deckt die Widersprüche in kirchlichen Grundsätzen auf und stellt einige neue Theorien darüber auf, wie es wohl in den himmlischen Gefilden wirklich zu und her geht. Als Verpackung wählte Smith eine Komödie, denn eine geballte Ladung schwarzen Humors entschärft jede Blasphemie. Die von Comics inspirierten Dekors und Gewänder steuern ihren Teil zur surrealen Atmosphäre bei. Schliesslich will Dogma trotz der religiösen Thematik unterhalten und Lacher produzieren. Teilweise wirkt die Verballhornung biblischer Themen erfrischend, manchmal erweist sie sich aber als Rohrkrepierer. Um all seinen Ideen zu einer alternativen Kirchengeschichte Gehör zu verschaffen, walzt Smith Dialoge unnötig aus, so dass sich bis zum Ende des Films ein Sättigungsgefühl einstellt.

Eines der Highlights ist Alan Rickman als genervter Chefengel Metatron. Nach Tausenden von Jahren in seinem Job regt er sich am meisten darüber auf, dass die Menschen des dritten Jahrtausends seine flammende Erscheinung mit dem Feuerlöscher bekämpfen und dabei sein schickes Kapuzenshirt beschmutzen. Auch Ben Affleck macht mit Flügeln und himmlischer Rüstung eine gute Figur. Andere Gestalten wie die Muse Serendipity erscheinen schlichtweg überflüssig, und auch Linda Fiorentino wirkt etwas fade.

Seine besten Momente hat "Dogma", wenn biblische Klischees ins Jahr 2000 übertragen werden und an abgebrühten Grosstädtern zerschellen, doch manchmal holt Regisseur Smith seine Einfälle ein wenig zu weit her. Weniger wäre hier mehr. Doch wir vergeben ihm für seine Sünden und richten ihn nicht mit dem Flammenschwert.

31.05.2012

3

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Kommentare

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movie world filip

vor 8 Jahren

schwache damon affleck unsin


sminja

vor 15 Jahren

Mein absoluter Lieblingsfilm! Schon beim Vorspann bricht man in Lachen aus.


paradiseinme

vor 18 Jahren

Also, Dogma ist wirklich ein Film den man sehen sollte, wenn man sich schon immer die Frage gestellt hat: Wie sieht Gott überhaupt aus, und gibt es Engel? Er hinterfragt fast alles, was schon immer fragen aufgeworfen hat, zwar vielleicht nicht die Wahrheit, aber könnte doch sein und mal ehrlich wem interessiert das schon wenn die Gottheit einfach ein "berühmter" Hammer ist! Es ist eigentlich der erste Film den ich kenne, der wirklich schamlos (aber gut schamlos), witzig und direkt den Katholischen Glauben hinterfragt (Warum das Kruzifix, her mit dem Kumpel Jesus!) Aber sehr gläubige Menschen können es vielleicht als Blasphemie deuten, tja, die müssen sich ihn eh nicht anschauen!Mehr anzeigen


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