CH.FILM

Reisender Krieger Schweiz 1981 – 140min.

Reisender Krieger

Filmkritik

Schwarzschweiz-Reise

Filmkritik: Eduard Ulrich

Der Yeti des Schweizer Films kommt abgespeckt ins Programm des Zürcher Filmpodiums. Da ist der Film, der bisher eine stetige Festivalkarriere verfolgte, schon fast dort, wo ihn Regisseur Christian Schocher 1981 haben wollte: im regulären Kinoprogramm, denn der Film erzählt ungeschminkt vom Hundeleben eines Kosmetika-Vertreters und zeigt dabei eigentlich eine unangepasste Schweiz der kleinen Leute.

Schlimmes kann einem Regisseur angetan werden: Er kann ausgewechselt werden, seine Geschichte kann anders fertig erzählt werden und der Film kann gar nicht ins Kino kommen. Dass Christian Schocher nach mehr als 25 Jahren einen knapp eine Stunde kürzeren "Director's Cut" vorlegt, liegt ganz einfach daran, dass damals nicht er sondern der Zeitdruck am Schneidetisch saß.

1992 wählten die Leser der Sonntagszeitung den "reisenden Krieger" auf Platz 2, 2001 nur noch auf Platz 13. Das kann unmöglich daran liegen, dass 11 bessere Filme gedreht wurden, dachte sich Schocher und machte sich flugs daran, seinen Dino von 195 Min auf sozialverträgliche 140 Min zu stutzen. Wie bei einem faulen Apfel, der zulang gelagert wurde, schnitt er also die Problemstellen heraus und präsentiert uns die geliftete Fassung, auf dass sie erneut die Gunst des Publikums finde und bei der nächsten Umfrage wieder mindestens Platz 2 erreiche.

Da darf man sich aber nicht große Hoffnungen machen, denn unsere Museen sind voll von Meisterleistungen, die heute niemand mehr sehen oder hören will - geschweige denn, dass noch jemand die Bildung mitbringt, um sie zu verstehen. Ein Blick auf die Hitparade genügt - oder hat man dort jemals Bachs "Kunst der Fuge" in den vorderen Rängen geortet? Alt bedeutet in der Kunst nicht unbedingt veraltet, aber keine Kunstform altert so schnell wie der Film. Wenigstens kann dieses Urgestein den Bonus der Kuriosität beanspruchen, denn eine eigentliche Geschichte wird nicht erzählt.

Der dramaturgische Bogen ist nicht stark gespannt, viele Pfeile hat die Regie nicht im Köcher. Dass die Verkaufstour mehr Vorwand als Einfall ist, merkt man schnell: Vom Verkaufen hat weder der Hauptdarsteller noch der Regisseur eine Ahnung. Das hat allerdings den positiven Nebeneffekt, dass sich die Gespräche mit den potentiellen Kundeninnen selten ums Geschäftliche, dafür oft ums Sexuelle drehen. So einen Film sieht man nicht oft und eigentlich auch nicht ein zweites Mal, denn was da in kaltem Schwarzweiß eingefangen wurde, sind beinah dokumentarische Szenen einer vergangenen Schweiz, deren Gehalt sich wegen ihrer geringen Dichte sofort erschließt.

13.10.2014

3

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