Artikel9. März 2018

Ungestellt und unnachahmbar: Diese 7 Reaktionen im Film sind nicht gespielt

Ungestellt und unnachahmbar: Diese 7 Reaktionen im Film sind nicht gespielt
© Warner Brothers Switzerland

Grosse Filmklassiker leben von grossen Emotionen. Doch diese sind bei weitem nicht immer nur auf herausragende Schauspielkünste zurückzuführen. Stattdessen lassen sich Regisseure oft die ausgefallensten und fragwürdigsten Tricks einfallen, um ihren Schauspielern möglichst authentische Reaktionen entlocken zu können.

1. Drew Barrymore in «E. T. – Der Ausserirdische» (1982)

E. T. ist aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Drew Barrymores denkwürdige erste Begegnung mit dem liebenswürdigen Ausserirdischen war aber alles andere als erfreulich. © Universal Pictures Switzerland

Im zarten Alter von 7 Jahren erlangte Drew Barrymore durch Steven Spielbergs Science-Fiction-Streifen «E. T. – Der Ausserirdische» Weltberühmtheit. Dafür musste die Kleine aber zunächst eine Achterbahn der Gefühle durchleben: Um eine möglichst authentische Reaktion aus dem Kinderstar herauskitzeln zu können, zeigte Spielberg ihr die E. T.-Puppe nicht vor ihrer allerersten Szene mit dem Ausserirdischen. Die Folge: Haarsträubende Entsetzensschreie beim Anblick des langhalsigen Wesens, die eine spontane Reaktion anstelle von erzwungenem Schauspiel zeigen.

2. Tippi Hedren in «Die Vögel» (1963)

Der Dreh von «Die Vögel» war für Tippi Hedren alles andere als ungefährlich. © Universal Pictures

In einer Zeit vor CGI und überzeugend wirkender Animatronik musste Tippi Hedren im Horror-Thriller «Die Vögel» die provozierte Attacke unzähliger Vögel über sich ergehen lassen. Von ihrem bevorstehenden Unglück erfuhr die Schauspielerin allerdings erst am Drehtag der verstörenden Szene. Bis zu diesem Zeitpunkt soll Regisseur Alfred Hitchcock ihr versichert haben, mechanische Vögel für die Aufnahmen nutzen zu werden. Unmittelbar vor dem Dreh teilte ihr Regieassistent James H. Brown dann aber mit, dass die künstlichen Vögel nicht funktionieren und sie sich deshalb gezwungen sehen würden, Exemplare aus Fleisch und Blut zum Einsatz kommen zu lassen.

Daraufhin musste sie eine in ihrem Memoir als «brutal, hässlich und unbarmherzig» bezeichnete Prozedur über sich ergehen lassen, die sowohl für sie als auch für die Vögel mit immensem Stress und purem Horror verbunden war: 5 Drehtage lang wurden ihr lebende Raben, Möwen und Tauben entgegengeschleudert, die zum Teil durch elastische Bänder an ihrem Kostüm befestigt worden waren.

3. Shelley Duvall in «The Shining» (1980)

Wenn Perfektionismus an Sadismus grenzt: Shelly Duvall wurde während den Dreharbeiten von «The Shining» an den Rand eines Nervenzusammenbruchs getrieben. © Warner Brothers Switzerland

Der Horror-Klassiker «The Shining» versetzte das Publikum rund um den Globus in Entsetzen. Erstaunlicherweise tritt eine der davon wohl am meisten betroffenen Personen sogar in einer Hauptrolle des Films auf. Die Rede ist von Shelley Duvall, welcher der Horror in «The Shining» die meiste Zeit über ins Gesicht geschrieben steht. Kein Wunder, denn um sicherstellen zu können, dass sie in den Aufnahmen geschwächt und verzweifelt wirkt, soll Kult-Regisseur Stanley Kubrick sie immer wieder von der Crew isoliert haben, dieser die Anweisung gegeben haben, sie gänzlich zu ignorieren und selbst konstant mit ihr gestritten haben.

Als wäre dies nicht genug, liess er sie die Szene, in der sie sich gegen ihren verrückt gewordenen Ehemann mit einem Baseballschläger zu wehren versucht, ganze 127 (!) Mal wiederholen. Seine grenzwertigen Ansätze forderten aber ihren Tribut: Vor lauter Stress bei den Dreharbeiten, fielen der Schauspielerin büschelweise Haare aus.

