Review21. Dezember 2020

Amazon-Prime-Kritik «El Cid»: Wie Game of Thrones, nur ohne Drachen

Amazon-Prime-Kritik «El Cid»: Wie Game of Thrones, nur ohne Drachen
© Amazon Prime

Die Geschichte von «El Cid» ist in Spanien jedem Kind bekannt. Der im 11. Jahrhundert lebende Edelmann war zur Zeit der Reconquista ein Nationalheld. Einem Publikum außerhalb Spaniens wurde der Cid ein Begriff, als Charlton Heston ihn im Jahr 1961 in Anthony Manns El Cid gespielt hat. Nun gibt es eine spanische Serie, die mit den ersten fünf folgen den Anfang zeigt. Die hat der Film zwar auch behandelt, konzentrierte sich aber mehr auf den Kampf gegen die Mauren, durch den der Cid sich seinen Namen eingehandelt hat.

Rodrigo Diaz de Vivar ist ein Page und wird schließlich zum Knappen des Königssohns Sancho. Dessen Vater hat Diaz‘ Vater einst in den Tod geschickt, muss nun aber selbst ums Überleben fürchten. Denn am Hof werden Intrigen geschmiedet. Nicht alle seine Feinde sind ihm offenbar, so wie der eigene Bruder. Diaz wiederum ist in seiner Loyalität hin und her gerissen. Weil zu den Verschwörern auch sein eigener Großvater gehört, weswegen er sich die Frage stellen muss, ob er dem König von dem Komplott berichten soll oder nicht.

Als Auslöser der Serie dafür scheint vor allem Game of Thrones zu dienen.– Cineman-Filmkritiker Peter Osteried

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Anders als der Monumentalfilm aus den 1960er Jahren lässt man sich bei der Serie Zeit. Die ersten fünf Folgen decken gerade mal die ersten paar Jahre ab. Offenkundig baut man auf eine Serie, die über mehrere Staffeln hinweg das Leben des Cid nachzeichnen kann. Als Auslöser dafür scheint vor allem «Game of Thrones» zu dienen, denn auch wenn man auf die Drachen verzichten muss, kommt die Serie doch mit allem daher, was der Fantasy-Show auch zu eigen ist: Ränkeschmiede, Intrigen am Hof, Verschwörungen und nicht zuletzt ein Hauch von Inzest, den es gegeben haben mag – oder auch nicht. Er trägt aber dazu bei, die Tochter des Königs in ihrer intriganten Art noch mehr an Cersei erinnern zu lassen.

Die Schauspieler sind durch die Bank überzeugend.– Cineman-Filmkritiker Peter Osteried

Die Show ist aufwendig gestaltet, profitiert aber auch davon, dass es in Spanien noch schöne Burgen gibt, die hier eindrucksvoll in Szene gesetzt sind. Die Schauspieler sind durch die Bank überzeugend. Die Titelfigur wird von Jaime Lorente gespielt. Gerade für Fans der Netflix-Erfolgsserie «Das Haus des Geldes» mag das ein wenig schwer zu schlucken sein. Denn Lorente ist gut, aber es beschleicht doch immer das Gefühl, als würde man Denver auf einer Kostümparty sehen. Das legt sich aber zumindest nach der ersten Folge, nach der man auch voll und ganz in die Welt dieser Serie hineingezogen ist und einfach wissen will, wie es weitergeht. Immerhin ist dies gerade mal der Auftakt einer weit, weit größeren Geschichte.

4 von 5 ★

«El Cid» ist ab sofort auf Amazon Prime verfügbar.

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