Die Truman Show USA 1998 – 103min.

Filmkritik

Big Brother - Small Truman

Tobias Asch
Filmkritik: Tobias Asch

Hatten Sie jemals das Gefühl, Ihr Leben sei ein gigantisches Filmprojekt? Ihre Mitmenschen seien Schauspieler? Die Welt eine Kulisse? Willkommen in der Truman Show. Lehnen Sie sich zurück. Geniessen sie die Verschmelzung von Fiktion und Realität. Sie werden lachen. Sie werden nachdenken. Sie werden eine gewisse Beklemmung verspüren. Der rechte Film zur rechten Zeit? Ja, sagen wir. Sehenswert? Auf jeden Fall, und sei es nur, um mit eigenen Augen zu sehen, dass Jim Carrey aus den Flegeljahren herausgewachsen und oscarfähig geworden ist.

Truman Burbank (Jim Carrey) ist ein scheinbar normaler Mensch, der im Städtchen Seahaven ein scheinbar normales Leben führt, umgeben von seiner Ehefrau Meryl (Laura Liney), seinem Freund Marlon (Noah Emmerich) und den übrigen stets gut gelaunten Menschen, die das Städtchen bevölkern. Was Truman nicht weiss: er lebt in einer perfekten Scheinwelt. Seahaven ist Disneyland mit Realitätsanspruch. Die Häuser, das Meer, der Horizont: allesKulisse. Die Gestirne, das Wetter, der Verkehr, die Menschen: alle gehorchen einem Drehbuch, von dessen Existenz einzig Truman - «true man», get it? - nichts ahnt.

Ohne es zu wissen, ist Truman der erfolgreichste TV-Star aller Zeiten. Seit seiner Geburt wird jeder seiner Schritte ununterbrochen von 1.7 Milliarden Fernsehzuschauern in 120 Ländern live 24 Stunden am Tag mitverfolgt. Nichts entgeht den 5000 Kameras, die in der Kunstwelt versteckt sind.

Ein Scheinwerfer fällt vom Himmel

Das gigantische Unternehmen wird von einer allmächtigen Figur namens Christof (Ed Harris) geleitet. Seit 30 Jahren produziert er die Truman Show und lenkt gewissermassen als moderner Zeus die Geschicke der Menschen in der von ihm erschaffenen Welt, auf die er aus seiner Zentrale im künstlichen Mond gelegentlich nachdenklich hinunterblickt.

Es geschieht am Morgen des 10'909. Tages der Show, dass ein Scheinwerfer aus dem Himmel fällt und direkt neben Truman auf der Strasse zerbirst. Es ist nicht das einzige Ereignis, das in Truman langsam den Verdacht aufkommen lässt, dass irgend etwas faul ist in Seahaven. Seit längerer Zeit schon trägt er sich mit dem Gedanken, das Städchen zu verlassen, doch scheint dies unmöglich zu sein. Getrieben wird er vom Gedanken an Silvia (Natascha McElhone), in die er sich (was er nicht weiss: drehbuchwidrig) verliebt hat und die kurz darauf aus Seahaven wegzog. Überlastete Verkehrsmittel und seine traumatische Angst vor dem Meer lassen alle seine Versuche, ihr nachzureisen, scheitern.

Vielschichtiger Carrey

Nach und nach kommt Truman der Falschheit seiner Umgebung auf die Schliche, indem er sie mit unvorhersehbaren Situationen übertölpelt. Bevor er jedoch aus seinem goldenen Käfig auszubrechen vermag, muss er seine tiefsten Ängste überwinden.

Regisseur Peter Weir (Dead Poets Society, Green Card) hat mit The Truman Show einen mehrheitsfähigen Film geschaffen, der sich schwer einem Genre zuordnen lässt. Er steht irgendwo zwischen Komödie, Drama und Gesellschaftskritik. Man mag ihn als Parabel für die den Selbstfindungsprozess des modernen Menschen betrachten oder als Abbild der Manipulation unseres Lebens durch die Medien und deren Vermischung von Realität und Fiktion. Der Metaphern sind viele.

Bisherige Carrey-Fans werden wohl eine gewisse Zeit benötigen, um sich an den neuen Stil ihres Idols zu gewöhnen. Tat er sich Komödien wie Dumb & Dumber (1994), Ace Ventura (1994/95) und Liar Liar (1997) als Meister der Gesichtsakrobatik und des Fäkalhumors hervor, zeigt er hier, dass er durchaus auch für ernste Rollen befähigt ist. Er überzeugt sowohl als der charmante Kerl von nebenan wie auch als verletzte, leidende, freiheitssuchende Kreatur. Ein Reifeprozess? Ein Karriereschritt zweifellos, rückt er doch damit in die hehren Sphären der potentiellen Oscar-Empfänger auf.

09.05.2012

5

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Kommentare

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dulik

vor einem Jahr

Ein aussergewöhnlicher Film, in dessen Hauptrolle wohl keiner so gut wie Jim Carrey hineingepasst hätte. Etwa eine halbe Stunde lang fragt man sich, worauf die Handlung hinaus will und weshalb viele Szenen aus relativ ungewöhnlichen Perspektiven gefilmt wurden. Doch dann wird einem zunehmend immer mehr klar, worum es bei der "Truman Show" geht und man fiebert entsprechend mit der Hauptfigur mit. Dieser Spannungsbogen wird dann gekonnt bis zum Ende hochgehalten. Auf eine Art wirkt die Geschichte etwas weit hergeholt, allerdings sind die Geschehnisse gar nicht so unwahrscheinlich wie man zuerst vermuten würde. Sendungen wie "Big Brother" sind im Grunde nichts anderes. Ein grandioser Film, der definitiv auf jede "must see list" gehört.
9/10Mehr anzeigen


Strudelwurm

vor 7 Jahren

The Maske mit Jim Carrey war eine gute Komödie, danach kam nicht`s mehr gescheites von Jim Carrey genau wie auch die Truman Story nicht wirklich gut.


movie world filip

vor 9 Jahren

die zeit wenn leute live auf fernseh hip war, auch ed-tv von ron howard... diese geschichte ist natürlich nicht so lustig, eine albtraum wo nicht rund um jim carrey's person real ist... interessante peter weir film


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