Kritik20. März 2020

Serientipp «Self Made: Das Leben von Madam C. J. Walker»: Octavia Spencer sorgt auf Netflix als Selfmade-Millionärin für Inspiration

Serientipp «Self Made: Das Leben von Madam C. J. Walker»: Octavia Spencer sorgt auf Netflix als Selfmade-Millionärin für Inspiration
© Netflix

Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer verkörpert in «Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker» eine Unternehmerin, Philanthropin und Aktivistin, die als eine der ersten Selfmade-Millionärinnen in den USA gilt.

Weibliches Unternehmertum spielt in der heutigen Zeit eine zentrale Rolle. Immer mehr Frauen sind in Führungspositionen anzutreffen, mehr und mehr wird die klassische Rollenverteilung in Beziehungen zugunsten einer erfolgreichen beruflichen Karriere hintangestellt oder modifiziert. Doch was im 21. Jahrhundert in unseren Breitengraden tendenziell kaum mehr als unangemessener Zug einer Frau bewertet werden dürfte, entsetzte Zeitgenossen von Madam C.J. Walker: Sie tat sich als eine der erfolgreichsten afroamerikanischen Unternehmerinnen aller Zeiten hervor, nahm unzählige weitere dunkelhäutige Mitbürgerinnen unter ihre Fittiche und unterstützte diese.

Sarah Breedlove aka Madam C. J. Walker stammt aus Louisiana. Während ihre Eltern und ihre fünf Geschwister allesamt auf einer Plantage schuften mussten, wurde sie, nach dem Verabschieden der Emanzipationsproklamation, als erstes Kind ihrer Familie in Freiheit geboren. Nachdem ihre Eltern verstorben waren, zog sie im Alter von 10 Jahren als Vollwaise nach Vicksburg Mississippi, wo sie als Hausangestellte beschäftigt wurde.

Dass sie erstmals im Alter von 14 Jahren heiratete, als 15-Jährige Schwanger und als 20-Jährige zur Witwe wurde, verkündet Hauptdarstellerin Octavia Spencer in der Netflix-Produktion in einer beflügelnden Rede an Frauen, die sich offensichtlich deutlich mehr als nur geschmeidige Haare erhoffen. Mehr informationen zu ihrer Kindheit und Jugend sind der Mini-Serie, die sich auf Madam Walkers Leben als ambitionierte Frau mit visionären Träumen fokussiert, nicht zu entnehmen.

Die Netflix-Produktion setzt ein, als Sarah als Wäscherin für Annie Tunbo Malone (Carmen Ejogo), einer afroamerikanischen Haarpflege-Unternehmerin, zu arbeiten beginnt. Begeistert von ihren Produkten, die ihren eigenen Haarverlust gestoppt haben, beginnt sie diese schliesslich anderen Frauen anzupreisen und bietet Annie an, die Pflegemittel für sie zu verkaufen – ein Angebot, das jene entschlossen ablehnt.

Dass Sarah, die den gängigen Schönheitsidealen nicht zu entsprechen erscheint, mit ihren Produkten in Verbindung gebracht werden könnte, ist ihr ein Graus. Spätestens nachdem Sarah ihr bei Annie angeeignetes Wissen über die Haarpflege für ihre eigene Produktlinie zu nutzen beginnt, wird aus der anfänglichen Abneigung ein skrupelloser Konkurrenzkampf, und Malone zu ihrer grössten Rivalin.

Es ist nicht das erste Mal, das Madam C. J. Walkers Leben, Wirken und sozialer Einfluss auf ihre Umwelt Zuschauer zum Staunen bringen dürfte. Regisseurin und Bühnenautorin Regina Taylor schrieb mit «The Dreams of Sarah Breedlove» bereits im Jahr 2006 ein Stück, das von Walkers Triumphen erzählt. Die Netflix-Produktion liefert nun weiteren Stoff über diese aussergewöhnliche Geschäftsfrau, die unnachgiebig ihren Träumen folgte.

Die Serie, die den englischen Titel «Self Made: Inspired by the Life of Madam C. J. Walker» trägt, basiert auf Walkers Biografie von A’Lelia Bundles, ihrer Ururenkelin. Obwohl das weibliche Unternehmertum darin zunächst auf eine inspirierende Art und Weise beleuchtet wird, lässt sich nicht bestreiten, dass - wohl auch der Dramaturgie zugunsten - Intrigen sehr viel Raum gegeben wird. Das mag unterhaltsam sein, untergräbt bis zu einem gewissen Grad aber auch die Errungenschaften von Sarah Breedlove, die insbesondere zum Serienfinale hin deutlich werden.

Punkten kann «Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker» derweil mit einer erfrischenden Inszenierung, in der beispielsweise musicalartige Sequenzen und Musikstücke wie Seven Nation Army oder Harlem Shake überraschend reibungslos in den Serienkontext des 19. Jahrhunderts untergebracht werden. Octavia Spencers Auftritt dürfte zudem so manch einem Selbstzweifler Mut machen, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und den sprichwörtlichen Stier an den Hörnern zu packen. Madam C. J. Walkers Wunsch nach Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern sowie einer Welt frei von Rassismus bleibt relevant – damals wie heute.

4 von 5 ★

Die 4 rund 45-minütigen Folgen von «Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker» sind ab sofort auf Netflix verfügbar.

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Kommentare 1

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zf.spittel@datazug.ch

vor 10 Tagen

ganz toller Film mit einer umwerfenden und äusserts glaubwürdigen Octavia Spenser.
Der Soundtrack allerdings lässt zu wünschen übrig. in den meisten Sequenzen hat die Musik mehr gestört als gepasst..überhaupt nicht filmzeitgemäss, zum teil wirklich wirklich nervig.
aber sonst win ganz toller Film zum Entspannen, Nachdenken und dich freuen an den schönen Menschen🤗🤗🤗Mehr anzeigen


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