4. Peter Ostrum in «Willy Wonka & the Chocolate Factory» (1971)

Schauspiel-Zauberei: Gene Wilder (links) zog in «Willy Wonka & the Chocolate Factory» einen ziemlich aussergewöhnlichen Trick aus seinem Hut. © Warner Brothers

Als Regisseur Darsteller im Vorfeld nicht über Szenen mit grossen Überraschungs- oder Schockmomenten aufzuklären, ist eine raffinierte Methode, um herzerfülltes Lachen, haarsträubende Schreie oder aber schockierte und ungekünstelte Mienen auf Film bannen zu können. Manchmal greifen aber auch Schauspieler zu diesem beliebten Trick. So Geschehen im Fall von Willy Wonkas (Gene Wilder) Wutausbruch vor Charlie (Peter Ostrum) in «Willy Wonka & the Chocolate Factory».

Ohne die leiseste Ahnung, was ihm blühen sollte, betrat Peter Ostrum in der Rolle als Charlie das Büro von Willy Wonka: In erwartete ein Wutausbruch, der ihm vor Drehbeginn nicht angekündigt worden ist und der Gene Wilder die Zornesröte ins Gesicht trieb. Ostrums erschrockener und zugleich verwirrter Blick und die darauf folgende Szene sprechen Bände.

5. Alan Rickman in «Stirb Langsam» (1988)

Dieser Gesichtsausdruck ist unbezahlbar und vor allem auch ungestellt. © 20th Century Fox

Der im Alter von 69 Jahren verstorbene Brite Alan Rickman war ein begnadeter Schauspieler und hatte ein Händchen für die glaubhafte Darstellung zahlreicher Antagonisten wie Severus Snape aus der «Harry Potter»-Filmreihe oder der eiskalte Hans Gruber aus «Stirb Langsam». In dieser Rolle erwartete ihn eine böse Überraschung mit einem äusserst zufriedenstellendem Resultat.

Für den dramatischen Tod seiner Figur erklärte er sich dazu bereit, aus einer Höhe von über 7 Metern auf ein Luftkissen fallen gelassen zu werden. Anstatt aber – wie vorgängig vereinbart – auf drei zu zählen, bevor der Schauspieler losgelassen würde, einigte sich das Team darauf, ihn schon bei 1 auf den Weg in die Tiefe zu befördern, um so einen entsetzten Gesichtsausdruck einfangen zu können.

6. Uma Thurman in «Kill Bill: Volume 2» (2004)

«Kill Bill: Volume 2» verlangte Uma Thurman sowohl physisch als auch psychisch so einiges ab. © Ascot Elite

Im zweiten Teil von Quentin Tarantinos Kult-Rache-Saga musste Uma Thurman einer ihrer grössten Ängste ins Auge blicken, denn die Schauspielerin wurde in ihrer Rolle der rachedurstigen Braut in einem billigen Holzsarg lebendig begraben. Für die unter ausgeprägter Klaustrophobie leidende Thurman – die enge Räume üblicherweise meidet – war die Szene eine echte Qual.

In einem Interview beschrieb sie ihre Erfahrung als entsetzlich und gab an, dass ihrerseits kein Schauspiel für die Sarg-Szene nötig und ihre Schreie echt waren. Zu wissen, dass sie für den Dreh erneut in den Sarg steigen musste, soll sie entsprechend auch ziemlich mitgenommen haben.

7. Veronica Cartwright in «Alien» (1979)

Damit hatte niemand gerechnet: «Dieses Ding taucht auf» war alles, was die Schauspieler dem Drehbuch entnehmen konnten. © 20th Century Fox Switzerland

Die berühmt-berüchtigte «Chestburster-Szene» wurde lediglich ein einziges Mal gedreht, wobei aber vier Kameras gleichzeitig liefen. Der Schrei von Darstellerin Veronica Cartwright ist bei diesem Take absolut authentisch, denn die Schauspieler rechneten nicht damit, dass die Szene, in der ein Alien aus der künstlichen Brust ihres Kollegen bricht, derart blutig ausfallen würde. Dass der Parasit Zähne haben und sich bewegen würde, soll alles gewesen sein, was sie im Vorfeld über diesen Horror-Moment in Erfahrung bringen konnten.

Die Schauspieler im Dunkeln tappen zu lassen, war ein brillanter Schachzug des Regisseurs, der die echten Reaktionen kaum erwarten konnte. Veronica Cartwright wurde das Ganze dann aber doch etwas zu viel: Im Anschluss an die Aufnahme, fiel sie in Ohnmacht.


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