Ein einfacher Plan USA 1999 – 121min.

Filmkritik

Drei Männlein im Walde

Filmkritik: Martin Glauser

So einfach ist es: Für einen guten Film braucht es einen Sack voll Geld, vier tolle Schauspieler, die Winterlandschaft von Minnesota, Gier und Verrat als Treibstoff sowie ein Drehbuch, das der schrecklichen Logik der Ereignisse ihren freien Lauf lässt. Wenn Sie für den Moment genug haben von der inflationären Lustigkeit im zeitgenössischen Thriller: hier ist einer der besten Filme aus dem Produktionsjahr 1998.

Um einen Sack voll Geld geht es tatsächlich. Drei Männer stolpern in einem verschneiten Waldgebiet über ein abgestürztes Kleinflugzeug. Drinnen finden Sie den verschiedenen Piloten und 4 Millionen Dollar in $100-Scheinen. Was tut man in einer solchen Situation? Einer der Männer, der rechtschaffene Hank (Bill Paxton), der über College-Abschluss, Arbeit und Ehefrau verfügt, will den Fund der Polizei melden. Sein etwas retardierter Bruder Jacob (Billy Bob Thornton) und dessen trinkfester Freund Lou (Brent Briscoe) sind dafür, das Geld zu behalten. Und während Hank noch gegen einen solchen kriminellen Akt argumentiert («Für den amerikanischen Traum arbeitet man, - man stielt ihn nicht.»), sieht man hinter seiner Stirn bereits den «einfachen Plan» entstehen.

Man einigt sich, das Geld vorläufig zu verstecken und im Frühling aufzuteilen, sofern bis dahin niemand danach gefahndet hat. Offensichtlich handelt es sich um Drogengeld, und deshalb dürfte die Sache auch abgesehen von der Illegalität nicht ganz unbedenklich sein. Es lässt sich leicht denken, wie schwierig mit einem Trunkenbold und einem Schwachkopf im Team die notwendige Verschwiegenheit und Vorsicht einzuhalten ist. Aber auch der gescheite Hank weiht unverzüglich seine Frau (Bridget Fonda) ein, die nach einem kurzen Moment der Opposition schnell zur Komplizin und zur treibenden Kraft wird: Der Lauf der Dinge ist komplizierter als erwartet, der «einfache Plan» wird noch einiger Anpassungen bedürfen. Eine Panne folgt der anderen, Verhängnis um Verhängnis werden die Charaktere zu immer schrecklicheren Taten angetrieben. Die dichte Schneedecke dämpft Schüsse, absorbiert Blut, verwischt Spuren. Einzelheiten dürfen hier nicht preisgegeben werden: «A Simple Plan» lebt stark von einer involvierenden Dynamik, die uns als Zuschauer in einer Art unfreiwilliger Komplizenschaft dem fatalen Sog der aufeinanderfolgenden Geschehnisse preisgibt.

Hätten Filme Eltern, so würden wir vermuten, John Hustons Treasure of the Sierra Madre habe mit der viel jüngeren Braut Fargo darniedergelegen. Die Regisseure der Letzteren standen bei der Geburt von «A Simple Plan» mindestens Pate: Joel und Ethan Coen sind gute Freunde von Regisseur Sam Raimi und haben ihn beim Ausleuchten von Minnesotas Schneelandschaft beraten. Auf der Hand liegt die Verwandtschaft mit dem Schatz der Sierra Madre, in dem John Houston den Humphrey Bogart ausser sich geraten lässt. Wie dort geht es auch in Raimis Film zentral darum, wie leicht eine bestimmte Situation den Charakter unbescholtener Menschen korrumpiert und sie zu Taten befähigt, die sie sich selbst niemals zugetraut hätten. Getragen wird die Geschichte von vier makellosen Performances. Eine davon ist für den Oscar nominiert (Billy Bob Thornton), genauso wie das hervorragende Drehbuch von Scott B. Smith, das uns jede einzelne Handlung und jeden Dialog plausibelerscheinen lässt und den Figuren genügend Raum lässt, - um sich in ihrem unvermeidlichem Schicksal zu verfangen.

07.08.2001

4

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