Salo oder die 120 Tage Von Sodom Frankreich, Italien 1975 – 115min.

Pressetext

Salo oder die 120 Tage Von Sodom

Zwischen der lüpfigen Vorspannmusik und zwei Tango tanzenden jungen Männern im erlösenden Finale bricht in Pasolinis letztem und bekanntestem Film ein Abgrund menschlicher Niederträchtigkeit, Dekadenz und Machtwillkür auf. Pasolini verpflanzt die schonungsloseSex- und Gewaltfantasie aus Marquis de Sades Episodenroman «Die 120 Tage von Sodom» in die Republik Salò, die Benito Mussolini 1943 in Norditalien gegründet hatte. Im faschistischen Italien unterzeichnen die vier Hauptfiguren, ein Herzog, ein Präsident, ein Kardinal und ein Bischof als Vertreter der gesellschaftlichen Elite, feierlicheinen Vertrag: Sie wollen sich hinter verschlossenen Türen nach ihren Wünschen und frei von allen moralischen Regeln an neun jungen Frauen und Männern vergehen. Enttäuscht von den gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit, sieht Pier Paolo Pasolini seinen letzten Film nicht nur als Veranschaulichung von menschlicher Gewalt,wie sie jederzeit in Ausnahmesituationen möglich ist, sondern auch als Analogie auf eine immer stärker durch das Diktat des Konsums unterworfenen Gesellschaft, welche den menschlichen Körper auf eine Ware reduziert. Das verstörende Werk trifft einen noch heute in den tiefsten Empfindungen und führt einem den unersetzlichen Wert vonMenschlichkeit und moralischen Grundsätzen vor Augen. Erträglich machten den Film einzig die distanzierende Kühle und Strenge seiner Inszenierung und die Schönheit der meisterhaft komponierten Bilder. Ein radikaler, trostloser, erschütternder Film, «den man gesehen haben muss, den man aber kein zweites Mal sehen möchte»

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Harleyquinn

vor 8 Jahren

Wohl die eine Grenze des Film. Während dem Schauen weiss man nicht, ob man fasziniert dran bleiben soll oder angewidert ins Bad muss...


movie world filip

vor 9 Jahren

verrückteste film je gesehen, manchmal denk ich ganz gut, manchmal denke ich sehr schlecht


Klaus1108

vor 14 Jahren

Mein Kommentar bezieht sich auf die soeben erschienene DVD-Ausgabe von "Die 120 Tage von Sodom". Dieser - von seiner Machart her gesehen - sehr gute Film, mehrmals Opfer von Zensur und Verbot, ist beeindruckend und erschreckend zugleich. Die menschenverachtenden Mechanismen einer Diktatur am Ende des Zweiten Weltkriegs werden drastisch vor Augen geführt, ebenso der systematische sexuelle Missbrauch von Unschuldigen. Wahrscheinlich aber ist die heutige Kriegswirklichkeit, gerade im Irak, leider noch schlimmer als das hier Gezeigte. Pasolini wollte mit diesem, seinem letzten und sehr pessimistischen, Film wohl die Menschen aufrütteln, provozieren und zum Nachdenken anregen. Das ist ihm gelungen. Ob man sich einen solchen Film jedoch "antun" will, muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Die Altersfreigabe erst ab 18 Jahren ist hier sicher sinnvoll.Mehr anzeigen


Mehr Filmkritiken

Raya und der letzte Drache

Druk

Immer Ärger mit Grandpa

I Care a Lot